Der stellvertretende Bürgermeister von Schömberg, Udo Bertsch (stehend rechts), überreichte dem neuen Rathauschef Matthias Stepan die Urkunde. Foto: Thomas Fritsch

Rund 320 Besucher sind zur Amtseinsetzung des neuen Schömberger Bürgermeisters Matthias Stepan in das Kurhaus in Schömberg gekommen. Wie hoch sind die Erwartungen an den Schultes?

Bei der Stichwahl am 22. März wurde Matthias Stepan aus Maisenbach-Zainen zum neuen Bürgermeister von Schömberg gewählt. Am 31. März schied Matthias Leyn als Bürgermeister von Schömberg aus dem Amt. Stepan hatte am 15. April seinen ersten Arbeitstag im Rathaus. Zwischen dem 31. März und dem 15. April war der stellvertretende Bürgermeister Udo Bertsch das Gemeindeoberhaupt.

 

Amtseid Bertsch war es auch, der bei der feierlichen Gemeinderatssitzung am Dienstagabend vor im Kurhaus vor rund 320 Besuchern Stepan den Eid abnahm und auf sein neues Amt verpflichtete.

Schömbergs stellvertretender Bürgermeister Udo Bertsch (links) nahm Matthias Stepan den Amtseid ab. Foto: Thomas Fritsch

Das meint der stellvertretende Bürgermeister In seiner Rede machte Bertsch deutlich, dass das Amt des Bürgermeisters nicht nur Beruf, sondern auch Berufung sei. Dem neuen Amtsinhaber gab er das Gedicht „Stufen“ von Hermann Hesse mit auf den Weg, wonach jedem Anfang ein Zauber innewohne.

Gespür für das Machbare

Bertsch räumte ein, dass ein Bürgermeister nicht alle Wünsche erfüllen könne. Ein Bürgermeister müsse deshalb ein Gespür für das Machbare und Notwendige haben.

Bei knappen Mitteln sei es umso wichtiger, transparent und nachvollziehbar zu agieren, sagte Bertsch. Privates Engagement müsse ein Bürgermeister fördern und nicht ausbremsen.

Das sagt der stellvertretende Landrat Der Erste Landesbeamte im Landratsamt Calw und stellvertretende Landrat Frank Wiehe sagte, dass die Ansprüche an einen Bürgermeister sehr hoch seien. Er sei Problemlöser für alles Mögliche. Die Erwartungen stiegen immer weiter. Die Möglichkeiten würden dagegen weniger werden.

Wiehe ging auf die klammheimliche Bewunderung von manchen Zeitgenossen für autoritäre Systeme etwa in China und in den Golf-Monarchien ein, die ach so effizient seien und Projekte schnell durchzögen.

Mit Bertolt Brecht fragte Wiehe dann, wer denn zum Beispiel die Triumphbögen im alten Rom oder sonstige Monumente gebaut habe. Jedenfalls nicht die Mächtigen, mit deren Namen sie verbunden würden. Stattdessen seien die Bauwerke durch „Zwang, Entrechtung und Ausbeutung“ erschaffen worden: „Lassen Sie sich nicht täuschen.“

Was macht den Menschen einzigartig

Wiehe ging ins Grundsätzliche. Er fragte, was den Menschen einzigartig mache. Das seien Kommunikation und Sprache. Menschen hätten die Gabe, Geschichten zu erzählen, an die andere glauben würden. Wenn viele diesen Geschichten folgten, seien bei guten Ideen Errungenschaften oder bei schlechten Ideen Katastrophen die Folge.

Von Visionen erzählen

Wiehe forderte seine Zuhörer dazu auf, „von unseren Visionen“ zu erzählen. In Deutschland gebe es keine Unruhen. Abgeordnete würden frei gewählt. Menschen seien abgesichert. Deutschland gehöre noch immer mit zu den reichsten Ländern auf dem Planeten.

Dem neuen Bürgermeister sicherte Wiehe seine Unterstützung zu: „Der Landkreis wird Sie nach Kräften unterstützen.“

Das sagt der Vertreter der Bürgermeister im Kreis Wildbergs Bürgermeister Ulrich Bünger, Vorsitzender des Gemeindetagskreisverbandes Calw, gratulierte Stepan zur Wahl. Die Bürgermeister pflegten untereinander einen regen Austausch. Dabei gehe es um fachliche Themen – aber nicht nur. Die Charakterisierung als Selbsthilfegruppe sei nicht ganz falsch.

