Am Pfingstmontag schlüpfte Museumsleiter Volker Neipp vor dem Auberlehaus erstmals in die Rolle eines Jahrmarktorgelspielers, wo bis vor rund 100 Jahren der Rummelplatz des Trossinger Pfingstmarktes seinen Platz hatte. Foto: Ingrid Kohler

Vor dem Auberlehaus in Trossingen spielte kürzlich erstmals ein besonderes Instrument. Es erinnerte an den traditionellen Rummel längst vergangener Jahrzehnte.

Volker Neipp, der Leiter des Museums Auberlehaus, ist ständig auf der Suche nach neuen Exponaten, um den Besuchern Einblicke in teils längst vergessene Traditionen zu geben.

 

So stand er am Pfingstmontag erstmals mit einer Jahrmarktorgel – auch Kirmesorgel genannt – vor dem Museum und begeisterte die vorbeikommenden Marktbesucher mit bekannten Melodien von anno dazumal.

„Hier vor dem Auberlehaus war in früheren Jahren der Marktplatz und am Pfingstmarkt auch die Schiffschaukeln und Karussells, in denen bis in die 1930er-Jahre hinein auch Jahrmarkts- oder Kirmesorgeln waren“, erklärte Volker Neipp. Bei der Jahrmarktorgel, die Eigentum des Museums Auberlehaus ist, handelt es sich um eine holländische Jahrmarktsorgel namens „Leeuwerik“, was Lerche bedeutet.

Die „Leeuwerik“

Erstanden hat der Museumsleiter das Instrument samt vielen Rollen mit bekannten Melodien in Holland. Die Orgel wurde im Jahr 1982 aufgebaut in der Tradition niederländischer Jahrmarktorgeln nach dem Vorbild von Instrumenten aus Waldkirch im Schwarzwald, das bekannt ist für den Orgelbau.

Die Jahrmarktsorgel „Leeuwerik“ steht auf einem Anhänger. Sie hat 38 Tonstufen, 18 gedackte Labialpfeifen, zehn Begleitpfeifen, ein Becken, eine Trommel und eine Figur als Dirigent. Die Steuerung erfolgt über Lochkarten, der Antrieb durch einen Elektromotor mit Flachriemen oder auch per Handkurbel. So erklangen erstmals am Pfingstmontag die berühmten „Tulpen aus Amsterdam“ und viele weitere bekannten Melodien.

Gerne ein Obolus

Und so manch ein vorbeigehender Besucher erinnerte sich an die alte Tradition, dem Orgelspieler einen kleinen Obolus in die Kasse zu stecken.

So klingelte und vermutlich raschelte es dann auch in der Spendenbüchse von Volker Neipp, die er zu Gunsten des Auberlehauses dabei hatte.

Das Orgelspiel am Pfingstmontag soll auch keine Eintagsfliege gewesen sein, denn „zum Kilbemärt wird wieder gespielt“, so Volker Neipp, allerdings unter der Voraussetzung, es sei gutes Wetter, denn Regen oder wie beim Schwedenfeuer eventuell auch Schnee verträgt das gute Stück nicht.