Für die Serie „Vanished – Vertraust du ihm“ wird Matthias Schweighöfer zum Fiesling. Im Interview verrät er, wie es war, mit „Big Bang Theory“-Star Kaley Cuoco zu drehen.
Mit Matthias Schweighöfer verbinden viele einen grundsympathischen Chaoten. In der neuen ARD-Serie „Vanished – Vertraust du ihm“ zeigt er an der Seite von Kaley Cuoco („The Big Bang Theory“) eine ganz andere Seite. Ein Gespräch über Image, Rollenentscheidungen, die Frage, weshalb er nach „You Are Wanted“ lange in keiner Serie mehr gespielt hat – und warum Englisch eine wunderbare Spielsprache ist.
Herr Schweighöfer, mit Ihnen verbinden viele einen sympathischen, vielleicht leicht chaotischen Typen. Woher kommt dieses Image – oder stimmt es am Ende sogar?
Ich glaube, das liegt daran, dass ich früher oft diese humorvollen Figuren gespielt habe. Männer, die auf einer Bananenschale ausrutschen, kurz ohnmächtig werden – und damit ist das Problem gelöst. Diese Rollen waren eher auf Augenhöhe, keine „larger than life“-Typen. Vielleicht kommt das daher. Und vielleicht bin ich privat auch ein bisschen verpeilt – das kann schon sein.
Stört Sie dieses Image?
Überhaupt nicht. Ich finde das toll. Ich bin Teamplayer und mag es, wenn sich eine Figur anfühlt wie jemand aus dem eigenen Freundeskreis. Wenn Zuschauer sagen: „So jemanden kenne ich“, ist das doch ein schönes Kompliment.
Sie spielen inzwischen aber auch ganz andere Rollen. Alex Durand, den Sie in „Vanished“ spielen, ist kein netter Kerl. Sind solche Rollen bewusste Entscheidungen, um zu zeigen: Ich kann auch anders?
Es geht weniger darum zu beweisen, dass ich nicht nett sein kann. Es geht um das Genre. In Komödien ist es schön, Licht und Leichtigkeit zu schenken. Zwei Stunden lachen, die Welt vergessen – das ist viel wert. Und dann gibt es Thriller, Sci-Fi oder Mystery. Da kann man dunklere Facetten ausprobieren, Fantasie reinlegen, auch mal richtig böse sein. Das ist spannend. Man sollte ja nicht immer nur eine Schublade aufziehen – der Schrank darf ruhig groß sein.
Was hat Sie dann an „Vanished“ konkret gereizt? Die Rolle? Der Drehort? Oder die Chance, mit Kaley Cuoco zu spielen?
Als ich hörte, dass Kaley Cuoco dabei ist und Barnaby Thompson Regie führt – dessen Arbeit ich sehr mag –, war ich sofort interessiert. Es ist eine Miniserie, meine Figur ist nicht unbedingt der Sympathieträger. Das Gewicht des Projekts liegt stark auf Kaley – und genau das fand ich spannend. Außerdem haben wir uns während des Drehs richtig angefreundet. Es war eine sehr gute Entscheidung.
Man kennt ja Kaley Cuoco vor allem aus „The Big Bang Theory“ . . .
Ich habe tatsächlich zuerst „The Flight Attendant“ gesehen und mir dann erst „The Big Bang Theory“ angeschaut. Sie ist einfach supercool. Ich mag ihre Energie sehr.
Noch mal zurück zu Ihrer Rolle in „Vanished“: Suchen Sie bei Ihren Figuren immer eine Verbindung zu sich selbst? Bei einem Charakter wie Alex ist das vermutlich nicht ganz einfach.
Doch, es geht schon. Unser Regisseur hat am Anfang gesagt: Es geht hier letztlich auch um die Geschichte zweier Freunde: Der eine beschließt irgendwann, keine Kompromisse mehr zu machen – er hat genug Dunkelheit gesehen und will sich nehmen, was ihm zusteht. Der andere kämpft weiter für Gerechtigkeit. Diese Entscheidung zwischen Egoismus und Idealismus – das kann man nachvollziehen. Und von da aus arbeitet man sich in die Fiktion hinein.
Gibt es Rollen oder Themen, die für Sie ein No-Go sind?
Ich versuche grundsätzlich, erst mal nicht Nein zu sagen. Ich lese das Drehbuch, schaue mir an: Wer produziert das? Wer führt Regie? Was ist das für ein Genre? Es wäre doch schade, aus Prinzip abzulehnen – vielleicht verbirgt sich ja ein Juwel dahinter.
Sie drehen inzwischen viel auf Englisch. Fällt Ihnen das leicht?
Ich liebe es. Englisch ist eine wunderbare Spielsprache. Die Vokale, der Klang – das ist sehr mundgerecht. Außerdem ist sie minimalistischer als Deutsch. Es bleibt mehr Raum fürs Spiel, weniger fürs Reden. Das gefällt mir.
Haben Streamingdienste es einfacher gemacht, international zu arbeiten?
Auf jeden Fall. Durch Streaming können auch kleinere deutschsprachige Projekte weltweit gesehen werden. Wir haben mit unserer Company einen Film produziert, der plötzlich auch in Amerika läuft. Das ist großartig. Früher musste man reisen, um andere Filmkulturen zu entdecken. Heute reicht ein Klick. Die Welt ist offener geworden – für Geschichten, für Kultur.
Nach „You Are Wanted“ haben Sie länger keine große Serie mehr gedreht. Warum?
„You Are Wanted“ war extrem intensiv – rund 170, 180 Drehtage über mehrere Jahre. Das kostet Kraft. Eine Serie verlangt enorme Ausdauer. Danach habe ich gemerkt, wie schön es auch ist, einen Film in 90 oder 100 Minuten zu erzählen und dann ins nächste Genre zu wechseln. Aber ich bereite gerade wieder zwei Serien vor. Ganz losgelassen hat mich das Format also nicht.
Matthias Schweighöfer und die Serie „Vanished – Vertraust du ihm“
Person
Matthias Schweighöfer (45) ist einer der prominentesten Schauspieler Deutschlands. Er ist aber auch Regisseur, Produzent, Sänger und vieles mehr. Bekannt wurde er durch Filme wie „Keinohrhasen“ oder „What a Man“. Er war Produzent und Hauptdarsteller der ersten deutschen Prime-Video-Serien-Eigenproduktion „Your Are Wanted“. Seit Januar ist er mit der Schauspielerin Ruby O. Fee verheiratet.
Serie
„Vanished – Vertraust du ihm“ ist eine vierteilige Thrillerserie, in der Matthias Schweighöfer neben Kaley Cuoco und Sam Claflin die Hauptrolle spielt. Serienstart ist am 13. März in der ARD Mediathek. Die lineare Ausstrahlung findet am Samstag, 21. März, um 22:05 Uhr (Folgen 1+2) und am Montag, 23. März, um 00:05 Uhr (3+4) im Ersten statt.