Zinser-Filialleiterin Anna Hoffmann hat sich in Schwenningen eingelebt und sieht in vielen Orten Potenzial zur Weiterentwicklung - auch im ehemaligen Rössle vis-à-vis zum Modehaus. Foto: Mareike Kratt

Seit rund einem Jahr leitet Anna Hoffmann die Zinser-Filiale in Schwenningen. Welche Impulse sie für das Modehaus setzt – und wie sie für eine lebendige Innenstadt kämpft.

Sympathisch, tough und voller Tatendrang ist Anna Hoffmann schon auf den ersten Blick. Die 27- Jährige hat ihr erstes Jahr als Filialleiterin im Modehaus Zinser in Schwenningen hinter sich – und ist durchaus zufrieden und positiv gestimmt.

 

Nachdem sie im April 2025 die Leitung von Thomas Caster, der in die Filiale nach Singen gewechselt ist, übernommen hatte, ist für Anna Hoffmann viel passiert. Da hieß es erst einmal, sich einzuarbeiten, die Geschäftsstrukturen der Schwenninger Filiale, aber auch die 45 Mitarbeiter kennenzulernen – und die Innenstadt. „Wichtig war für mich herauszufinden: Wie tickt das Haus, wie tickt die Stadt? Und: Was darf sich bewegen?“

Die Arbeit mit Menschen

Absolute Priorität hat für die Absolventin des Dualen Studiengangs BWL-Textilmanagement – gerade im Einzelhandel – die Zusammenarbeit mit Menschen. „Das Wichtigste ist, dass es den Mitarbeitern und Kunden gut geht“, findet sie. Harmonisch und familiär soll es im Modegeschäft also zugehen. Aufgrund der Größe – die Schwenninger Filiale zählt zu den kleineren Zinser-Häusern – sei das auch gut möglich. Ihren Mitarbeitern bietet Anna Hoffmann stets ein offenes Ohr an, und auch der Kundenkontakt auf der Fläche spiele für sie eine große Rolle. „Es gibt nichts Schöneres als Kundengespräche mitzubekommen und selber zu führen.“

Die Filialgröße mache es aber auch möglich, dass die Leiterin Freiheiten etwa in Sachen Sortimentsgestaltung oder sonstiger Veränderungen hat. Neue Marken hat sie in der Zwischenzeit schon etabliert, und ab Herbst soll es mit der Einführung einer Kinder-Abteilung ein Novum bei Zinser in Schwenningen geben, verrät die gebürtige Singerin.

Die Gastgeber-Funktion

Ihre Arbeit sei grundsätzlich von dem Leitgedanken „Wie kann ich Gastgeber sein?“ getragen. Dabei möchte sie den Fokus auf Aktionen beziehungsweise „kleine Dinge, die großen Mehrwert bringen“, legen. Da ist zum Beispiel das Thema Innenstadt-Parken, das ihrer Meinung nach noch viel flexibler gestaltet werden müsste. Zudem seien Kooperationen mit anderen Innenstadt-Akteuren aus Handel oder Gastronomie heutzutage unentbehrlich, um ein „Komplettpaket“ aus Persönlichem, Erlebnis und Qualität anbieten zu können. Damit können man sich sowohl vom Online-Geschäft abheben als auch Kunden - auch von weiter weg - zum Verweilen einladen.

Um in Kontakt mit Kunden zu kommen, hilft Anna Hoffmann regelmäßig auf der Zinser-Verkaufsfläche mit. Foto: Mareike Kratt

Der Strategie, dass verschiedene Geschäfte und Gewerbe Hand in Hand gehen, begegnet Anna Hoffmann regelmäßig in ihrer Funktion als stellvertretende Vorsitzende der Handelssparte des Gewerbevereins Oberzentrum (GVO). Obwohl sie bei den Wahlen im vergangenen Sommer noch relativ frisch in Schwenningen war, war es für sie von Anfang eine Herzensangelegenheit, die Innenstadt aktiv mitzugestalten.

Die Aufbruchstimmung

Und auch, wenn noch genügend „Luft nach oben“ ist, was Attraktivität und Kampf gegen das Ladensterben betrifft, sieht die 27-Jährige in Schwenningen genügend Potenzial – und derzeit eine „gewisse Aufbruchstimmung, weil der Handlungsbedarf da ist“, meint sie.

Kürbisfest, Stadtstrand und verkaufsoffenen Sonntage hat sie als Positiv-Beispiele bereits mitgemacht. Doch jetzt gehe es darum, auch darüber hinaus, ohne Großevent, Leben in die Innenstadt zu bringen. Da sei es auch eigentlich gar nicht so schlimm, dass es in diesem Jahr etwa keine Kulturnacht in großem Stil geben soll.

Stets das Bestmögliche

Dinge umzudenken, neu zu starten, stets unter der Fragestellung „Wie kann man aus den gegebenen Möglichkeiten das Bestmögliche herausziehen?“, das sei auch immer Thema in den regelmäßig stattfindenden Workshops zwischen WIR, Stadt, GVO und diversen anderen VS-Akteuren, die auch die anstehende Kulturnachts-Alternative „Art in town“ mit auf den Weg gebracht haben, erzählt Anna Hoffmann. Unentbehrlich sei derweil, Prozesse wiederum Hand in Hand voranzubringen, ruft die „Mitstreiterin aus Leidenschaft“ auch andere Händler und Gewerbetreibende auf.

So hofft sie, dass der aktuelle Aufschwung auch für leerstehende markante Gebäude wie Rössle oder ehemaliger Sport Müller genutzt werden kann - egal, ob mit Wiederbelebung durch Handel, Gastronomie, Kultur, Verwaltung oder innenstädtisches Wohnen. „Alles, was die Stadt attraktiver gestalten lässt, da bin ich dabei“, betont Anna Hoffmann sowohl in ihrer Funktion als Geschäftsleiterin als auch GVO-Mitwirkende.

Ein deutliches Signal

Dass sie an die Positiventwicklung der Innenstadt glaubt, gibt's auch schwarz auf weiß: Den Pachtvertrag habe das Modehaus, das im Spätsommer 2020 in Schwenningen eröffnet hat, jüngst verlängert, bestätigt Anna Hoffmann. „Wir halten am Standort fest, sehen die Chancen und möchten die Innenstadt unbedingt weiter mitvorantreiben.“