Aus dem Dunkel in das Lichte: Hockey, wie hier beim HTC Stuttgarter Kickers, soll künftig vermehrt in den sozialen Medien auftauchen. Foto: Baumann/Alexander Keppler

Der deutsche Verband hat die Organisation des Spielbetriebs der ersten und zweiten Ligen ausgegliedert, um den Sport professioneller aufzustellen. Hauptamtliche Mitarbeiter des neu gegründeten Hockey-Liga e. V. wollen vor allem Vermarktung und Medienpräsenz verbessern.

Stuttgart - Viermal Gold, dreimal Silber, viermal Bronze – so außergewöhnlich liest sich die Bilanz der deutschen Hockeymänner bei Olympia. Auch die Frauen wurden schon einmal Olympiasiegerinnen, holten zweimal Silber und einmal Bronze. Beim Deutschen Hockey-Bund (DHB) hauen sie sich ob dieser unglaublichen Erfolge vermutlich noch heute gegenseitig auf die Schultern. Hockey ist Deutschlands erfolgreichste olympische Disziplin in den Mannschaftssportarten – mit turmhohem Abstand.

 

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Es gibt aber noch eine andere Wirklichkeit im deutschen Hockeysport – und zwar den teilweise trostlosen Ligaalltag. Wenn in der Frauenbundesliga der Vizemeister Mannheim auf den Meister Düsseldorf trifft, dann findet dieses Topspiel vor 75 Zuschauern statt – also nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Und wenn für manche Clubs in der ersten oder zweiten Liga nach einem Spieltag die Reisekosten für den Schiedsrichter fällig sind, übersteigt diese Summe die Zuschauereinnahmen nicht selten deutlich. Die Fallhöhe ist immens: Nach den glamourösen olympischen Feierlichkeiten taucht der deutsche Hockeysport sofort wieder ab in den Schatten des Amateurbetriebs.

Warum das so ist? Gute Frage. „Das liegt auch an uns. Wir müssen selber mehr tun. Und wir müssen uns da selbstkritisch auch mal sagen, dass wir ganz viel verpennt haben“, sagt Dirk Wellen, der Präsident des neu gegründeten Hockey-Liga e. V. „Die Rede von der erfolgreichsten olympischen Sportart hat meiner Meinung nach zu einer gewissen Selbstzufriedenheit im Hockey geführt“, ergänzt Wellen – doch das soll künftig anders werden: „Wir müssen unsere Sportart so interessant präsentieren, dass man nicht mehr an uns vorbeikommt.“

Den Sport populärer machen

Der Hockey-Liga e. V. soll die Bundesligen nach vorne bringen und professionalisieren. Der eingetragene Verein hat die Organisation der Ersten und Zweiten Bundesliga (Frauen wie Männer, Hallen- wie Feldhockey) vom DHB übernommen, da geht es um 59 Clubs. Fußballer, Handballer, Basketballer und Volleyballer haben die Organisation ihres Spitzensports bereits seit Jahren aus den nationalen Verbänden ausgegliedert – der Hockeysport zieht jetzt nach. Finanziert wird das Projekt von Mitgliedsbeiträgen der Vereine, von Sponsoren und von einem Kreis privater Gönner aus der Hockeyszene.

Das Ziel des jungen Vereins ist klar: Hockey soll sichtbar werden. „Wir wollen mit den Streamingmöglichkeiten von heute Bewegt-Bilder zeigen“, sagt Victor vom Kolke, der Geschäftsführer des Hockey-Liga e. V. Er besetzt eine von 3,5 hauptamtlichen Stellen, die geschaffen wurden, um den Sport populärer zu machen und zu vermarkten. Auch soll die Spielorganisation optimiert werden. „Wir brauchen eine Harmonisierung unserer Spielpläne mit den internationalen Terminkalendern, auch um die stark beanspruchten Akteure zu schützen“, sagt vom Kolke. Zudem müssten kleinere Dinge angegangen werden, etwa das Konzipieren aufwandsarmer Spielberichtsbögen.

Die Suche nach Partnern

Es geht aber vor allem darum, Sponsoren und Partner zu finden. Das funktioniert nur, wenn auch ein Gegenwert geboten wird: So soll Hockey vermehrt in den sozialen Medien auftauchen, etwa mit Highlight-Clips, Liveübertragungen oder Spielzusammenfassungen gibt es auf der Internetseite des neuen Ligaverbands. Nackte Ergebnisse auf den Seiten des Deutschen Hockey-Bundes reichen heutzutage nicht mehr aus. „Jetzt haben wir Leute, die sich Vollzeit darum kümmern und diese Entwicklung vorantreiben können“, sagt Dirk Wellen. Doch wird der jungen Mannschaft auch Zeit eingeräumt. „Es ist ein längerer Prozess. Eine relativ kleine Sportart wie unsere zu platzieren ist nicht so ganz leicht – doch was das Marketing angeht, hat Hockey viel ungenutztes Potenzial“, glaubt der Präsident.

Beim Zweitligisten HTC Stuttgarter Kickers, der nach der Hinrunde der Feldsaison auf Platz zwei steht, finden die Vorhaben des Hockey-Liga e. V. große Zustimmung. Zwar entstehen mehr Kosten für den Club, wenn die Heimspiele professioneller gefilmt werden müssen, doch der wohl langfristig entstehende Nutzen wird erkannt, sollten HTC-Spiele auf der Internetseite des Ligaverbands zu sehen sein. „Wenn es so eine Plattform gibt“, sagt HTC-Teammanager Albert-Hugo Stinnes, „dann ist das eine gute Basis für uns, um Sponsoren zu finden.“ Und die kann nicht nur der HTC sehr gut gebrauchen.