Einen neuen Auftakt hat am Dienstag der Prozess gegen mutmaßliche Mittäter der in Schramberg aufgewachsenen Ruja Ignatova vor dem Landgericht im westfälischen Münster genommen.
Schramberg - Das erste Verfahren war laut dem Westdeutschen Rundfunk (WDR) wegen Erkrankung von zwei Schöffen nach 19 Verhandlungstagen geplatzt, nachdem 38 Zeugen und zwei Sachverständige für Kryptowährungen bereits ausgesagt hatten. Danach musste der Prozess wegen Erkrankung eines Angeklagten aus München erneut verschoben werden.
Drei Personen vor Gericht
Vor dem Landgericht müssen sich insgesamt drei Personen verantworten. Sie sollen OneCoin-Gründerin "Krypto-Queen" Ruja Ignatova geholfen haben. Konkret wird laut WDR der 49-jährigen Manon H. und ihrem Ehemann Frank R. (70) vorgeworfen, von knapp 90 000 Betroffenen in Deutschland und Skandinavien insgesamt 320 Millionen Euro aus einem Betrug um die angebliche Kryptowährung OneCoin kassiert zu haben. Der dritte Angeklagte, ein Jurist aus München, soll die Gelder unter anderem auf Konten in Übersee, beispielsweise den Cayman Inseln, transferiert haben. Zudem soll er weitere 20 Millionen Euro nach London überwiesen haben. Damit soll die Deutsch-Bulgarin Ignatova auch in Immobilien investiert haben.
Keine Aussage zur Sache
Vor Gericht sollen die drei Angeklagten lediglich Aussagen zu ihrer Person, ansonsten keinerlei Einlassungen zu den vorgeworfenen Sachverhalten gemacht haben.
Eigens Firma gegründet
Das angeklagte Ehepaar aus Greven soll eigens eine Firma gegründet haben und einen Vertrag mit Ruja Ignatova geschlossen haben. Sie hatte die fiktive Währung OneCoin zwischen 2014 und 2016 weltweit auf pompösen Veranstaltungen beworben.
Ingesamt gehen die Strafverfolgungsbehörden weltweit davon aus, dass Ignatova mit ihrer Währung, die sie weltweit zwischen 2014 und 2016 auf meist pompösen Veranstaltungen beworben hatte, Anleger um 1,5 bis drei Milliarden Euro gebracht haben soll. Teilweise werden sogar vier Milliarden Euro genannt.
Fahndung läuft weiter
Während Ignatovas Bruder Konstantin in den USA bereits verurteilt wurde, ist Ignatova selbst derzeit immer noch spurlos verschwunden. Nach ihr fahnden FBI, Inter- und Europol. Unterdessen hat der britische Journalist Jamie Bartlett, der sich an dem Fall abarbeitet geschrieben, davon, dass die Kryptoqueen mehrfach in Dubai gesehen worden sein soll. Dort besitze sie ein Penthouse und eine Aufenthaltsgenehmigung. Zudem gebe es Zeugenaussagen, nach denen Ignatova keinen festen Wohnsitz habe, sondern seit 2019 auf ihrer Jacht durchs Mittelmeer schippere. Andere Quellen behaupten, sie sei in Griechenland gesehen worden. Der britische Sender BBC hatte jüngst berichtet, Ignatova sei über die Ermittlungen gegen sie aus einer internen Quelle so früh informiert worden, dass sie habe untertauchen können.
Neue Beweisaufnahme
Damit der jetzige Prozess nicht erneut platzt, waren laut WDR zwei Ersatzschöffen und ein Ersatzrichter benannt worden. Da die Beweisaufnahme von vorn beginnen muss, wird ein mögliches Urteil erst im März kommenden Jahres erwartet.