Das Amt des Bürgermeisters sei dasjenige mit der größten Wirkmächtigkeit, so Bünger. Er räumte aber ein, dass sich viele Bürger nicht mehr repräsentiert fühlten. Dabei habe ein Bürgermeister viele Meinungen zu bündeln und dann auch zu handeln.

Fähigkeit zu Selbstzweifeln

Die kommunale Selbstverwaltung bezeichnete Bünger als wesentlichsten Teil für die Stabilität der Demokratie. Wichtig sei die Fähigkeit zu Selbstzweifeln. Es müsse genügend Zeit für reife Entscheidungen geben.

Das meint die Vertreterin der Vereine Im Namen der mehr als 60 Schömberger Vereine ergriff Simone Rothfuß, Vorsitzende des Wintersportvereins Schömberg, das Wort. Sie erinnerte an die schwierige Zeit während Corona. Hier seien Mitglieder und Helfer verloren gegangen.

Noch stärker an einem Strang ziehen

Vereine seien wichtig für das Funktionieren eines Gemeinwesens, sagte Rothfuß. Sie schafften Identität. Wichtig sei dabei eine gute Vernetzung. Bei der Zusammenarbeit mit dem Rathaus gehe es nicht nur um die finanzielle Unterstützung für die Vereine, sondern auch um eine wertschätzende Art bei der Kommunikation. Angesichts der Herausforderungen müssten alle noch stärker an einem Strang ziehen, sagte Rothfuß: „Wir reden miteinander, nicht übereinander.“ Ein Bürgermeister sei Vermittler und Moderator und manchmal auch Blitzableiter, sagte sie.

Das sagt der Vertreter der Blaulichtfamilie Einen neuen Chef bekommt auch die Freiwillige Feuerwehr Schömberg. Rainer Zillinger, Kommandant der Gesamtfeuerwehr, erinnerte daran, dass 24 Stunden an 365 Tagen in der Leitstelle immer jemand parat stehe, wenn die 112 gewählt werde.

Die Feuerwehr Schömberg hat mit Matthias Stepan (Mitte) einen neuen Chef. Rainer Zillinger (links), Kommandant der Gesamtwehr, und sein Stellvertreter Michael Kraft freuen sich auf die Zusammenarbeit. Foto: Wolfgang Krokauer

Er erinnerte auch an das ehrenamtliche Engagement der Feuerwehrleute. Dabei sei die Arbeit hochbelastend für die Einsatzkräfte.

Als Bürgermeister gelte es, Visionen zu entwickeln, sagte Zillinger. Dem Rathauschef versicherte er, dass die Blaulichtfamilie zusammenstehe, wenn die Sirenen heulten.

Anspruchsdenken herunterschrauben

An die Bürger appellierte Zillinger jedoch, manches Anspruchsdenken herunterzuschrauben.

Das Schlusswort hat der neue Amtsinhaber Stepan selbst sagte zum Schluss der Feierstunde, dass jetzt sei die Zeit gekommen, um seine Visionen umzusetzen. Dabei gelte es jedoch Prioritäten zu setzen. Nicht alles werde sofort umgesetzt. Ein Schwimmbad werde es wohl nicht mehr geben, so Stepans wenig gewagte Prognose.

Stepan erinnerte an die derzeitigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Er sagte aber auch, dass entscheidendend sei, wie die Bürger mitziehen würden.

Er schilderte, wie er in seinen ersten Tagen im Rathaus die mehr als 200 Mitarbeiter kennengelernt habe. Er lobte Kreativität und Gestaltungswillen.

Kein Grüßonkel

Erste Ideen gibt es auch schon – etwa im Hinblick auf eine Aufwertung des Kurparks. Stepan berichtete von ersten Besuchen in den Kindertagesstätten. Er bedankte sich bei den Blaulichtorganisationen und Vereinen. Die Jahreshauptversammlungen nannte er „superspannende Termine“. Stepan stellte klar, dass er kein Grüßonkel sein wolle, sondern selbst mit anpacke.

Batterien aufladen

Bei aller Präsenz sei auch mal ein Rückzug nötig, um die Batterien aufzuladen, sagte der neue Bürgermeister. Und auch die Büroarbeit müsse erledigt werden. Er treffe Entscheidungen, für die er den Kopf hinhalten müsse. Er werde sich nicht wegducken, versicherte er.

„Gemeinsam werden wir alle Herausforderungen meistern“, sagte Stepan und lud auf seine Kosten zu einem Stehempfang ein.

Der Musikverein Schömberg umrahmte die Feierstunde musikalisch.