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Neuenbürg Theatralisch auf den Spuren der Historie

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Alte Gemäuer, längst vergessene Räumlichkeiten und die ein oder andere schaurige Geschichte. Beim "Projekt Zeitreise" geht es durch die Historie von Neuenbürg. Allerdings mit einem Nachtwächter, der auch noch Theater spielt.

Neuenbürg. Eine Nacht lang mit dem Nachtwächter von Neuenbürg eintauchen in historische Momente und Begegnungen mit spannenden Geschichten aus früheren Zeiten erleben. Und das in Räumlichkeiten, die um Jahrhunderte zurückversetzen. Dieses Theatererlebnis auf den Spuren vergangener Zeiten der ehemaligen Oberamtszeit, erlebten rund 50 Mitreisende beim "Projekt Zeitreise". Geschichte, wie sie lebendiger nicht sein könnte, an Orten, die üblicherweise für die Öffentlichkeit nicht zugänglich sind.

Das "Projekt Zeitreise – Neuenbürg, wie es einmal war" des Theaters im Schloss in Kooperation mit dem Förderkreis Kultur ist ein Theaterspaziergang, der an acht Stationen in der Stadt die Vergangenheit lebendig werden ließ. Allen voran Jonathan Danigel als Nachtwächter, der die Gruppe historisch und kulturell Interessierter mitnahm zu spannenden, gruseligen wie komischen Geschichten aus rund 300 Jahren Zeitgeschichte.

Mit Hellebarde, Horn und Laterne führte der Nachwächter sein Publikum eine Nacht lang durch die historischen Gassen von Neuenbürg und zog mit ihm vom Kirchplatz aus auf den Dachboden, in den Keller und den ehemaligen Gerichtssaal des früheren Oberamtsgerichts, zu den Resten der Stadtmauer, entlang der Enz zum Schuppen bei der alten Mühle, um in einen Keller aus 1784 abzusteigen und danach wieder aufzutauchen, bevor die Zeitreise im Atelier Zaat mit einem gemütlichen Ausklang endete.

Auf der Reise durch die Vergangenheit begegneten die Mitreisenden zahlreichen historischen Figuren, wie dem Renaissance-Baumeister Heinrich Schickhardt, dem Richter Wilhelm Ganzhorn, der Spukgeschichte rund um den Hafner Johann Jakob Immendörfer sowie dem Mord an Förster Klaiber.

Nächtlicher Ordnungshüter unterwegs

Die Inszenierung beleuchte die Historie mit unterschiedlichen Ansichten, der Nachtwächter nahm seine Aufgabe als nächtlicher Ordnungshüter wahr und sprach mit Worten aus vergangenen Tagen. Daneben wurden einzelne Szenen zu geschichtlichen Ereignissen spielerisch an Originalschauplätzen umgesetzt. Dazwischen mischten sich mit "Ratsch und Tratsch" (Yara-Alina Butschkow und Katharina Seraphin) zwei moderne Wesen im Ballkleid und Fascinator, die der Zeitreise den neuzeitlichen Touch verliehen.

Hinzu kamen Audioaufnahmen und auf Wände übertragenes Bildmaterial aus früherer Zeit.

Egal ob auf dem mit alten Akten verstaubten und muffigen Dachboden des Oberamtsgerichts oder im düsteren Gewölbekeller desselben Gebäudes – die Zuschauer fühlten sich zurückversetzt in die glorreiche und geschichtsträchtige Vergangenheit von Neuenbürg, die seitens des ganzen Theaterensembles auf brillante Weise in Szene gesetzt wurde und für große Begeisterung der zeitwandelnden Zuschauer sorgte. Daran konnte auch der nachgestellte und unaufgeklärte Mord an Förster Klaiber nichts ändern.

Bei der Umsetzung des historisch aufgearbeiteten Materials legte Danigel, der für den Text, die Regie und die Gesamtleitung verantwortlich zeichnete, gemeinsam mit seinem Projektteam größten Wert auf die szenengerechten und passenden Requisiten und Kostüme, die zur Authentizität beitrugen.

Begleitet wurde der historische Theaterspaziergang von einem 64-seitigen Programmheft, das die einzelnen Themen, wie Asylrecht in Neuenbürg, den Stadtbrand von 1783 und das Geisterhaus ebenfalls lebendig werden ließ.

Das grandios umgesetzte Historienspektakel wird noch an zwei weiteren Terminen aufgeführt, die bereits seit Längerem ausverkauft sind. Zum Abschluss des Theaterspaziergangs traf der Tross, angeführt vom Nachtwächter, in der Galerie Zaat ein, wo die Frage laut wurde, wie die heutige Generation, die sogenannte "Latte Macchiato Fraktion" in die Geschichte der Zukunft eingehen wird.

Das Publikum war überaus begeistert vom "Projekt Zeitreise" und ließ kräftigen Applaus auf die Darsteller einprasseln.

