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Neuenbürg "Wir haben deutlich schwerere Fälle"

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Die Verantwortlichen der RKH Klinik Neuenbürg rechnen für das zurückliegende Jahr mit einem höheren Fehlbetrag als im Vorjahr. Fotos: Jänsch Foto: Schwarzwälder Bote

Das RKH Krankenhaus Neuenbürg wird für 2019 einen größeren Verlust ausweisen als noch im Vorjahr. Fast zwölf Prozent weniger Patienten und eine teure Grundversorgung machen dem Haus zu schaffen. Spezialisierungen sollen nun helfen.

Neuenbürg. "Je kleiner das Haus, desto schwieriger ist es, es wirklich wirtschaftlich zu betreiben", weiß Dominik Nusser, Regionaldirektor der Enzkreis-Kliniken. "Bis vor ein paar Jahren hat man gesagt, unter 150 Betten ist es unmöglich", so Nusser weiter, "ich würde heute so weit gehen, dass es unter 200 nicht möglich ist." Das RKH Krankenhaus Neuenbürg, das zusammen mit der Mühlacker Klinik und der geriatrischen Rehabilitation im Zuständigkeitsbereich des Regionaldirektors liegt, hat gerade einmal 80. Glaubt man der These, ist es nicht verwunderlich, dass die drei Enzkreis-Häuser im Jahr 2018 zusammen 3,8 Millionen Euro Verlust machten. Für das vergangene Jahr sieht Nusser noch einen größeren Fehlbetrag auf den Landkreis zukommen.

"Unter den aktuellen politischen Rahmenbedingungen ist es fast unmöglich, die schwarze Null zu schaffen", unterstreicht der Regionaldirektor der Enzkreis-Kliniken. Besonders schwer wiege dabei der Grundversorgungsauftrag für Notfallpatienten. Die aufwendige Infrastruktur und der notwendige Personalstock, der dafür vorgehalten werden müsse, werde nicht durch Patienten abgedeckt.

Rheumatologie und Orthopädie spielen sich in die Karten

"Deswegen brauchen wir Leuchttürme, die uns die Grundversorgung querfinanzieren", rechnet Nusser vor. Einen solchen Leuchtturm hat die Neuenbürger Klinik sich bereits 2016 mit dem Engagement des Orthopäden Stefan Sell geschaffen, der seitdem das "Gelenkzentrum Schwarzwald" leitet. Seit dem 1. Januar hat das RKH Krankenhaus Neuenbürg nun ein zweites Aushängeschild: Das Süddeutsche Rheumazentrum, das Nikolaus Miehles Verantwortung untersteht. "Der Hintergrund war", erklärt Sell: "Wir wollten, dass jemand, der Schmerzen im Gelenk hat, zur Versorgung hierherkommen kann. Egal, ob er rheumatologisch, chirurgisch oder chronisch bedingte Schmerzen hat." Ein schlauer Zug, findet der Orthopäde und Ärztliche Direktor. Denn die Rheumatologie und die Orthopädie befruchteten sich gegenseitig – im Laufe der Zeit bräuchten rund 20 Prozent der rheumatologischen Patienten auch einen chirurgischen Eingriff, sagt Sell.

Mithilfe solcher strategischen Überlegungen wollen Nusser und Sell die Klinik auch für die Zukunft gut aufstellen. "Wenn wir Strukturen schaffen, dann natürlich mit dem Anspruch, das auch dauerhaft leisten zu können, was wir versprechen", zeigt der Regionaldirektor auf. Dafür arbeiten die beiden Direktoren eng zusammen – Sell ist dabei vor allem für die medizinischen Aspekte der Konzepte verantwortlich, Nusser für die betriebswirtschaftliche Betrachtung. Doch das Erfolgsgeheimnis des Standorts Neuenbürg liege laut Nusser auch darin, dass beide stets die Sichtweise des anderen mitdenken. Sell glaubt, wenn das medizinische Konzept gut ist, stimme irgendwann auch die Wirtschaftlichkeit. "Dann müssen Sie auch gar keine Purzelbäume schlagen", resümiert der Ärztliche Direktor.

Anzahl der Patienten sinkt im Jahr 2019 um zwölf Prozent

Trotzdem ist die Anzahl der Patienten im vergangenen Jahr rückläufig gewesen. Nur etwa 3350 Fälle haben die Spezialisten in Neuenbürg behandelt. 2018 waren es noch rund 3800 Patienten. "Aber wir haben deutlich schwerere Fälle", stellt der Orthopäde fest. In deutlich mehr als zehn Prozent der Fälle würden Wechseloperationen künstlicher Gelenke vorgenommen, sagt Sell. Dafür bräuchte der Orthopäde mindestens doppelt so lange wie für eine Ersttransplantation – beispielsweise zwei Stunden für den Wechsel eines Hüftgelenks. "Da habe ich zwar doppelten Aufwand, aber nicht den doppelten Ertrag", so Sell. Weil die Operationen aber schwieriger seien, steigerten diese das Renommee des Neuenbürger Krankenhauses.

2020 wollen Nusser und Sell an das negative Jahresergebnis von 3,8 Millionen Euro aus dem Jahr 2018 anknüpfen. Auf lange Sicht soll der Verlust aber in Richtung Zwei-Millionen-Euro-Marke gehen. Dazu werde nun auch das "Süddeutsche Rheumazentrum" beitragen. Und weil dieses zu Beginn des Jahres noch besser angelaufen ist als erwartet, soll der komplett leer stehende dritte Stock des Klinik-Neubaus bis Ende des Jahres ausgebaut und die Bettenanzahl damit in die Höhe geschraubt werden. "Schön wäre es natürlich schon, wenn wir Gewinn erwirtschaften würden, weil wir das zu 100 Prozent in medizinische Technik reinvestieren könnten", träumt Nusser – auch weil die beiden Direktoren ständig an innovativen Konzepten arbeiteten und neue Ideen im Hinterkopf hätten.

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