Ein Waldstück Kippenheims an der Autobahn ist forstwirtschaftlich nicht rentabel. Deshalb denkt die Gemeinde darüber nach, die Fläche ökologisch aufzuwerten.
Der Wald war bei der Gemeinderatssitzung am Montagabend in Kippenheim das beherrschende Thema. Wie Bürgermeister Matthias Gutbrod informierte, ist Forstreviermeister Hans-Georg Wilting erkrankt. Daher informierten Forstbezirksleiter Jakob Franz sowie Elias Vogt (vertretungsweise für Kippenheim zuständig) und Felix Schätzle (Mahlberg) über die derzeitige Situation im Gemeindewald.
Entgegen der von Wilting aufgestellten konservativen Prognose für den Bewirtschaftungsplan des Waldes konnte das Jahr 2024 mit einem Überschuss von knapp 92 000 Euro abgeschlossen werden. Der aufgestellte Plan sah einen Fehlbetrag von rund 64 600 Euro vor. Differenzen in diese Richtung sind laut Franz in den kommenden Jahren aber immer unwahrscheinlicher. Er prognostizierte eine Verschiebung der Planergebnisse „eher in Richtung Minus als in Richtung Plus“. Die Holzmärkte seien volatil und heimische Baumarten stünden unter Stress. Das „Tafelsilber“, so nannte Franz die Eschen, sei durch das voranschreitende Eschentriebsterben fast schon aufgebraucht. Er rechnet für dieses Jahr mit weniger so genannter „zufälligen Nutzungen“, also Bäume, die – etwa durch Schäden – ungeplant gefällt werden müssen. Als positiv zu sehen sei jedoch, wie Franz erläuterte, die global große Nachfrage nach Schnittholz. Er sehe hier einen „positiven Trend beim Holzbau“. Der Holzverkauf ist nach wie vor größter Einnahmepunkt des Waldes.
Gebiet gleicht einem Sumpf
Längst seien jedoch nicht mehr alle Flächen profitabel zu bewirtschaften. Ein Beispiel ist ein Stück im Kippenheimer Auwald in der Nähe der A 5. Der Holzeinschlag dort ist durch den feuchten Untergrund kaum, beziehungsweise nur sehr erschwert möglich. Das Gebiet „gleicht faktisch einem Sumpf“. Die Fläche habe zwar holzbaulich keine Vermarktungsmöglichkeiten, würde sich aber beispielsweise hervorragend zur Erwirtschaftung von sogenannten Ökopunkten eignen, so denn die Gemeinde eine andere Nutzung wünsche.
Ökopunkte dienen als behördliches Bewertungssystem bei Eingriffen in die Natur für Ausgleichsmaßnahmen. Wer durch ein Bauvorhaben Natur zerstört, muss diese Zerstörung ausgleichen, indem er Umweltprojekte wie zum Beispiel die Erstellung einer Naturwaldzelle fördert. Die Gemeinde Kippenheim hat derzeit 242 000 dieser Punkte auf ihrem ökologischen Konto und benötigt deshalb „keine Punkte für uns selbst“, so Bürgermeister Gutbrod. Stattdessen könne man diese Punkte an andere Bauvorhabenträger vermarkten oder die Flächen direkt bestimmten Vorhaben zuweisen.
Fläche für Bahn, Autobahn und Klinikum interessant
Ein potenzieller Interessent sei die Deutsche Bahn, so Franz. Diese werde perspektivisch für den Ausbau der Rheintalbahn Ausgleichsflächen benötigen. Gutbrod ergänzte, dass auch das neue Lahrer Klinikum oder der sechsspurige Ausbau der A 5 Projekte seien, denen ökologische Flächen zugewiesen werden könnten. Wer auch immer den Zuschlag erhält: Das würde Geld in die Gemeindekasse spülen.
Gemeinderat Matthias Stulz (SPD) hakte kritisch nach, ob das denn ein gutes Geschäft sei. Denn man müsse eine ökologische Fläche ja pflegen, was Kosten „auf unendliche Zeit“ verursache, während man nur einmal Einnahmen habe. Fritz entgegnete, dass dabei die vertragliche Ausgestaltung wichtig sei. Möglich wäre, dass ein Vorhabenträger sich zumindest anteilig an den Landschaftspflegekosten beteiligt. Der Forstbezirksleiter hob den Vorteil für alle Beteiligten hervor. Es werde etwas für den Naturschutz getan und es fließe Geld in die Gemeindekasse, fasste er zusammen.
Die Gemeinde will laut Gutbrod in den kommenden Monaten konkrete Zahlen vorlegen, um zu evaluieren, ob das Projekt tragbar und sinnvoll ist.
Ausblick auf 2026
Der Betriebsplan für 2026 sieht Einnahmen in Höhe von knapp 294 000 Euro vor. Dem gegenüber stehen Ausgaben in Höhe von 347 000 Euro. Das Zwischenergebnis für 2025, so Franz, deutet auf einen Überschuss in Höhe von rund 50 000 Euro hin.