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Neuenbürg Drückjagd gegen Schweinepest-Ausbruch

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Bernhard Brenneis zeigt frische Wildschweinspuren auf einer Wiese in Neuenbürg. Foto: Jänsch

Neuenbürg/Straubenhardt - Wenn die Blätter beginnen, sich zu verfärben und wenig später zu Boden fallen, ist es nicht nur Herbst. Sondern auch der Beginn der Drückjagd-Saison. Warum das nötig ist und was es dabei für Verkehrsteilnehmer zu beachten gilt, erklärt der Wildtierbeauftragte des Enzkreises, Bernhard Brenneis.

"Au, das ist ganz frisch", erklärt Bernhard Brenneis, Revierförster Neuenbürgs und Wildtierbeauftragter des Enzkreises aufgeregt und zeigt auf die Wühlstellen wohl gleich mehrerer Wildschweine. "Ganz frisch, sehen Sie das?" Erst in der Nacht zuvor seien die Schwarzkittel auf dieser Waldlichtung in Neuenbürg auf der Suche nach Futter unterwegs gewesen, erkennt der erfahrene Jäger sofort. Auf der unbewirtschafteten Wiese seien die Umgrabungen jedoch kein Problem. Ganz im Gegenteil. "Bei uns im Wald sind die Tiere eher nützlich", so der Förster.

Ein Problem seien die Wildschweine – deren Population durch milde Winter und ein üppiges Nahrungsangebot in den vergangenen Jahren enorm angestiegen sei – jedoch vor allem für Landwirte, in deren Mais- oder Getreidefeldern die Säue sich wohlfühlten. Zu einem noch größeren Problem könnten die Wildschweine werden, wenn sich die Afrikanische Schweinepest (ASP), wie bereits in einigen Ländern Nord- und Osteuropas sowie zuletzt in Belgien, auch in Deutschland ausbreite. Das würde laut Brenneis drastische Maßnahmen für Schweinemastbetriebe nach sich ziehen.

Existenzen bedroht

"Das ist dann existenzbedrohend", macht der Wildtierbeauftragte unmissverständlich klar. Würde ein am ASP-Virus erkranktes oder verendetes Wildschwein entdeckt, so müssten Schweinebauern innerhalb einer bestimmten Zone um das infizierte Tier herum unverzüglich den Verkauf einstellen. In einem "Horrorszenario" sehe die "Schweinepest-Verordnung" der Bundesministerien für Justiz und Verbraucherschutz sogar die Notschlachtung aller Tiere eines Mastbetriebs vor – nämlich dann, wenn der Erreger bereits in den Stall vorgedrungen ist. Für den Menschen ist der Virus zwar ungefährlich, kann aber über ihn lange Strecken zurücklegen und so weiter verbreitet werden.

Der hochansteckende Erreger, gegen den es derzeit noch keinerlei Impfstoff oder Medikation gebe, könne bis zu einem Jahr im Boden überleben und so problemlos weitere Tiere anstecken. "Je höher die Schwarzwilddichte, umso höher die Gefahr, dass sich die ASP ausbreitet – und vor allem schnell ausbreitet", zeigt der Wildtierbeauftragte auf. Daher drängen Förster und Jäger in den Herbstmonaten bis in den Januar hinein verstärkt auf groß angelegte Drückjagden, um die Population zu reduzieren. Diese Jagdmethode sei laut Brenneis wesentlich effizienter als das vom Hochsitz aus.

So würde ein Jäger bei der Treibjagd laut Statistik rund alle acht Stunden ein Wildschwein schießen. Auf dem Hochsitz dauere es gut drei Mal länger. Doch eine Drückjagd bringe auch große Verantwortung mit sich. "Da geht es um Leben und Tod", sagt Brenneis. "Nicht nur für die Wildschweine, sondern auch für Hunde, Schützen und Treiber." Am Mittwoch, 6. November, in Waldrennach sowie am Freitag, 13. Dezember, in Langenalb finden Drückjagden statt. "Da muss man auch um Verständnis werben, wenn dann mal für drei Stunden eine Straße gesperrt ist", so der Förster. "Das ist gefährlich, wenn Schwarzwild quert. Auch für die Hunde, die dann hinterher kommen."

Ein weiteres wichtiges Instrument zur Identifikation der Krankheit sei die Beprobung eines jeden zu Tode gekommenen Wildschweins, erklärt Brenneis. Denn entscheidend sei die Zeitspanne vom Ausbruch bis zum Erkennen der Krankheit. Wenn die Seuche erst einmal ein bis zwei Jahre "vor sich hin dümpelt", sei es schwierig, ihr überhaupt Einhalt zu gebieten. Daher seien die Jäger angehalten den Tieren Proben zu entnehmen und sie kostenfrei dem Veterinäramt einzusenden.

Nur eine Frage der Zeit?

Sollte die Pest wirklich nach Deutschland überschwappen, so schätzt Brenneis, dass die Schwarzwild-Population drastisch absinken wird. Ganz ausgerottet würden Wildschweine deshalb nicht. "Es gibt immer welche, die durchkommen. Aber 90 Prozent werden daran verenden."

"Viele sagen", führt der Wildtierbeauftragte aus, "man kann den Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest nicht abwenden." Er aber sagt, man müsse versuchen, sich so lange wie möglich dagegen zu wehren. "Man muss am Ende sagen können, wir haben alles versucht. Diese Verantwortung spüren auch die Jäger." Denn das "A" und das "O" sei immer noch die Reduzierung der Population.

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