Sibylle Kunz bringt Verwaltungserfahrung und regionale Verbundenheit in ihr Amt als Ortsvorsteherin von Waldmössingen ein. Foto: Fritsche

Nach vier Monaten im Amt spricht Sibylle Kunz über ihre Aufgaben, aktuelle Projekte und die Herausforderungen in einem Stadtteil zwischen Tradition und Entwicklung.

Am 1. Januar 2026 hat Sibylle Kunz ihr Amt als Ortsvorsteherin von Waldmössingen angetreten. Davor war sie Leiterin der zentralen Vergabestelle, die eine Querschnittsaufgabe für die Stadtverwaltung erfüllt. Dass sie umfassende Einblicke in die Abläufe im Rathaus hat und die Kollegen dort kennt, ist ein Vorteil bei der Erfüllung der neuen Aufgabe. Aufgewachsen in Hardt und wohnhaft in Aichhalden kennt sie sowohl die Verwaltung als auch die Region gut. Nach den ersten vier Monaten im Amt haben wir mit ihr gesprochen.

 

Frau Kunz, was sind Ihre Aufgaben als Ortsvorsteherin in Waldmössingen?

Meine Aufgaben sind in den Paragrafen 69 und 71 der Gemeindeordnung für Baden-Württemberg festgelegt: Ich lade zu den Sitzungen des Ortschaftsrats ein und leite diese als Vorsitzende. Als ständige Vertreterin der Oberbürgermeisterin setze ich die Beschlüsse des Ortschaftsrates um. Ich bin auch zuständig für die Leitung der Verwaltung in Waldmössingen, die aus einer Vollzeit- und zwei Teilzeitkräften besteht, und des dortigen Bauhofs, der auch Aufgaben im Gemeindewald wahrnimmt. Bei zwölf Kilometer Entfernung zum Rathaus in der Talstadt ist ein Service vor Ort in Waldmössingen für die Bürger wichtig. Und schließlich bin ich das Bindeglied zwischen Orts- und Stadtverwaltung: Mit unterstützender Fachkompetenz und bei der Umsetzung von Beschlüssen.

Welche Schwerpunkte können Sie bei Ihrer Arbeit setzen?

Die Themen kommen aus der Bürgerschaft, beziehungsweise dem Ortschaftsrat oder von der Stadtverwaltung. Im Ortschaftsrat werden sie vorberaten, die Entscheidungsbefugnis hat aber in den meisten Fällen der Gemeinderat. In der städtischen Hauptsatzung sind aber auch bestimmte Bereiche dem Ortschaftsrat übertragen, über die er alleine entscheidungsbefugt ist. Meine Hauptaufgaben sind das Moderieren dieses Entscheidungsprozesses, die Vermittlung zwischen den Beteiligten.

Welche Projekte sind aktuell für die Weiterentwicklung von Waldmössingen wichtig?

Zum einem der Bebauungsplan für das Freizeitgelände Weiherwasen, der auch die Kastellhalle und den Erlebnisbauernhof umfasst: Anfang Mai steht er wieder auf der Tagesordnung im Ortschaftsrat. Zum andern der Bebauungsplan Kehlenstraße, der jetzt doch im normalen umfassenden Verfahren erstellt werden muss. Ziel ist ein Satzungsbeschluss noch in 2026, denn die Nachfrage nach Bauplätzen ist groß.

Was sind ihre ersten Eindrücke und Erfahrungen aus der Gremienarbeit?

Im Ortschaftsrat sind viele engagierte Bürger vertreten, er bildet den Querschnitt der Bevölkerung gut ab. Es findet ein Miteinander statt, in der Regel findet man immer eine Kompromiss.

Wie sieht es in Waldmössingen mit der Lebensmittel- und medizinischen Versorgung aus?

Die Versorgung mit Ärzten vor Ort ist gut, auch mit Kitas und Grundschule sind wir gut aufgestellt, aber einen Einkaufsmarkt vermissen wir immer noch. Die engagiert geführten Verhandlungen haben immer noch zu keinem Ergebnis geführt.

Tempo 30 und kommunale Wärmeplanung sind für manche Reizwörter. Wie ist da der Stand?

Die Wärmeplanung bringt für Waldmössingen keine wesentlichen Änderungen, die Umsetzung von Tempo 30 nachts ist in Bearbeitung und soll baldmöglichst umgesetzt werden.

Wie kann man bei sechs unterschiedlichen Stadtteilen Zusammenhalt fördern und Auseinanderdriften gegensteuern?

Auch wenn zum Beispiel Tennenbronn mehr für Schwarzwald und Natur und Waldmössingen mehr für Industrie und Werkstätten steht: Beim Weihnachtsmarkt oder auch Stadtfest kommen Bürger aus allen Stadtteilen und wir feiern zusammen. Oder beim Ferienprogramm: Vom Bauspielplatz in Waldmössingen profitieren alle Stadtteile. Und man hilft sich: Als die Turn- und Festhalle Sulgen Problem hatte, kamen die Sulgener zum Training in die Kastellhalle. Im übrigen haben auch Stadtteile in großen Städten eigene Identitäten.