Die Firma, die das Intermodale Servicezentrum Horb betreibt, plant eine neue Nutzung für das Terminal: die Produktion von Tübbinge für den Tunnelbau.
Als Tagesordnungspunkt in der jüngsten Ortschaftsratssitzung in Altheim stand der Aufstellungsbeschluss für die vierte Änderung des Bebauungsplans „Intermodales Servicezentrum Horb“ (ISH) im beschleunigten Verfahren nach Paragraf 13a Baugesetzbuch (BauGB) zur Debatte.
Neben Bauleitplanerin Katrin Edinger von der Stadt Horb saßen Geschäftsführer Uwe Gfrörer und Projektmanager Sven Wannenmacher als Experten des Empfinger Erdbauunternehmens, das inzwischen das Terminal im Industriegebiet Heiligenfeld zu 100 Prozent eigenverantwortlich betreibt, mit am Ratstisch. Zusammen stellten sie ihr neuestes Projekt, mit dem sie die aktuelle Flaute am Verkehrsterminal abfangen wollen, vor.
Aktuell dürfen nur nachts bis zu zehn Züge ins Terminal einfahren, da die Weiche der Bahnstrecke nur von Hand geschaltet werden kann, da das Stellwerk nicht besetzt und tagsüber die Strecke nicht freigegeben ist. Und mit so einer Auslastung könne man ein Terminal in dieser Größe, wie man es 2023 im Heiligenfeld eröffnet hat, nicht wirtschaftlich betreiben.
Obwohl die Firmenleitung fest daran glaubt, dass Güter auf die Schiene gehören, muss man sich nach einer weiteren Möglichkeit umschauen, das teilweise brach liegende Areal sinnvoll zu nutzen.
Produktion von Tübbinge Deshalb gibt es aktuell die Überlegung, in den Tunnelbau, genauer gesagt, in die Produktion von „Tübbinge“, einzusteigen. Tübbinge sind Betonfertigteile, die als Innenschale oder Außenschale von Tunneln und Schächten eingesetzt werden. Diese Stahlbetonfertigteile sind für den Tunnelbau ein wesentlicher Bestandteil. In der gebräuchlichsten Form bilden sieben Segmente einen vollständigen Ring. Der Tunnel setzt sich wiederum aus einer Vielzahl von Ringen zusammen.
Und gerade beim Bau des Pfaffensteigtunnels, der ein Teil des Gäubahn-Ausbaus ist, der die Bahnstrecke Zürich-Böblingen-Stuttgart Flughafen mit dem Hauptbahnhof Stuttgart verbinden soll, sieht Gfrörer durch die räumliche Nähe zum Projekt die große Chance, einen Mitbewerber aus Niederbayern auszustechen. „Die Chancen stehen 50:50, diesen Großauftrag zu bekommen“, betonte Gfrörer.
„Großzügige Lagerflächen ermöglichen eine wirtschaftliche Produktionsauslastung sowie eine baustellengerechte Lagerhaltung“, so eines der Nutzenargumente der Planer, die diese Änderung des Bebauungsplans bereits nichtöffentlich im Gemeinderat vorgestellt hatten. Eine direkte Produktion der Fertigbauteile am Tunnelmund sei nicht möglich, da keine ausreichenden Flächen vorhanden seien, so eine zusätzliche Info.
Grundsätzlich sah man das Ganze im Altheimer Ortschaftsrat positiv, zumal man keine weiteren Flächen versiegeln muss und Arbeitsplätze und Gewerbesteuer generieren könne.
Wie entwickelt sich der Verkehr? Doch die Verkehrssituation wurde dann doch etwas kritischer hinterfragt. Die bisher angenommenen Verkehrszahlen aus dem Verkehrsgutachten ISH reichen aus, um auch Tübbing-Logistikverkehr darzustellen, wussten die Planer.
Im ersten Feststellungsverfahren wurde eine maximale Zahl von 284 Fahrten pro Tag festgelegt. Aktuell ergeben sich durch die Nutzungskapazität des Terminals etwa 30 bis 40 Fahrten pro Tag. Bei der Kapazitätserweiterung der Nutzung durch die Tübbing-Fabrik kämen zwischen 78 bis 94 Fahrten pro Tag (eingehend Gesteinskörnung, Zement, Einbauteile und ausgehend Tübbinge) dazu. „Also weit unter der zulässigen Höchstfahrtenzahl“, machte Gförer deutlich.
Gfrörer rechnet mit einer Fertigstellung der Hochbrücke Ende 2027 – die Tübbing-Fertigung würde sich planerisch um wenige Monate überschneidend. „In dieser Zeit müsste man durch Horb fahren.“
Mit dem Lkw müsse man die Tübbinge an die Baustelle fahren, weil es dort keinen schwerlastfähigen Gleisanschluss gebe, erklärte Gfrörer auf Nachfrage.
Bei einer Gegenstimme sprach sich der Ortschaftsrat mehrheitlich für diesen Aufstellungsbeschluss aus.
Meinungen und Fakten zum Projekt
Stimmen aus dem Ortschaftsrat
Uwe Gfrörer glaubt an die Realisierung des Pfaffensteigtunnels. „Wenn ich nicht Optimist wäre, wäre ich nicht Unternehmer“, sein Credo.
Eckdaten zum Projekt
Sand, Zement und Stahl wird über die Schiene angeliefert, die Zuschlagstoffe für den Beton per Lkw. Für die Lagerung der Rohstoffe ist Fläche nötig und zur Verarbeitung muss ein Betonwerk gebaut werden. Zudem soll eine 3750 Quadratmeter große Produktionshalle mit Büro- und Sozialräumen mit Folgenutzung erstellt werden.