Seit rund zwei Jahren verzeichnet die Wasserfallstadt Triberg einen Anstieg der Busreisegruppen. Wir sprachen mit Stadtmarketingchef Nikolaus Arnold über die Hintergründe.
Mittlerweile zahlt es sich aus, dass Triberg seine Busreiseveranstalter hegt und pflegt. Die Voraussetzung dafür wurde vor sechs Jahren mit geschickter Stadtplanung und der Fertigstellung der Flaniermeile, dem sogenannten Boulevard zwischen Marktplatz und Wasserfalleingang, geschaffen.
Damals bekamen die Busse ihren einen eigenen großen Gratis-Parkplatz in der Wallfahrtstraße. Dort gibt es genügend WC-Anlagen, er ist zentral gelegen und alle Triberg-Highlights sind in wenigen Gehminuten zu erreichen. Am Anfang wurde das Angebot noch eher zögerlich wahrgenommen. Dann sprach es sich unter den Busunternehmen herum. Mittlerweile ist in der Hochsaison, im Juli und August, der Triberger Busparkplatz, der Platz für 14 dieser großen Vehikel bietet, regelmäßig vollgeparkt. „Das hat so eine Dynamik bekommen, das hat sich richtig schön entwickelt“, freut sich der Stadtmarketingchef.
Die Gruppen bleiben länger in der Stadt
„Aber Hochsaison kann ja jeder“, sagt Arnold in seiner unnachahmlich humorigen Art und berichtet davon, dass die Busunternehmen eben auch in der sogenannten Nebensaison kommen. Im vergangenen Dezember habe er an einem Tag einmal acht Busse gezählt. Und was der Stadtmarketingchef auch beobachtet hat, ist, dass die Gruppen länger in der Stadt bleiben. Wäre es früher üblich gewesen, ein bis zwei Stunden für den Besuch der Wasserfälle einzuplanen und dann das nächste Ziel anzusteuern, bleiben die Besucher jetzt erheblich länger.
Das führt Arnold auch auf die Einführung der Triberg-Card zurück, die dem Wasserfallbesucher sozusagen den Eintritt ins Schwarzwaldmuseum, ins Instagram-Museum Triberg-Fantasy und in die interaktiven Modellbauanlagen im Triberg-Land noch oben drauf legt.
Und freilich wuchere die Stadt da auch mit ihren Pfunden und bemühe in der Werbung die Klischees. Vom Bollenhut über die Schwarzwälder Kirschtorte, vom Schwarzwaldschinken und dem Schnäpschen bis hin zur Kuckucksuhr sei in den Geschäften ja auch alles zu haben, wofür die Region bekannt ist. Mit den Reisegruppen kommen dann auch viele Menschen, die nicht nur gucken, sondern kaufkräftig sind und im Einzelhandel und in den Souvenir-Shops für Umsätze sorgen. „Unser Angebot und das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt einfach, wir haben ein gutes Produkt“, bewertet Nikolaus Arnold, was Triberg alles in allem zu bieten hat.
Für Gastronomen sind die Gruppen kalkulierbar
Für die Gastronomie ist der stetige Fluss an organisierten Bustouren ein enormer Gewinn. Wenn Gruppen kommen, können Gastwirte das Personal und den Einkauf planen, wissen, um wie viel Uhr wie viele Gäste eintrudeln und im Idealfall auch schon, für welches Gericht sie sich entscheiden. Das ist viel einfacher zu kalkulieren.
Mittlerweile hat die Stadt 1500 Busreiseveranstalter in ihrem Marketing-Portfolio und schreibt die Unternehmen regelmäßig an. Zudem ist Triberg auf Messen und bei Workshops der Branche präsent. Die meisten Gruppen, die nach Triberg kommen, kommen aus Baden-Württemberg. Es reist aber auch ein internationales Publikum an, aus dem benachbarten Frankreich etwa. Im vergangenen Jahr waren es viele spanische und italienische Touristen, die stundenlang in der Wasserfallstadt Halt machten. Die Südländer schätzen das angenehm kühlere Klima in den Zeiten, in denen in ihren Metropolen die Hitze flimmert und an Outdoor-Aktivitäten nicht zu denken ist. Vor den Sommerferien reisen viele Schulklassen an.
Ein Schlüssel für den Erfolg im Busreisen-Geschäft sei es, so sagt Arnold, die Busfahrer zufrieden zu stellen. „Die Busfahrer muss man hofieren, denen muss man sozusagen den roten Teppich ausrollen“, kommentiert er. Mit bequemem Parken sei es da nicht getan. Für die Fahrer gibt es in Triberg deshalb einen Gratis-Eintritt ins Schwarzwaldmuseum, wo sie sich aufhalten und entspannen können, freies WLAN haben und eine Tasse Kaffee von der Stadt spendiert bekommen.
Derzeit bewirbt die Stadt ihr Schinkenfest am 9. und 10. Mai 2026 mit seinem großen Trachtenumzug. Schon jetzt haben sich für den Sonntag acht Busgruppen angemeldet. Gäste, mit denen Triberg rechnen kann.