Die erfahrenen Trauerbegleiterinnen Cathrin Lindner (links) und Sybille Meyer-Fink helfen Menschen, die einen Angehörigen oder Freund durch Suizid verloren haben. Foto: Michael Weimer

Für Menschen, die nach einem Suizid um einen lieben Menschen trauern, bietet die Trauergruppe um Diakon Michael Weimer künftig ganz konkrete Hilfe an.

Eine wichtige Lücke in den Angeboten für Trauernde schließt das Team um Diakon Michael Weimer in der Vinz-Pflegewerkstatt-Oase in Lautlingen: Noch im September trifft sich zum ersten Mal eine Gruppe von Trauernden, die einen Menschen durch Suizid verloren haben.

 

Die ehrenamtlichen Trauerbegleiterinnen Cathrin Lindner und Sybille Meyer-Fink haben sich dafür eigens beim Trauerinstitut von und mit Chris Paul in Bonn qualifiziert. Seit das Trauer-Café 2011 bestehe, sei Suizid immer wieder Thema gewesen, „und die Hilferufe kamen immer stärker“, sagt Weimer, der selbst früh mit dem Thema Suizid in Berührung gekommen ist: während seiner Ausbildung zum Krankenpfleger in einer psychiatrischen Klinik. Deshalb weiß er, dass Angehörige und Freunde nach diesen selbstgewählten Todesfällen einer besonderen Art der Begleitung bedürften.

„Trauer berührt den ganzen Menschen“

„Trauer im Allgemeinen berührt den ganzen Menschen und selbst seine Mitmenschen“, so Weimer. „Es können Sinn- und Glaubensfragen auftreten. Solche Menschen sind hin- und hergerissen und erleben ein Chaos an Gefühlen und Gedanken.“ Schuld und Vergebung seien Themen, sich sich im Durchleben des Verlustes „einfach so in den Weg stellen“.

Wer einen Menschen durch Suizid verliere, fühle sich oft mitschuldig und sei der Meinung, nicht gut genug hingesehen, nicht ausreichend geholfen zu haben. Aber Sätze wie „Dich trifft keine Schuld“ hörten Betroffene oft gar nicht, weiß der erfahrene Seelsorger. „Das Schuldgefühl ist da. Da ist man oft chancenlos.“

Chancenlos sei freilich oft auch das Umfeld von Menschen, die sich das Leben nehmen, im Vorfeld des Suizids, denn in vielen Fällen sei es schwierig, zu erkennen, dass jemand sich mit Suizidgedanken trage, Hilfe brauche. Gerade jene, die tatsächlich den Freitod wählten, sendeten vorher nicht solch erkennbare Signale wie jene, bei denen ein Suizidversuch ein Hilferuf sei – und so ausgeführt, dass er scheitere.

Auch psychische Erkrankungen wie etwa Depressionen ließen sich nicht bei allen Betroffenen erkennen.

Noch immer ein Tabuthema

Mit allen, die sich der neuen Trauergruppe anschließen möchten, führten die Trauerbegleiterinnen zunächst ein Einzelgespräch, kündigt Weimer an. „Je nach Situation sieht man dann, wie es weiter geht.“ Doch der Diakon verspricht: „Wir sind Seelsorger und für alle Anliegen da – gerade bei diesem sensiblen Thema.“

Weil Weimer weiß, dass Suizid noch immer ein Tabuthema ist, ist die neue Trauergruppe offen für Menschen nicht nur aus dem Zollernalbkreis, sondern auch darüber hinaus – falls Trauernde nicht im Kreis potenzieller Bekannter über ihre Situation sprechen möchten. Dass die Gruppe offen ist für Menschen aller Glaubensrichtungen und Konfessionen, ebenso wie für Nichtgläubige, ist für Michael Weimer und seine Kolleginnen selbstverständlich. Nicht zuletzt kennen die erfahrenen Trauerbegleiterinnen weitere Stellen, an denen Betroffene Hilfe finden. Wenn Schuldgefühle sie belasteten, sei es zunächst einmal wichtig, diese äußern zu können und ernst genommen zu werden, so Weimer. Jeder Tod, so betont er, sei ein tiefer Einschnitt im Leben. „Im ersten Moment steht die Welt einfach still!“

Mit guten Ratschlägen ist nicht geholfen

Umso dankbarer ist er, mit Cathrin Lindner, die seit 2011 dem Trauerbegleit-Team angehört, und Sybille Meyer-Fink Betroffenen Menschen an die Seite stellen zu können, die wissen, was diese brauchen – jenseits guter Ratschläge.

Die Teilnahme an der Trauergruppe ist kostenfrei. Interessierte erhalten Informationen und die Termine für die monatlichen Treffen bei Michael Weimer, Telefon 07431/76 38 69, unter E-Mail michael.weimer@drs.de und bei den Hospizgruppen in Albstadt, Balingen und Hechingen.