Sie wollen die Weiterentwicklung des Thomas-Strittmatter-Gymnasiums Hand in Hand angehen (von links): stellvertretender Schulleiter Alexander Mosbacher, Schulleiterin Christiane King und Bürgermeister Michael Rieger. Foto: Helen Moser

„Corona hat in der Bildung derartige Krater hinterlassen, es ist unglaublich“, sagt Christiane King. Sie navigiert als neue Schulleiterin des Thomas-Strittmatter-Gymnasiums (TSG) durch diese Kraterlandschaft – und bringt eine Menge Ideen mit nach St. Georgen.

Das St. Georgener Thomas-Strittmatter-Gymnasium (TSG) hat mit Christiane King eine neue Schulleiterin – und die bringt frischen Wind mit. Im Gespräch schildert sie, woher sie kommt und wohin sie mit dem TSG will.

 

Schwere Zeit geht vorüber

Etwa anderthalb Jahre ist es her, dass Ralf Heinrich dem TSG nach fast 18 Jahren an dessen Spitze den Rücken kehrte. Für die Schule begann damit eine herausfordernde Zeit, denn Heinrichs Nachfolge war lange in der Schwebe. Im Juli des vergangenen Jahres sagte Lutz Großmann, Heinrichs designierter Nachfolger, ab. Und so wurde Alexander Mosbacher, der seit 2004 am TSG unterrichtet, zu Beginn des vergangenen Schuljahrs nicht nur stellvertretender, sondern auch kommissarischer Schulleiter.

Ein ganzes Schuljahr lang übernahm Mosbacher die Aufgabe. Es war ein sehr anstrengendes Jahr, blickt er zurück, „vor allem, da ich ja auch als stellvertretender Schulleiter neu war und noch gar keine Erfahrung hatte“. Auch Bürgermeister Michael Rieger bekräftigt diesen Eindruck: „Sie wurden ein bisschen ins kalte Wasser geworfen.“ Umso erfreuter sind Mosbacher und Rieger, dass nun Christiane King ihre Stelle als Schulleiterin des TSG angetreten hat. „Wir schlagen jetzt ein neues Kapitel auf“, betont Mosbacher.

Die neue Schulleiterin

Christiane King stammt aus Schramberg, wo sie heute auch wohnt. Und sie hat schon einmal am TSG unterrichtet: Das zweite Jahr ihres Referendariats verbrachte King an der Bergstadtschule, die damals noch Gymnasium St. Georgen hieß. „Danach war ich an vielen unterschiedlichen Schulen – an verschiedenen Standorten und Schularten“, da sie keine feste Anstellung bekam. „Das war damals eine ganz andere Situation als heute“, sagt King. Schließlich landete die Lehrerin auf dem Kleinen Heuberg, wo sie am Gymnasium Gosheim-Wehingen den Ausbau vom Pro- zu einem Vollgymnasium begleitete. „Von dort aus ging es für mich nach Schwenningen“, blickt King im Gespräch zurück. Die vergangenen zehn Jahre unterrichtete sie am Gymnasium am Deutenberg, wo sie als Abteilungsleiterin die Digitalisierung und Sanierung der Schule mitgestaltete.

Das St. Georgener Bildungszentrum fit für die Zukunft machen – das ist eines der Ziele von Christiane King. (Archivfoto) Foto: Helen Moser

Und nun also der Schritt von der Abteilungs- zur Schulleiterin und von Schwenningen nach St. Georgen. Der war gut überlegt, wie King betont. „Ich bin keine Freundin von Schnellschüssen.“ Doch die Stelle, die zu diesem Zeitpunkt bereits zum zweiten Mal ausgeschrieben war, reizte King. Bei den Abiturprüfungen 2022 war sie am TSG – und da hinterließ die Schule einen guten Eindruck. „Vor allem hat die Schule Entwicklungspotenzial – und ehrlich gesagt auch Entwicklungsnot“, sagt King mit Blick auf Themen wie Digitalisierung und Sanierung. Sie kann es kaum erwarten, sich hier einzubringen.

Ihr Start in St. Georgen

Viel planerische Arbeit hatte King bereits vor dem Start des Schuljahrs, wie sie sagt. Dann ging es so richtig los – und King war es wichtig, durch eine große Schulversammlung nicht nur alle Schüler einmal zu sehen, sondern auch alle „mitzunehmen“. Das Zwischenfazit ist positiv: „Ich würde sehr herzlich empfangen“ – von Schülern, Eltern und Kollegen genauso wie von der Realschule.

Der Lehrermangel

Knapp 400 Schüler besuchen das TSG aktuell – und die wollen alle unterrichtet sein. „Da ist die Lehrerversorgung ein grundsätzliches Problem“, sagt King – und das, obwohl das TSG rein rechnerisch in einer komfortablen Lage ist. „Laut dem Regierungspräsidium sind wir zu 100 Prozent versorgt.“ Also alles gut? Weit gefehlt. Denn zum einen enthalten diese 100 Prozent keinen Puffer für den Fall, dass Lehrer wegen Krankheit oder aus anderen Gründen ausfallen. Zum anderen „bildet sich diese Abdeckung nicht unbedingt in den Fächern ab“, erklärt King. Denn Lehrer für Naturwissenschaften sind zum Beispiel schwerer zu finden als solche für Sprachen. „Dadurch gibt es Kollegen, die fast nur eines ihrer zwei Fächer unterrichten, weil wir sonst nicht alle Stunden abgedeckt bekommen.“

Und auch perspektivisch sieht King Probleme: Es werde immer schwieriger, junge Lehrer in den ländlichen Raum zu locken. „Die werden, wenn sich ihnen die Gelegenheit bietet – und das ist aktuell der Fall – lieber eine Stelle in einer größeren Stadt antreten.“ Zusätzlich sinke die Zahl der Referendare, wodurch auch das TSG immer weniger zugewiesen bekomme. So schwindet die Chance, junge Lehrer vom Standort St. Georgen zu überzeugen. „Das ist schade.“

Neue Konzepte fürs TSG

Dabei hat die Bergstadt – und insbesondere das TSG – einiges zu bieten, findet King, die unter anderem das Club-of-Rome-Konzept, aus dem viele Kooperationen resultieren, lobt. Dieses will sie weiter ausbauen, in anderen Bereichen aber neue Wege gehen. Stichwort: Digitalisierung. „Das hat uns während Corona völlig überrollt“, sagt King. Die Auswirkungen sind weithin spürbar: „Ein Ruck geht durch die Bildungslandschaft.“ Wie digitale Mittel sinnvoll in der Schule eingesetzt werden können, müsse man nun ausloten – und zwar so schnell wie möglich. „Schule ist gerade im Umbruch“, findet auch Mosbacher.

Das Großprojekt Sanierung

Und noch ein anderes Thema brennt King unter den Nägeln: die Sanierung des Bildungszentrums, die – das betont Bürgermeister Rieger – sich an die Stadtsanierung anschließen soll. Dabei gehe es nicht nur um eine energetische Ertüchtigung, betont die Schulleiterin, sondern auch darum, das Bildungszentrum für neue Anforderungen, Bildungspläne und Unterrichtsformen fit zu machen. Deshalb müsse man die Gebäudenutzer ins Boot holen. „Schule tickt einfach anders.“