Die Strompreiserhöhung der EnBW ab April sorgt für Frust bei Kunden des Energieversorgers. Foto: imago/ Panthermedia/Antonio Guillem

Zuerst kündigt die EnBW eine deftige Preiserhöhung an – doch nach der Kündigung gibt es plötzlich ein viel besseres Angebot. Einige Kunden fühlen sich vor den Kopf gestoßen.

Zum 1. April hebt die EnBW ihre Preise für Haushaltsstrom um 15,9 Prozent an – für einen Drei-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 2900 Kilowattstunden (kWh) bedeutet das Mehrkosten von monatlich rund 16 Euro. Manchen EnBW-Kunden blühen prozentual noch größere Kostensteigerungen – das betrifft etwa Tarife, die in der Vergangenheit durch Preisgarantien geschützt waren, die nun aber ausgelaufen sind.

 

Langjährige Kunden, die den Preisaufschlag nicht hinnehmen, fühlen sich von der EnBW vor den Kopf gestoßen. Der Grund: Nachdem sie gekündigt haben, bekommen sie von der EnBW Zurück-Wechsel-Angebote, die weit unter der Preiserhöhung liegen. „Das schlägt dem Fass den Boden aus. Wie kann das sein?“, fragen Kornelia und Bernhard Stahl. Jahrzehnte bezog das Rentner-Ehepaar aus Mönsheim im Enzkreis seinen Strom über die EnBW – doch jetzt ist damit Schluss. „Dieses Vorgehen ist in unseren Augen ein No-Go und Beutelschneiderei“. Die Stahls sind kein Einzelfall – etliche Kunden kehren der EnBW enttäuscht den Rücken.

Rückholangebote erzürnen EnBW-Kunden

Als das Schreiben mit der Preiserhöhung ins Haus flatterte, traute die 69-jährige Kornelia Stahl ihren Augen nicht. Statt wie bislang 25,2 Cent pro kWh soll der Strom bald 41,4 Cent pro kWh kosten. Auch der jährliche Grundpreis sollte sich um 74 Euro auf 218 Euro erhöhen. „Dies hielten wir schlichtweg für Abzocke“, sagt sie. Auf Vergleichsportalen im Internet finden sie viel günstigere Tarife für Neukunden. „Eine Ersparnis von mehreren Hundert Euro ist nicht nur für Rentner wie uns wohltuend.“

Die EnBW hatte die Preiserhöhungen mit gestiegenen Netzentgelten und nach wie vor teuren Beschaffungskosten an den Strombörsen begründet. Dass es nach der Kündigung bei der EnBW plötzlich doch günstiger geht – das leuchtet Stromkundin Stahl nicht ein. Denn in dem jetzt angebotenen Tarif soll die Energie nur noch 30,45 Cent pro kWh kosten – auch die Grundgebühr wird um 49 Euro günstiger. „Das hat uns sehr enttäuscht“, sagt sie. Angesichts der sprudelnden Gewinne der EnBW in der Energiekrise sei „dieses Geschäftsgebaren ein Schlag ins Gesicht ihrer Kunden“.

EnBW-Kunde: „Wer nicht kündigt, ist der Dumme“

„Wer nicht kündigt, ist der Dumme“, so formuliert es Hubertus Menze. Der frühere Elektroingenieur hilft Freunden und Familie in seinem Ruhestand bei Fragen rund um Strom und Gas. Der 67-jährige Stuttgarter berichtet von mehreren Fällen, in denen Bekannte nach Kündigungen bessere Angebote bekamen. „Da fühlt man sich veralbert“, sagt er. Menze rät jedem, möglichst schnell zu einem anderen Stromanbieter zu wechseln. Die Rechnung ist bei vielen ähnlich: Durch den Aufschlag ab April droht zunächst ein Verbrauchspreis von mehr als 40 Cent – nach der Kündigung kommt dann ein EnBW-Angebot, das bei etwa 30 Cent liegt.

Eine konkrete Frage zu den Angeboten, mit denen die EnBW abgewanderte Kunden zurückgewinnen will, lässt eine Unternehmenssprecherin unbeantwortet. „Wir sind überzeugt davon, dass die meisten unserer Kundinnen und Kunden den ‚richtigen’ Tarif für sich gefunden haben“, sagt die Sprecherin. Diese könnten sich bei Unsicherheiten oder Tariffragen „natürlich gerne an uns wenden“, heißt es weiter. Eher schwammig sagt sie: „Wenn sich daraus eine Lösung ergibt, die der Kundin oder dem Kunden noch besser zusagt, freuen wir uns. Das gilt auch und gerade in Notlagen.“ Auch die Frage, ob die angekündigte Preiserhöhung zu einer Kündigungswelle geführt hat, lässt die EnBW-Sprecherin unbeantwortet – „aus Wettbewerbsgründen“.

EnBW-Hotline: „In letzter Zeit ist die Hölle los“

Aufschlussreicher ist ein Anruf in der Kundenhotline bei der EnBW. „In letzter Zeit ist die Hölle los“, sagt eine Mitarbeiterin mit Blick auf die Preiserhöhung – doch wer hofft, ganz ohne Kündigung in einen anderen Tarif wechseln zu können, wird enttäuscht.

Von dieser Erfahrung berichtet Rentner Thomas Beer aus Esslingen, der den Hausstrom seit Jahrzehnten über die EnBW bezogen hatte. „Ich hatte der EnBW die Chance gegeben, die Erhöhung in der Höhe zu überdenken“, sagt der 68-Jährige, dessen Strompreis sich ab April um fast zwanzig Prozent auf 40 Cent pro Kilowattstunde erhöhen sollte. Doch erst nach der Kündigung flattert ein Rückholangebot ins Haus: „Der Knaller ist, dass das neue Angebot nicht teurer ist, als ich bisher bei EnBW bezahle“, sagt Beer. „Dieses Verhalten soll man verstehen. Warum hat man nicht gleich kundenorientiert reagiert?“

Verbraucherschützer: „Zur Zeit ist ein Wechsel sinnvoll“

Matthias Bauer von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg hat eine Antwort auf diese Frage: „Der Neukunde wird hofiert, der Bestandskunde wird schlechter behandelt.“ Der Energieexperte kann den Kunden-Frust zwar nachvollziehen, beschreibt die Praktiken der EnBW aber als nicht ungewöhnlich. In einem ersten Schritt müsse der Energieversorger die Kündigung akzeptieren. Danach spreche rechtlich nichts dagegen, Kunden mit besseren Angeboten zurückzulocken.