Ist Schrott aus Sicht des Rathauses: Sowohl der Wärmespeicher vorne als auch die Solarthermie-Anlage auf den Dächern werden jetzt abgerissen. Foto: Juergen Lueck

Jetzt kommt es noch dicker für die Stadtwerke Horb: Das Rathaus sagt, warum die Solarthermie-Anlage für die Nahwärme Hohenberg weg muss.

Der Ärger für Stadt und Stadtwerke wird größer: Erst wurde die Klage gegen Cupasol wegen der Solarthermie-Anlage verloren. Dann beschloss der Gemeinderat, den Streit um den Baupfusch im Neckarbad (gehört nicht zu den Stadtwerken) endgültig zu beenden. Doch es kommt noch schlimmer.

 

“Die Anlage ist nur einsturzgefährdet, sonst nichts“

Monika Mitzkat ist seit Herbst 2023 Chefin der Stadtwerke Horb. Kein leichtes Amt. Immer wieder ploppen neue Frust-Bomben hoch.

Stadtwerke-Chefin Monika Mitzkat im Januar 2024 neben dem damaligen OB Peter Rosenberger (CDU) im Gemeinderat. Derzeit ist sie nicht zu beneiden. Foto: Juergen Lueck

Im Februar wurde die Klage des Rathaus Horb gegen Cupasol wegen der Solarthermie-Anlage vom Gericht in Rottweil abgewiesen. Damit blickt Mitzkat von ihrem Dienstsitz aus in den Stadtwerke gegenüber fast nur auf „Schrott“. Die 1,4 Milionen-Euro-Anlage – so nicht zu gebrauchen.

Bürgermeister Ralph Zimmermann (FDP): „Wir haben mehrere Firmen gefragt, ob wir den Bau fortsetzen können. Kein Unternehmen ist bereit. Niemand ist in der Lage, die Statik zu berechnen. Niemand ist bereit, das Ding weiter zu bauen und eine Gewährleistung zu übernehmen. Die Anlage ist nur einsturzgefährdet, sonst nichts.“

Jetzt kommt der Cupasol-Schrott weg

Doch es kommt noch schlimmer: Neben der Solarthermie-Anlage, die 2021 (auch vor Mitzkat) in Betrieb gehen sollte, steht ein riesiger roter Wärmespeicher – 9,15 Meter hoch, 23,4 Meter Durchmesser. 3 Millionen Liter Wasser sollen hier Wärme als Puffer für die Nahwärme speichern. Fertiggestellt im Jahr 2015. Von der Firma, die auch für die Solarthermie-Anlage verantwortlich ist.

Der ersten Prozess um Schadensersatz für die Solarthermie-Anlage der Stadtwerke gegen Cupasol wurde verloren. Doch es kommt noch schlimmer. Immerhin funktioniert die Pellets-Heizung der Nahwärme noch. Foto: Jürgen Lück

Jetzt sagt OB Michael Keßler (CDU): „Der Wärmespeicher wird abgerissen.“ Warum? Auch dieses Teil ist „Schrott“ – defekt, wie in der jüngsten Gemeinderatssitzung zu erfahren war. Mehrfach hatte der Kessel für den Wärmespeicher für Nahwärme auf dem Kasernengelände geleckt, das Rathaus hatte die Reparatur eingefordert. Offenbar ohne Erfolg.

Die nächste Millionen-Ruine der Stadtwerke Horb

Wieder ein teures, neues Stadtwerke-Problem. Damals hat die Errichtung des „dicken Dings“ eine Million Euro durch die Firma gekostet. Die Hoffnung des damaligen Stadtwerke-Chefs Eckard Huber im Juli 2015: „Besonders morgens entsteht eine Spitzenlast, wenn die Nahwärmekunden Duschen wollen oder sonst warmes Wasser brauchen. Dann müssen wir nicht mehr unsere mit Gas oder Öl betriebenen Anlagen hochfahren, sondern schalten den Wärmepuffer in der Kaserne dazu.“

Jetzt soll das Ganze demontiert werden. Horbs OB Michael Keßler (CDU): „Die Solarthermieanlage, die bereits im Eigentum der Stadtwerke Horb ist, wird in den nächsten Wochen fachgerecht abgebaut und die Bestandteile gesichert eingelagert werden. Ebenfalls wird ab Juli 2026 der Wärmepufferspeicher, der Leichtflüssigkeitsabscheider und ein Teil des Hallendaches durch den Generalunternehmer Gaiser-Plan GmbH aus Ulm abgebaut, damit zeitnah mit dem Bau der neuen Biomasseheizzentrale begonnen werden kann.“

Die Solarthermie-Module auf dem Dach sollten die Nahwärme effizienter machen. Derzeit werden sie von den Stadtwerken gelagert. Foto: Jürgen Lück

Bürgermeister Ralph Zimmermann (FDP): „Wir werden vor der nächsthöheren Instanz in Stuttgart klagen. Unsere Klage bezieht sich nicht nur auf Erwerb der Anlage, sondern auf die Bauleistungen. Wir werden nicht nur unsere Abschlagszahlungen, sondern auch den entgangenen Gewinn zurückfordern.“ In zehn Jahren, so die Kalkulation im Jahr 2020, sollte die Solarthermie-Anlagen 122.000 Euro einsparen. Wenn der mutmaßliche Baupfusch, den das Rathaus beklagt, nicht gewesen wäre.