Fabia Hofmann ist neue Hausärztin in Bräunlingen. Sie schätzt das Arbeiten auf dem Land und verrät, welche Gründe sie für den Ärztemangel sieht.
„Ich wollte bewusst aufs Land, denn wir fühlen uns im Schwarzwald super wohl“, sagt Fabia Hofmann und lächelt. Seit wenigen Wochen führt sie die Hausarztpraxis im historischen Gebäude in der Blaumeerstraße, einem Gemäuer, das seit rund 800 Jahren Geschichte schreibt. Zuvor haben zum Jahreswechsel umfassende Sanierungs- und Umbaumaßnahmen stattgefunden.
„Innerhalb weniger Wochen haben wir hier praktisch alles umgestellt“, erzählt sie. Gemeinsam mit der Schreinerei Splintholz habe man überlegt, welche Elemente sich weiterverwenden oder upcyclen lassen, etwa der Empfangstresen. Die komplette Elektrik erneuerte die Firma Elektro Ketterer, auch weitere regionale Betriebe unterstützten die Umgestaltung tatkräftig.
Auch in neue medizinische Geräte wurde investiert. So kann die Ärztin unter anderem Leistungen wie die präzise Messung der Herzaktivität mittels EKG oder die Beurteilung der Lungenfunktionen mit einer Spirometrie-Untersuchung anbieten. Auch ein modernes Sonografie-Gerät zur Betrachtung der inneren Organe und die Möglichkeit für eine 24-stündige Messung des Blutdrucks bietet die neue Ausstattung der Praxis.
„Was wir derzeit zusätzlich einführen, sind besondere Behandlungsprogramme für Menschen mit chronischen Erkrankungen. Prävention und Vorsorge sind mir dabei sehr wichtig“, erklärt die Ärztin. So beteiligt sich die Praxis unter anderem an strukturierten Betreuungsprogrammen für Patientinnen und Patienten mit Diabetes (DMP) oder mit koronaren Herzerkrankungen. Jede Anmeldung zusätzlicher Leistungen sei mit hohem bürokratischem Aufwand verbunden.
„Von dem, was im Hintergrund läuft, bekommen die Patienten nichts mit. Auch wenn wir erst kürzlich geöffnet haben, bin ich bereits seit Juli letzten Jahres mit den Vorbereitungen beschäftigt. Jede Leistung muss angemeldet und genehmigt werden“, so Fabia Hoffmann. Die Praxis spreche derzeit alle Patientinnen und Patienten gezielt darauf an, informiere über das Angebot und schreibe sie neu in die Programme ein.
Bürokratische Hürden
Die bürokratischen Hürden nennt die Ärztin als ausschlaggebenden Punkt, weshalb viele Menschen mit medizinischem Hintergrund eher ein Angestelltenverhältnis anstreben, als eine eigene Praxis einzurichten. „Der bürokratische Aufwand ist enorm“, sagt sie. Von der Stadt Bräunlingen habe sie zwar sehr viel Unterstützung erhalten, doch ein Großteil der Anforderungen komme von anderer Seite. „Eine Praxis ist letztlich auch ein wirtschaftlicher Betrieb. Man muss medizinische Versorgung, Vorgaben der Krankenkassen, die Wünsche der Patientinnen und Patienten und gleichzeitig die wirtschaftliche Seite unter einen Hut bringen.“ Da es in Städten oftmals leichter sei, einen Arbeitsvertrag zu erhalten, sieht sie auch hier den Grund für die Ärzteflucht auf dem Land.
Persönlich schätze sie die Arbeit in ländlichen Strukturen in besonderem Maße. „Hier betreut man oft ganze Familien über Generationen hinweg. Außerdem ist die Vielfalt der Menschen groß. Man begegnet allen Altersgruppen und Schichten, das macht es spannend.“ Auch privat ist die Ärztin fest im Landleben verwurzelt. Mit ihrem Mann und ihren drei Töchtern, die das Gymnasium besuchen, verbringt sie viel Zeit draußen. „Wir sind sehr naturverbunden und finden Ausgleich mit Wandern und Reiten“, so Hofmann.
Zur Person
Werdegang
Die neue Bräunlinger Ärztin kommt ursprünglich aus dem Landkreis Böblingen. Nach ihrem Abitur in Sindelfingen und dem Medizinstudium in Tübingen begann sie gemeinsam mit ihrem Mann ihre Facharztausbildung am Schwarzwald-Baar-Klinikum. Tätig war sie zuvor auch in einer Praxis in Villingen sowie in einer Reha-Klinik. Sie lebt mit ihrer Familie in Donaueschingen.