Hanne Partsch ist Abteilungsleiterin Turnen, langjährige Übungsleiterin und Kinder- und Jugendschutzbeauftragte beim TSV Calw. Foto: TSV Calw

Hanne Partsch, Kinder- und Jugendschutzbeauftragte beim TSV Calw, spricht über Regeln, Konzepte, Prävention und den Verein als sicheren Ort.

Wenn Hanne Partsch über Kinderschutz spricht, dann geht es ihr nicht um Vorgaben, Checklisten oder Formulare. Es geht ihr um Haltung. Um Verantwortung. Um das Bewusstsein, dass Sicherheit für Kinder und Jugendliche kein Zustand, sondern ein fortlaufender Prozess ist.

 

Seit vielen Jahren prägt die ehemalige Kindergartenleiterin den TSV Calw – als Abteilungsleiterin Turnen, als langjährige Übungsleiterin und heute als Kinder- und Jugendschutzbeauftragte, heißt es in einer Pressemitteilung des TSV Calw.

Vom Kindergarten ins Ehrenamt Mehr als 30 Jahre leitete Hanne Partsch einen Kindergarten, studierte nebenberuflich Pädagogikmanagement, machte ihren Master in Supervision und absolvierte beim Kinderschutzbund Baden-Württemberg eine Weiterbildung zur Schutzkonzeptbegleiterin.

„Ich war immer mitten im Thema“, sagt sie. Ihre Expertise bringt sie inzwischen selbstständig in Coachings und als Referentin für die Beratungsstelle Onyx im Kreis Calw ein.

In den TSV Calw kam sie über das Eltern-Kind-Turnen auf dem Wimberg und ist mittlerweile seit 16 Jahren dabei. Heute leitet sie die Turnabteilung und engagiert sich ehrenamtlich im Vorstand. Und auch wenn sie selbst nicht turnt, findet sie ihren sportlichen Ausgleich – und zwar im Wasser: „Aquafitness ist mein Herzsport“, sagt sie lachend.

Schutzkonzept mit Leben füllen Schon 2019 wurde der TSV Calw im Rahmen eines Landkreisprojekts zertifiziert und führte seinen ersten Ehrenkodex sowie die regelmäßige Vorlage des erweiterten Führungszeugnisses für Trainer ein. „Das war ein guter Anfang“, erzählt Partsch. „Aber seit Corona ist in vielen Vereinen und Einrichtungen das Thema Evaluation liegengeblieben. Jetzt schauen wir wieder genauer hin.“

Der Verein hat eine neue Präventionsgruppe gegründet, um das bestehende Schutzkonzept zu prüfen und weiterzuentwickeln. Denn klar ist für Partsch, dass es nicht darum gehen darf, was organisatorisch bequem ist. Es muss darum gehen, Kinder bestmöglich zu schützen. Und das bedeutet manchmal, liebgewonnene Abläufe zu hinterfragen.

Neue Regelwerke – und eine neue Haltung Die Gruppe hat bereits erste Ergebnisse erarbeitet, etwa ein vereinsweites Papier zur Aufsichtspflicht: Wann beginnt und endet sie? Was bedeutet sie konkret für Trainer? Auch der Ehrenkodex wurde vollständig überarbeitet und vor Kurzem vom Vorstand verabschiedet.

„Wir haben bewusst vieles vereinfacht, aktiver formuliert und die Formulierung ‚Kinder und Jugendliche‘ durch ‚Menschen‘ ersetzt“, erklärt Partsch. „Denn eine wertschätzende, respektvolle Haltung gilt im Verein für alle.“

Künftig sollen auch alle im TSV Calw den Ehrenkodex unterschreiben, auch Funktionsträger, die nicht aktiv im Sportbetrieb stehen. „Wir wollen eine Gesamtvereinshaltung schaffen, keinen Pflichtakt.“

Was tun im Ernstfall? Ein klarer Leitfaden soll helfen Damit der Ehrenkodex nicht nur auf dem Papier wirkt, soll ein Handlungsleitfaden entstehen. „Es muss jeder wissen: Wenn ich etwas beobachte, an wen wende ich mich? Was sind meine Schritte?“, sagt Partsch. Zwei Ansprechpersonen – eine Frau und ein Mann – sind dafür optimal.

Auch das Thema Beschwerdemanagement steht auf der Agenda. Denn Beschwerden, so Partsch, seien nicht negativ, sondern wertvolle Rückmeldungen: „Sie helfen uns, Verhalten zu reflektieren und Qualität zu verbessern. Und auch Kinder brauchen klare Stellen, an die sie sich wenden können.“

Hinschauen statt Wegschauen

Besonders eindringlich spricht Partsch über die Verantwortung jedes Einzelnen. „Ein Kind wendet sich im Durchschnitt an sieben Erwachsene, bevor es Gehör findet“, sagt sie. „Das darf nicht sein.“

Deshalb sollen durch den Ehrenkodex möglichst viele Menschen sensibilisiert werden – für Veränderungen im Verhalten von Kindern, für Grenzverletzungen, für Signale, die oft leise sind. „Wenn Kinder merken, dass man verlässlich ist, dann fassen sie Vertrauen – auch bei schwierigen Themen. Und genau darum geht es.“

Ein Verein als sicherer Ort Mit Ruhe, Klarheit und jahrzehntelanger Erfahrung treibt Hanne Partsch den Kinderschutz im TSV Calw voran. Für sie ist das Schutzkonzept kein Dokument, sondern eine Haltung, die der ganze Verein mittragen muss.

„Sicherheit entsteht aus Aufmerksamkeit, Respekt und echter Verantwortung“, sagt sie. „Und jeder im Verein kann etwas dazu beitragen, dass der TSV Calw ein sicherer Ort bleibt – für alle Menschen, vor allem aber für die Kinder.“