In weiteren Rollen waren Stefan Pflüger, Siegfried Winkler, Antje Kraneis, Regina Zumbach-Lux und Claudia Brennan zu erleben. Für Audioaufnahmen zeichneten Sabine Huber und Jessica Weigand verantwortlich. Maske und Kostüme lagen in der Hand von Gisela Voeller, die Projektassistenz übernahm Siegfried Winkler und die historisch beraten haben Gonny Westerkamp, Jürgen Klingbeil und Elke Osterloh. Text, Regie und Gesamtleitung Jonathan Danigel.

Alte Schuppen, staubige Dachböden und fast vergessene Säle

Als Spielorte wurden unscheinbare Schuppen, staubige Dachböden, steile Gewölbekeller und historische Säle, die sonst nicht zugänglich sind, exklusiv für die Theateraufführung geöffnet. Sie gewähren einmalige Einblicke in vergangene Zeiten. Beim Theaterspaziergang steht die glorreiche Vergangenheit der Stadt mit den spannendsten, gruseligsten und komischsten Geschichten aus der Historie auf dem Spielplan. Neben den exotischen Spielorten erwarten die Zuschauer Begegnungen mit dem weisen Hofmeister von Schloss Neuenbürg oder einer sensationslustigen Gafferin, die hautnah einem Mord entgeht.

Zu erleben sind auch lebendig gewordene Archivdokumente, die voller Erotik stecken und mysteriöse Erscheinungen sowie noch vieles mehr.

An jedem der acht Stationen erleben die Mitreisenden eine andere, zum historischen Ort passende Geschichte. Dabei kann es auch durchaus gruselig werden. Für diese Zeitreise durch rund 300 Jahre Zeitgeschichte zwischen 1712 und dem Zweiten Weltkrieg sollten die Besucher etwa drei Stunden Zeit mitbringen. Gestartet wird am Kirchplatz und der Rundgang endet beim Atelier Zart.

Die Idee hierzu entstand beim Student des Kultur- und Medienmanagements, Danigel, nachdem er ein ähnliches Projekt in Erfurt kennengelernt hatte und er die Realisierung in Neuenbürg auf den Weg brachte. Im Anschluss startete ein Aufruf, um Akteure fürs Mitspielen zu gewinnen. Mittlerweile wurde eine stattliche Anzahl von Amateur-Schauspielern zwischen 25 und 75 Jahren mit professionellem Anspruch gefunden, die sich bei den Aufführungen abwechseln und in die passenden Kostüme schlüpfen.

Inhaltlich wird das Projekt folgendermaßen beschrieben: Im einstigen Neuenbürg, der Oberamtsstadt am Rande des württembergischen Herzogtums geht ein Nachtwächter seinem Dienst nach. Wo es sonst ein Kinderspiel ist, auf den Gassen der Kleinstadt für Ruhe und Ordnung zu sorgen, läuft in dieser Nacht alles anders. Immer wieder kreuzen seinen Weg bekannte und unbekannte Neuenbürger Persönlichkeiten. Die sind mal durchtrieben, mal schauderhaft oder urkomisch. Nur gut, dass den Nachtwächter so leicht nichts aus der Ruhe bringt. Auch nicht die alten Gemäuer Neuenbürgs, die plötzlich zu plaudern beginnen.

Neben Regisseur Danigel, der in die Rolle des Nachtwächters schlüpft agieren Yara Butschkow und Katharina Seraphin als Ratsch & Tratsch. Stefan Pflüger ist als Heinrich Schickardt und in weiteren Rollen zu sehen. Siegfried Winkler verwandelt sich ebenfalls in mehrere historische Personen. Antje Kraneis wechselt zwischen Physikerin, Bürgerin und Hütchenspielerin ebenso wie Regina Zumbach-Lux als Archivarin, Protokollantin und Großmutter. Als Gerichtsdienerin und Gafferin ist Claudia Brennan zu sehen.

Stadt stellt die historischen Räumlichkeiten

Historisch beraten haben Gonny Westerkamp, Jürgen Klingbeil und Elke Osterloh. Die Stadt Neuenbürg unterstützt mit der Bereitstellung der Räumlichkeiten. Eine kooperative Zusammenarbeit besteht mit der Jugendmusikschule Neuenbürg. Das Schloss Neuenbürg stellte die Archivquellen zur Verfügung.

Drei Aufführungen finden statt. Premiere war am Freitag, 24. Mai, eine zweite und dritte Aufführung folgen am Mittwoch, 29. Mai und am Donnerstag, 30. Mai. Treffpunkt ist jeweils um 19 Uhr am Kirchplatz (Stadtbücherei). Der Eintritt zum Theaterspaziergang ist frei. Um Spenden zur Finanzierung des Projektes wird gebeten.

Weitere Informationen: www.projektzeitreise.wordpress.com

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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