Das ’s Rössle bleibt – und soll künftig auch die Schwenninger Museen vereinen. Diese waren für den Standort Muslenplatz vorgesehen. Was sagen die Verantwortlichen dazu?
Dass das Bestandsgebäude doch nicht abgerissen wird und neben Teilen der Stadtverwaltung, der Bibliothek, der Volkshochschule und Co-Working-Spaces die Städtische Galerie und das „Museum der Zeit“ beheimaten soll, hatte die „politische AG Rössle“ zuletzt mehr oder weniger still und heimlich ausgeheckt – zur Überraschung von manch einem Kultur-Interessierten oder auch Verantwortlichen, wie in der Gemeinderatssitzung am Mittwoch deutlich wurde.
Denn nachdem Anfang 2024 die – weit gereiften – Pläne, alle Schwenninger Museen im neuen Bürk-Areal rund ums Uhrenindustriemuseum zusammenzuführen, aus finanziellen Gründen doch verworfen wurden, wurde stattdessen im Herbst vergangenen Jahres die Museumslösung am Muslenplatz auf den Weg gebracht. Sie sollte mit einem Umbau des Heimatmuseums und einem Neubau dahinter im „Museum der Zeit“ und im „Museum der Gegenwartskunst“ die drei Schwenninger Museen vereinen.
Das sagt die Museums-Leiterin
Diese neuen Pläne mit Inhalt zu füllen und das Museumsprojekt voranzutreiben, war und ist Aufgabe von der Leiterin der Schwenninger Museen, Martina Baleva. Sie habe die nun aktualisierten Pläne über den Standortwechsel, in die sie einige Zeit vor der entscheidenden Sitzung eingeweiht worden sie, „sehr positiv aufgenommen“, sagt die Kunsthistorikerin auf Anfrage unserer Redaktion, wenngleich sie zunächst ebenso überrascht gewesen sei.
Die Vorteile
Das Museumsquartier werde eine neue Adresse haben, an seiner inhaltlichen Ausgestaltung ändere sich aber nichts – im Gegenteil. Der große Vorteil, der sich auch mit den ursprünglichen Bedürfnissen des Quartiers decke, sei: mehr Platz. Während man sich am Muslenplatz hätte einschränken müssen, könne man sich im ’s Rössle „auf einer größeren Fläche austoben“.
In der Zusammenführung der verschiedenen Institutionen sieht Martina Baleva zudem einen positiven Synergie-Effekt. „Schwenningen kann dadurch nur punkten und auch beispielhaft zeigen, wie man mit einem leerstehenden Gebäude umgeht“, betont sie auch den Nachhaltigkeitsaspekt.
Und das Heimatmuseum?
Für das Heimatmuseum, dessen Exponate mit denen des Uhrenindustriemuseums künftig im „Museum der Zeit“ zusammengeführt werden sollen, habe sie alternative Ideen. „Ich möchte es als Standort eigentlich gar nicht aufgeben“, sagt sie – obwohl der Gemeinderat in seiner Sitzung kurzerhand für eine Verkauf des Gebäudes gestimmt hatte.
Das sagt der Galerie-Leiter
„Wir müssen die Chance nutzen“, sagt derweil der Leiter der Städtischen Galerie, Alejandro Perdomo Daniels. Mit diesem neuen Weg könne „etwas Großes“ für die Kultur in Schwenningen entstehen – schließlich habe man als Stadt die Pflicht, die Kultur weiter fortzusetzen und überregionalen Status zu erlangen.
Auch der Galerie-Leiter war bei den Vorüberlegungen mit dabei und sieht die Neu-Verortung des Museumsquartiers als großen Vorteil.
„Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen macht das Projekt am neuen Standort wirklich Sinn“, sagt er mit Blick auf den Kauf des ’s Rössle durch die Stadt, der bei der Entscheidung über den Standort Muslenplatz noch nicht absehbar gewesen sei. „Wir sind optimistisch und freuen uns auf das Projekt“.
Das sagt der Heimatverein
Weniger euphorisch klingt es vonseiten des Schwenninger Heimatvereins. Knackpunkt für dessen Mitglieder ist vor allem das Heimatmuseum und dessen Bedeutung. „Wir wollen nicht, dass die Seele einschläft“, betont die Vorsitzende Annemarie Conradt-Mach.
So hätte sich der Heimatverein weiterhin ein Gebäude gewünscht, das für die Schwenninger Geschichte steht – in diesem Fall für die Entwicklung Schwenningens, das aus einem Bauerndorf zur Industriestadt wurde.
Bedauerlich sei auch die Tatsache, dass Schwenningen mit einer längeren museumslosen Zeit leben müsse, was der Heimatverein unbedingt verhindern wollte, sagt Annemarie Conradt-Mach mit Blick auf das jetzt schon geschlossene Heimatmuseum. Zuletzt hatten die Stadtführer durch mehrere Aktionen und Führungen versucht, das Museum am Leben zu halten.
Verlust der Tradition?
Gleichzeitig hoffe man, dass die wertvollen ausgeliehenen Ausstellungsstücke, unter anderem Teile der Helmut-Kienzle-Sammlung oder der Ur- und Frühgeschichte, wieder nach Schwenningen kommen und die museumslose Zeit beziehungsweise der geplante Umzug nicht zu einem Verlust wertvoller Kulturgüter werde.
Mehr Leerstände
Der Heimatverein befürchte außerdem, dass durch die Zusammenführung der verschiedenen Institutionen weitere Leerstände – Heimatmuseum, Galerie, VHS oder die Verwaltungsgebäude in der Winkelstraße – das Stadtbild Schwenningens weiter negativ prägen, unterstreicht die Vorsitzende, die dennoch große Hoffnung in die Planungen für das künftige Museumsquartier steckt.
Klar sei, dass der Heimatverein das Heimatmuseum mit seinen Exponaten, in welcher Form auch immer, weiterhin will – gleichzeitig sagt Annemarie Conradt-Mach: „Es muss etwas passieren!“
Die Pläne
So könnte der Rössle-Komplex einmal aussehen
Wie Architekt Andreas Flöß in der Gemeinderatssitzung beispielhaft erläutert hat, soll die „Zuwegung“ vom Muslenplatz zum Gebäude her ansprechender gestaltet werden. Möglich sei zum Beispiel dafür auch eine Begrünung der gelben Häuserfassaden.