Mariza Stoessinger (links) wird von Melanie Canzoneri gegen das Coronavirus geimpft. Foto: Stadler Foto: Schwarzwälder Bote

Covid-19: Das mobile Impfteam pikst drei Tage lang Bewohner und Mitarbeiter im Seniorenzentrum Sonnhalde in Neuenbürg

Die 76-jährige Mariza Stoessinger war die erste von 75 Bewohnern des Seniorenzentrums Sonnhalde, die auf eigenen Wunsch vom mobilen Impf-Team gegen das Coronavirus geimpft wurde. Die Leitung der Einrichtung setzt sowohl bei den Bewohnern als auch bei den Beschäftigten auf freiwillige Impfbereitschaft.

Neuenbürg. Mit Spannung wurde der gestrige Freitag im Seniorenzentrum Sonnhalde in Neuenbürg erwartet. Es war der erste von insgesamt drei aufeinanderfolgenden Tagen, an denen das Mobile Impfteam (MIT) des Kommunalen Impfzentrums (KIZ) des Enzkreises in Mönsheim hier mit den Corona-Schutzimpfungen startete. Mediziner Joshua Glassmann und die Medizinische Fachangestellte Melanie Canzoneri wurden dabei seitens des Landratsamtes von Mehmet Turgay begleitet.

Freiwillige Entscheidung

Die erste Dame, die den Piks mit dem Impfstoff gegen das Coronavirus von Melanie Canzoneri erhielt, war die 76-jährige Bewohnerin Mariza Stoessinger. Sie hatte zuvor mit einer der Pflegepersonen im Seniorenzentrum über die Impfung und deren Ablauf gesprochen und sich anschließend dafür entschieden, sich auf jeden Fall impfen zu lassen.

Ihre Tochter wollte sie noch am Tag zuvor vom Gegenteil überzeugen, da sie aufgrund einer Vorerkrankung jeden Tag viele Tabletten schlucken muss. Schmerzhaft war die Impfung aus Sicht der Heimbewohnerin nicht, "es war ja nur ein kleiner Piks", sagte sie gegenüber dem Schwarzwälder Boten und es ging ihr hinterher gut.

An insgesamt drei Tagen werden in der Sonnhalde 118 Impfungen vorgenommen. Wie von Heimleiter Ludger Schmitt zu erfahren war, lassen sich insgesamt 85 Prozent der Bewohner und 53 Prozent der Beschäftigten auf freiwilliger Basis impfen. Das sind 65 Bewohner und 53 Mitarbeiter. "Ich spreche mich bewusst gegen einen Impfzwang aus, auch beim Personal kann jeder die Entscheidung über die Impfung selber treffen", so die Argumentation des Heimleiters. "Ausgelöst durch Meldungen in den Medien, gibt es Vorbehalte im Hinblick auf die Impfung und mögliche Spätfolgen", sagte Schmitt, der sich selbst auch impfen lässt. "Ich bin überzeugt, dass dieses Vorhaben Erfolg verspricht und habe in dieses Experiment vollstes Vertrauen", untermauert er seine Entscheidung pro Impfen. Im Vorfeld war auch die ärztliche Leitung des Kreisimpfzentrums, Christine Gorgs für aufklärende Gespräche im Seniorenzentrum zu Besuch.

Im Gespräch mit unserer Zeitung lag Ludger Schmitt auch am Herzen zu erwähnen, dass die Schnelltests ein Trugschluss seien, da sich die Menschen hierdurch in einer Scheinsicherheit wiegen, obwohl eine Infektion oft erst nach fünf Tagen festgestellt werden könne.

Bislang gab es glücklicherweise im Seniorenzentrum Sonnhalde in Neuenbürg keine Infektionen und damit dies auch weiterhin so bleibt, setzt die Heimleitung auf eine Besucherreduzierung. "Wir hatten aktuell zwischen 750 und 900 Besuche pro Monat, jetzt ist das Haus weitgehend geschlossen, bis auf zwei Besuche pro Bewohner in der Woche, begrenzt auf eine Person. Diese Regelung gilt in der Sonnhalde bereits seit vergangenem Montag", erklärte Schmitt seine Vorgehensweise. Dies begründet er auch damit, dass wissenschaftlich fundiert, Besuche in Seniorenzentren die massivste Gefahr darstellen.

Schmitt widerspricht auch der Argumentation, dass Bewohner eines Seniorenzentrums in der jetzigen Zeit vereinsamen. In der Sonnhalde erlebt er seit dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020, dass die Bewohner untereinander mehr Kontakte pflegen und sich zahlreicher Beschäftigungsangebote erfreuen. Hierzu nannte er die neu eingeführte Videotelefonie. Eigens dafür wurde das kabellose Internet im Haus ausgebaut und den Bewohnern Hilfestellung zur Umsetzung gegeben. "Das klappt inzwischen richtig gut", freute sich der Heimleiter. Auch Ausflüge mit dem Bus durch Herbst- und aktuell schöne Winterlandschaften werden nach wie vor unternommen. Die Bewohner sind hierzu immer nur mit maximal 25 Personen des eigenen Wohnbereichs in Kontakt, diese nehmen auch gemeinsam die täglichen Mahlzeiten ein.

Hoffnung auf Normalität

Seit Ausbruch der Corona-Pandemie findet auch regelmäßig jeden Freitag eine Andacht statt. Diese wird vom Andachtsraum, der in ein TV-Studio umorganisiert wurde, virtuell in die Zimmer der Bewohner des Seniorenzentrums, aber auch in das benachbarte Krankenhaus Neuenbürg, übertragen.

Dass im Augenblick keine externen Angebote wahrgenommen werden können, trifft alle Teile der Bevölkerung. Umso mehr freut sich Heimleiter Schmitt, wenn aufgrund der Vielzahl der geimpften Personen in der Sonnhalde bald auch wieder Feste und Feierlichkeiten besucht werden können, sobald diese stattfinden dürfen und eine Fahrt zum Zoo möglich sein wird.

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