So sieht er aus, der neue Zaun der sprichwörtlich den Gestaltungsspielraum für die neue Thanheimer Ortsmitte vorgibt. Foto: Kauffmann

Gemeinde, ehemaliger Adler in Thanheim und die neue Ortsmitte: Der Konflikt scheint in die nächste Runde zu gehen. Der neue Adler-Eigentümer will die Angelegenheit nun vor Gericht klären lassen.

Bisingen - Der Zaun entlang der künftigen Ortsmitte Thanheims ist zwar gebaut, doch vom Weihnachtsfrieden war dort auch über die Feiertage keine Spur: Seit August kommunizieren Gemeinde und neuer Eigentümer des Adlers über ihre Anwälte, und daran hat sich zwischenzeitlich offenbar nichts geändert, im Gegenteil.

 

Die Ausgangslage

Die Gemeinde braucht den neuen Eigentümer des Adlers insbesondere, wenn es um die Neugestaltung der Ortsmitte Thanheims geht. In öffentlicher Hand befinden sich bereits die Grundstücke mit den abgerissenen Häusern direkt an der Onstmettinger Straße und Flächen rund um das Rathaus. Allein ein wenige Meter breiter Streifen zwischen Ortsverwaltung und Abrissfläche gehört nicht dazu. Der Grund: Diese gehört zum ehemaligen Gasthaus Adler, das mit Vallipuram Rajakumar einen neuen Eigentümer hat.

Deshalb wollten Gemeinde und Rajakumar einen Grundstückstausch anstreben – der im Übrigen auch ein Vorteil für Rajakumar darstellt, weil er den schmalen Streifen Land gegen ein Areal direkt neben dem Adler eintauscht. Somit wäre der Tausch gut für beide Seiten: Rajakumar erhält Parkplätze für Mieter und die Gemeinde bei der Neugestaltung der Ortsmitte sprichwörtlich freie Bahn. Dass es einen solchen Tausch geben soll, wurde bereits Anfang 2021 vertraglich vereinbart.

Die Konfliktlinien

So weit die Theorie. Doch wie es bei manchen Verträgen vorkommen kann, kann ihre Interpretation im Auge des Betrachters liegen. Aus der Sicht des neuen Adler-Eigentümers habe die Gemeinde ihren Teil nicht erfüllt.

Er argumentiert nach wie vor: Das Gelände der Abriss-Häuser sei wie eine "Schotterpiste" und – anders als vertraglich vereinbart – nicht eingeebnet. Allerdings definiert der Vorvertrag nicht, was der Begriff "eben gemacht" in der Praxis konkret bedeutet. Deshalb kann die Gemeinde durchaus entgegnen, dass sie ihre Pflichten erfüllt hat.

Darüber hinaus seien laut Rajakumar bei den Abrissarbeiten unter anderem unterirdische Heizölleitungen beschädigt und nur notdürftig geflickt, aber nicht professionell repariert worden. Außerdem habe er von den Arbeiten überraschend von seinen Mietern erfahren.

"Gefahr im Verzug"

Die Gemeinde erzählt die Geschichte anders: Bei den Abbrucharbeiten auf dem Grundstück Onstmettinger Straße 35 wurde stehendes Wasser in einem Endstrang einer Leitung entdeckt, und weil stehendes Wasser verkeimt und Trinkwasserqualität dadurch negativ beeinflusst werden kann, musste es ausgebaut werden. Bei diesen Arbeiten kam ein Rohrbruch der Hausanschlussleitung Onstmettinger Straße 39 zum Vorschein, der umgehend behoben werden musste. Aufgrund des hohen Wasserverlusts sprach die Gemeinde von "Gefahr im Verzug", weshalb die Arbeiter spontan an bestehenden Leitungen entlang gruben. Dabei entstandene Schäden seien "fachgerecht" repariert worden.

Verdienstausfall wegen Präsenz vor Ort

Wegen dieser unangekündigten Arbeiten musste der neue Adler-Eigentümer vor Ort präsent sein, konnte daher seiner selbstständigen Tätigkeit nicht nachgehen und fordert weiterhin einen Verdienstausfall in Höhe von 564 Euro ein. Außerdem moniert er, dass bei den Abrissarbeiten eine Dachrinne am Adler beschädigt, zu spät repariert und deshalb die Hauswand feucht geworden sei.

Der neue Zaun

Die Gemeinde habe nach Darstellung Rajakumars "von heute auf morgen" den Zaun gebaut und einseitig Fakten geschaffen. Gleichwohl: Zu den Kritikpunkten des neuen Adler-Eigentümers gehörte zu einem früheren Zeitpunkt in diesem Jahr auch, dass die Gemeinde genau diesen Zaun noch nicht gebaut hat – nun steht der Zaun und es gibt erneut Kritik.

Der Ausblick

Wie geht es weiter? Rajakumar will es mit den aus seiner Sicht offenen Kritikpunkten nicht auf sich beruhen lassen. Er hatte bereits vor Weihnachten auf Nachfrage angekündigt, vor Gericht eine Klage gegen die Gemeinde anzustrengen, denn er sehe sich nun gezwungen, die Angelegenheit gerichtlich zu klären. Wie die Lage juristisch einzuordnen ist, entscheiden die Richter, falls es zu einer Verhandlung kommt.