Durchfahrt verboten: Neben den Pollern warnt jetzt auch ein Rotlicht, dass hier keine Durchfahrt möglich ist. Foto: Heiko Hofmann

Poller und Nagold – diese Kombination sorgte früher für heiße politische Diskussionen. In den vergangenen Jahren allerdings waren die versenkbaren Poller in der Marktstraße eher wegen ihrer permanenten Ausfälle ein Politikum. Das soll sich ändern. Denn klar ist: Den Pollern gehört die Zukunft.

Es gab Zeiten, da gab es in Nagolds Marktstraße noch kein Durchfahrtsverbot am Wochenende. Es gab Zeiten, da war die Marktstraße noch eine Bundesstraße. Und es gab Zeiten da war die Marktstraße noch meilenweit davon entfernt, verkehrsberuhigt zu sein.

 

Es hat sich viel getan in den vergangenen Jahrzehnten. Eines der Herzstücke dafür ist die verkehrsberuhigte Marktstraße, heute eine Gemeindestraße, und damit in städtischer Obhut. Und erst dieser Besitzerwechsel ermöglicht es der Stadt Nagold letztlich, den Verkehrsfluss unter anderem mit versenkbaren Pollern zu regeln.

Die Poller stehen in Nagold also für mehr als nur ein Durchfahrtsverbot. Sie stehen für eine wichtige Etappe der Innenstadtentwicklung – der Verkehr sollte raus aus der Stadt, vor allem an den Wochenenden. Und so setzte Nagold mit dem Landesgartenschaujahr 2012 auf ein wochenendliches Durchfahrtsverbot – durchaus umstritten war das damals. Heute will es keiner mehr missen.

Mehr schlecht als recht

Und doch geraten die Poller in der Marktstraße auch in den Jahren danach immer wieder ins lokalpolitische Rampenlicht. Das liegt daran, dass das ausgeklügelte System mit Sensoren, die wiederum eine Durchfahrt für Berechtigte ermöglichten, oft mehr schlecht als recht funktionierte. Das hatte zwei Folgen: Immer wieder mussten die Poller versenkt und von festen Provisorien wie rot-weißen Absperrungen und Barken ersetzt werden. Und immer wieder monierte die CDU-Stadtratlegende Helmut Raaf in Sitzungen, warum denn nun schon wieder die Poller nicht funktionierten. Und vor allem: Warum das immer so lange mit der Reparatur dauert?

2017 werden endlich die Poller eingebaut. Foto: Thomas Fritsch

Helmut Raaf sitzt mittlerweile nicht mehr im Gemeinderat. Doch auch er wird skeptisch aber mit Freude registriert haben, dass nun alles besser werden soll. Das Problem der Poller in der Marktstraße war nämlich deren Reparaturanfälligkeit – meist verursacht durch Fahrzeuge, die dagegen rumpelten. Die Wartung zog sich dann oft Wochen, mitunter auch Monate hin. Dabei ging es um die Wartung der Steuereinheit. Die wurde nun gewechselt – und damit auch das zuständige Unternehmen. Wird nun endlich alles gut?

Lange Servicezeiten beim ersten Anbieter

„Bei der vorherigen Firma war kein Wartungsvertrag integriert, sodass sich zum Teil aus Kapazitätsgründen lange Servicezeiten ergeben haben. Zudem war die Abstimmung der Software nicht optimal“, erörtert Nagolds Pressesprecherin Julia Glanzmann auf Nachfrage der Redaktion. Seit fünf Wochen ist nun die neue Steueranlage in Betrieb. Das neue beauftragte Unternehmen bietet auch einen Wartungsvertrag an – „damit ist eine verbindlichere und schnellere Reparatur verbunden.“

Glanzmann erörtert außerdem: „Darüber hinaus gibt es weniger Sensorprobleme.“ Zudem wurde an der Einfahrt auf Höhe der Sparkasse ein zusätzliches erhöhtes Signal angebracht, damit die Poller besser erkannt werden – zum Beispiel von den Fahrern in Lieferfahrzeugen und Lkws.

Die bisherigen Erfahrungen sind gut

Laut Aussagen der Stadtverwaltung sind die bisherigen Erfahrungen nach der Umrüstung „sehr gut“. Die Ansteuerung der Sensorik funktioniere jetzt auch besser. Nur bei starken Einflüssen, zum Beispiel bei vielen Anfahrten und viel Rangierverkehr von Lkws würden die Poller in der Marktstraße weiterhin außer Betrieb gesetzt.

Nagolds Erfahrungen mit versenkbaren Pollern sind generell gut. Schließlich sind auch am Ende des Vorstadtplatzes zur Herrenberger Straße und zum Busbahnhof hin, versenkbare Poller im Einsatz. Dort bleibt das bisherige System. Dass die Erfahrungen dort so gut sind, sagt Glanzmann, das liege wohl auch daran, dass diese Poller deutlich seltener bewegt werden müssen als jene in der Marktstraße.

2008 gab es sogar eine Anti-Poller-Demo

Vielleicht kehrt nun also wirklich endgültig Ruhe an der Pollerfront ein. Denn die kritischen Stimmen, die prinzipiell an deren Sinnhaftigkeit zweifelten, sind verstummt. Nur dunkel erinnern sich manche noch an die lange Vorgeschichte. An das Jahr 2008 zum Beispiel, als sich vor allem Händler am Rathaus versammelt hatten, und Protestschilder unter anderem gegen den Pollereinbau in die Kamera reckten.

Legendär: 2008 kritisierten Anlieger und Händler mit einer kurzen Kundgebung den heiß diskutierten Pollereinbau. Foto: Archiv Schwarzwälder Bote

Zur Landesgartenschau 2012 kamen dann Absperrungen auf Probe. Nagolds Gemeinderat hätten diese gerne mit versenkbaren Pollern ersetzt – doch die Marktstraße war zu diesem Zeitpunkt noch Bundesstraße, und der Bund lehnte ein wenig überraschend den Pollereinbau ab. Erst 2017, als Nagolds Marktstraße in den Besitz der Stadt überging, und die von der Stadt gebaute Entlastungsstraße offiziell zur Bundesstraße wurde, war der Weg für den Pollereinbau geebnet.

Und die nächsten Poller kommen bestimmt. Denn analog dem Verkehrsberuhigungsprozess in der Marktstraße, könnten auch in der Bahnhofstraße versenkbare Poller zum Einsatz kommen, und so den Durchfahrtsverkehr unterbinden. Die Pläne dazu bestehen jedenfalls.