Die beiden Vorstände Nico Fraccica und Ramona Milione vor dem Eingang zu ihrem Wahrzeichen, dem Hochturm. Foto: Wiest

Ein in Rottweil neu gegründeter Hexenverein greift historische Motive der Stadt auf und formt daraus eine eigene Sage. Aber was genau verbirgt sich hinter den Nebelhexen?

Was zunächst als launige Idee an einem geselligen Abend begann, hat sich inzwischen zu einem neuen Verein in der Rottweiler Zunftlandschaft entwickelt: Mit den Nebelhexen Rottweil ist im Oktober 2025 eine neue Hexenzunft offiziell ins Vereinsregister eingetragen worden – mit eigener Sage und klaren Vorstellungen für die Zukunft.

 

Entstanden ist die Idee bereits im Jahr 2023 bei einem Pärchenabend in Bierlaune, wie der erste Vorsitzende Nico Fraccica und der zweite Vorsitzende Ramona Milione schmunzelnd berichten. Nach mehreren verworfenen Einfällen sei der Gedanke gereift, den historischen Hintergrund der Hexenverfolgung im 16. und 17. Jahrhundert aufzugreifen und daraus die Basis für eine eigene Zunft zu entwickeln, erklärt Fraccica. Bei der Beschäftigung mit der Geschichte fiel der Blick schnell auf ein markantes Bauwerk der Stadt: den Hochturm.

Aus dieser Auseinandersetzung entstand eine eigens erdachte Sage, die heute das Fundament der Vereinslegende bildet. Sie erzählt von einer alten Frau, die im 16. Jahrhundert der Hexerei bezichtigt worden sein soll, weil sie immer wieder in dichtem Nebel verschwand.

Der Überlieferung nach wurde sie im Hochturm eingesperrt und sprach eine Drohung aus: Sollte man sie verbrennen, werde sie mit jedem Nebel in die Stadt zurückkehren und Unheil bringen. Als der Hochturm im Jahr 1758 in einer dunklen Nebelnacht ausbrannte, sei dies – so die Sage – die Rache der Nebelhexe gewesen. „Diese Geschichte hat uns sofort gepackt“, erklärt Fraccica. Sie diente nicht nur als Inspiration, sondern auch als Leitlinie für den Aufbau der Zunft. Die positiven Rückmeldungen aus dem Umfeld bestärkten die Gruppe, sodass schließlich der Schritt zur Vereinsgründung folgte. Heute zählen die Nebelhexen eine Mitgliederzahl im zweistelligen Bereich und beschreiben sich selbst augenzwinkernd als „freche Hexen“.

Die Sage der Nebelhexe

Neben dem Vorstandsduo wird die Vereinsführung durch drei weitere besondere Posten ergänzt: eine Kassierhex, eine Mentorenhex, die sich im ersten Jahr intensiv um neue Mitglieder kümmert, sowie eine Zeremonienhexe, die für Reden, Hexentaufen und den Hexentrunk verantwortlich ist. Letztere brachte bei der Gründung wertvolle Erfahrung mit – rund 20 Jahre Zunftleben, die dem jungen Verein bei Struktur und Ausrichtung zugutekamen, wie Fraccica hervorhob.

Bis das Häs fertiggestellt ist, dient die mit dem Logo bedruckte Sweatshirtjacke als Erkennungszeichen. Foto: Wiest

Der Fokus liege derzeit klar auf dem Aufbau der eigenen Zunft, betont Ramona Milione. Es gehe darum, sich zu vernetzen, zusammenzuwachsen und stabile Strukturen zu schaffen. „Danach werden sich neue Chancen ergeben“, ist Fraccica überzeugt. Konkurrenzdenken spiele dabei keine Rolle – vielmehr wolle man gemeinsam anpacken und sich respektvoll einfügen.

Hexenhäs noch in der Planungsphase

Das Hexenhäs der Nebelhexen befindet sich aktuell noch in der Planungsphase. Erste Versuche hätten sich schwierig gestaltet, da passende Ansprechpartner fehlten, berichtet der Vorstand. Doch bald solle ein Prototyp vorgestellt werden. Fest stehen bereits die Zunftfarben: Schwarz für die Nacht und Grau für den Nebel. Langfristig ist zudem geplant, neben den Hexen eine an Rottweil angelehnte Einzelfigur zu entwickeln.Ein zentrales Element des Vereinslebens werde zukünftig die Hexentaufe, die sogar in der Satzung verpflichtend festgeschrieben wurde. Perspektivisch könne man sich vorstellen, diese auch öffentlich abzuhalten, um die Außenwirkung zu stärken, erklärt Fraccica. Grundsätzlich verstünden sich die Nebelhexen als Verein für alle Generationen: Kinder, Erwachsene und auch ältere Mitglieder sollen ihren Platz finden, betont Milione.

Besen oder Wanderstock

So sind Besen als typisches Attribut vorgesehen, alternativ jedoch auch Wanderstöcke für ältere Teilnehmer. Kinder sollen mit einer Rosshaarschweifpeitsche ausgestattet werden.

Obwohl die Zunft noch am Anfang steht, blickt sie bereits aktiv nach außen. Schon vor der offiziellen Gründung suchten die Nebelhexen den Kontakt zu anderen Zünften, bewarben sich und wurden schnell zu ersten Veranstaltungen eingeladen. In diesem Jahr waren sie bereits auf mehreren Bällen zu Gast und erhielten viel positives Feedback.

Freundschaften aufbauen

„Bei den Besuchen geht es darum, Freundschaften aufzubauen und eine Grundlage für die Zukunft zu schaffen“, erklärt Milione. Fraccica ergänzt: „Wir sind dankbar und vergessen nicht.“ Begleitet wird das Vereinsleben zudem von kreativen Akzenten: Die Nebelhexen verfügen über mehrere KI-generierte Lieder aus unterschiedlichen Genres – von Rock über Après-Ski bis hin zum Kinderlied.

Langfristig möchten die Nebelhexen ein eigenes Brauchtum entwickeln, mit eigenen Festen und Umzügen, bei denen Interessierte die Zunft kennenlernen können. Wer mitmachen möchte, durchläuft zunächst ein Kennenlerngespräch. So wolle man sicherstellen, dass Werte und Vorstellungen übereinstimmen.