Die neue Pressesprecherin von Heckler & Koch in Oberndorf hat die Produkte ihres Arbeitgebers buchstäblich fest im Griff. Kein Wunder, mehr als ein Drittel ihres Lebens hat die 31-jährige Julia Döhler in den Diensten der Bundeswehr zugebracht.
Schon wenn man sieht, wie sie souverän das schwere Sturmgewehr HK 416 vom Haken nimmt, weiß man: Die Frau kennt sich aus mit Waffen. Wir stehen im ovalen Besprechungsraum von Heckler & Koch in Oberndorf, der keine Fenster hat, aber angenehm klimatisiert ist. An den Wänden hängen dutzende Produkte des Unternehmens, beinahe wie in einer Kunstausstellung. Indirekte Illumination setzt Pistolen, Maschinengewehre und Sturmgewehre ins rechte Licht. Wie Julia Döhler Fragen zu den vielen Waffen beantwortet, lädt zu dem nahe liegenden Wortspiel „wie aus der Pistole geschossen“ ein.
Seit zwei Monaten ist die 31-Jährige Pressesprecherin des Waffenproduzenten in Oberndorf. Ein ungewöhnlicher Job für eine junge Frau? Findet Julia Döhler gar nicht, von der Bundeswehr in die Rüstungsindustrie, das sei doch ein logischer Schritt, sagt sie.
Bei minus zehn Grad im Freien übernachtet
Mehr als ein Drittel ihres Lebens hat Julia Döhler, gebürtig aus Borna bei Leipzig, bei der Bundeswehr verbracht. Sie war gerade 18 Jahre alt, als sie nach der Schulzeit die Offizierslaufbahn einschlug. „Ein Studium und dann ein normaler Bürojob, das kam für mich nicht in Frage“, sagt sie. „Ich wollte was Außergewöhnliches machen.“ Als sie sich auf einer Jobmesse umsah, stieß sie auf einen Stand der Bundeswehr. Bei dem Entschluss, sich für 13 Jahre zu verpflichten, sei ihr schon etwas mulmig gewesen. „Soll ich das wirklich machen?“ ging ihr damals durch den Kopf. „Aber wenn ich eine Entscheidung treffe“, sagt Julia Döhler nachdrücklich, „dann ziehe ich das auch durch.“
Das gewünschte Außergewöhnliche hat sie gefunden. Bevor sie bei der Bundeswehr mit einem Studium beginnen konnte, stand zunächst die Grundausbildung auf dem Programm sowie weitere Lehrgänge, oft mit hohen körperlichen Anforderungen. „Nicht jeder Tag war schön“, fasst Julia Döhler fröhlich zusammen. Im Nachhinein ist sie jedoch stolz, die Herausforderungen gemeistert zu haben – wie bei minus zehn Grad im Freien zu übernachten oder anderthalb Tage mit 20 Kilo Gepäck auf dem Rücken plus Waffe vorwiegend nachts und vorwiegend bei Regen durch den Wald zu marschieren.
Für Radio Andernach live aus Afghanistan berichtet
Ihr Studium bei der Bundeswehr mit Schwerpunkt Geschichtswissenschaften führte sie auch nach Shanghai und nach Calgary in Kanada. Danach bekam sie die Möglichkeit, eine journalistische Ausbildung zu absolvieren und beim Bundeswehr-Sender Radio Andernach anzuheuern. „Wie SWR3“, beschreibt Julia Döhler das Programm für die Truppe, in dem sie Nachrichten gelesen und vierstündige Moderationen übernommen hat. „Das war eine tolle Zeit“, schwärmt sie. In ihrer Zeit beim Bundeswehr-Radio eroberte sie auch die Bühnen und moderierte Programme etwa beim „Tag der Bundeswehr“ vor bis zu zehntausend Menschen.
2019 berichtete sie für Radio Andernach fünf Monate lang live aus Masar-e Scharif in Afghanistan, wo die Bundeswehr ein Feldlager unterhielt. „Das gehört dazu“, sagt Julia Döhler, „damit man weiß, wie das im Einsatz ist.“ In ihrer Bundeswehr-Laufbahn hat sie es bis zum Hauptmann gebracht. Zuletzt war sie Pressesprecherin der Nato-Schule in Oberammergau, eine eher wenig bekannte Bildungseinrichtung für Militärs. Dort hatte sie vor allem mit lokalen und regionalen Medien zu tun.
Familiäre Atmosphäre des mittelständischen Unternehmens
Das hat sich geändert. Presseanfragen an Heckler & Koch erreichen sie aus der ganzen Republik, auch aus dem Ausland. Und während sich in der Nato-Schule mal ein Landrat blicken ließ, hat Döhler in ihrer kurzen Zeit bei Heckler & Koch bereits den Besuch des Verteidigungsministers Boris Pistorius erlebt. Der habe mit seiner Kompetenz nachhaltig Eindruck hinterlassen: „Der Mann macht seinen Job wirklich gern.“
Bei Heckler & Koch fühlt sich Julia Döhler sehr wohl, sie genießt die familiäre Atmosphäre des mittelständischen Unternehmens, und ihr gefällt das große Engagement und die Leidenschaft der Mitarbeiter. Mit den Produkten ihres Arbeitgebers hatte sie bereits als Soldatin zu tun, schon in den ersten Wochen der Grundausbildung lernte sie das Sturmgewehr kennen. Vertraut ist sie auch mit der P8, der Dienstpistole der Bundeswehr. Geliebt hat sie die nie, etwas zu groß für kleinere Frauenhände. Sie selbst hätte das kompakte Modell SFP 9 CC bevorzugt.
Sie bewundere die Technik und die Präzision bei der Fertigung, eine Waffennärrin sei sie aber nicht, sagt Julia Döhler. Ihre Beziehung zu Pistolen und Gewehren ist ganz pragmatisch: „Für einen Soldaten“, sagt sie, „ist die Waffe eine Lebensversicherung.“