Im Stuttgarter NLZ steht man dem Projekt offen gegenüber und überlegt,wie man eine Teilnahme ermöglichen kann. Foto: Baumann

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat die Einführung einer U-21-Liga beschlossen. Das steckt dahinter – und so steht der VfB Stuttgart zum Thema.

Der 3. März 2026 war ein Tag einer womöglich weitreichenden Entscheidung für den deutschen Fußball. „Die Mitgliederversammlung der DFL hat heute ohne Gegenstimme beschlossen, zur Saison 2026/27 einen zusätzlichen U-21-Wettbewerb für die Clubs der Bundesliga und 2. Bundesliga einzuführen“, heißt es auf der Webseite des Liga-Verbandes. Alle 36 Proficlubs dürfen teilnehmen, darunter also auch der VfB Stuttgart. Eine Teilnahme ist jedoch keine Pflicht.

 

Der neue Wettbewerb wurde als freiwilliges Zusatzangebot im Übergangsbereich konzipiert und ergänzt somit das bereits bestehende Ligensystem, ohne dass zweite Mannschaften ausgegliedert werden. Die Teilnahme erfordert keine zusätzlichen Mannschaften, sondern richtet sich an bereits vorhandene Spieler im Übergangsbereich der Altersklassen U 17 bis U 21. Pro Mannschaft dürfen zudem bis zu vier ältere Spieler eingesetzt werden, „um sowohl junge Talente gezielt zu fördern als auch beispielsweise verletzten Spielern nach längeren Pausen die Rückkehr in den Spielbetrieb zu erleichtern“, wie die DFL ausführt. Es kann also den Fall geben, dass ein 16-Jähriger gegen einen frisch aus der Reha kommenden Vollprofi antritt, der bereits dreistellig Bundesligaspiele auf dem Buckel hat. Die Kader der Teams können kurzfristig noch am Vorabend vor einer angesetzten Partie benannt werden.

Vorausgegangen war eine Evaluierung einer Expertengruppe, zu der beispielsweise auch Jürgen Klopp angehört. Ziel war es, „zentrale Entwicklungsschwerpunkte für den deutschen Profifußball zu identifizieren und entsprechende Handlungsempfehlungen zu entwickeln“. Denn, das ist auch ohne Expertenwissen sichtbar, dem deutschen Fußball fehlt es im internationalen Vergleich teils deutlich an Talenten in Breite und Spitze, gerade auch im Vergleich mit Frankreich und England. Das neue Format, das bereits zur kommenden Saison an den Start gehen soll, sieht zwei eigenständige Serien im Liga-Modus vor, deren jeweils beste Mannschaften sich für ein Finalturnier qualifizieren.

Daniel Jungwirth trainiert beim VfB die U 17. Spieler aus seinem Team könnten an der neuen Liga teilnehmen. Foto: IMAGO/Pressefoto Baumann

„Durch flexible Kaderbenennung und variable Terminierung der Spiele im jeweiligen Zeitraum wird den Clubs ein hohes Maß an Flexibilität geboten. Zudem können die Spiele auf neutralen Plätzen ausgetragen werden, um finanzielle und zeitliche Belastungen möglichst gering zu halten. Die Partien finden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, um den organisatorischen Aufwand zu minimieren. Für das Finalturnier im Sommer 2027 wird eine Austragung mit Zuschauern und medialer Vermarktung geprüft“, schreibt die DFL. Wie und wo im bereits sehr dichten Spielplan der Platz für einen solchen Wettbewerb gefunden werden soll, blieb vorerst offen.

Ambivalentes Echo aus der Branche

Ambivalent fällt derweil das Echo aus der Branche aus. Während manche Clubs das Konzept loben und eine Teilnahme bereits jetzt zusagen (z. Bsp. Leipzig, Hertha BSC und der 1. FC Union), kommt das Konzept anderswo nicht so gut an. So hat sich der 1. FSV Mainz 05 deutlich gegen eine Teilnahme ausgesprochen. Bei anderen Clubs ist man noch nicht so weit und sucht noch nach einer Haltung zum Thema. Die hat man beim VfB Stuttgart immerhin schon gefunden. Man stehe dem Projekt aufgeschlossen gegenüber und wolle schauen, wie man eine Teilnahme ermöglichen könne, heißt es aus Clubkreisen. Dafür hat man auch noch genügend Zeit. Stichtag der DFL für eine verbindliche Zusage ist der 15. Juni 2026.

Dass der Cannstatter Club sich noch ein Hintertürchen aufhält, liegt auf der Hand. Schließlich ist der Klassenverbleib der eigenen U 21 in der 3. Liga noch nicht gesichert, zudem besteht auch noch die berechtigte Hoffnung auf eine Youth-League-Teilnahme der U 19. Die ist über den sogenannten Meisterweg möglich (als amtierender deutscher Meister in der Altersklasse) oder über die Champions-League-Qualifikation der Profimannschaft.

Und vielleicht liest man sich im Stuttgarter NLZ auch noch einmal ganz genau in die deutsche Historie des Themas ein. Denn eine solche Nachwuchs- und Reserveliga ist keineswegs ein neues Konstrukt. Es gab bereits mehrfach ähnliche Versuche: die DFB-Nachwuchsrunde (1979 bis 1983) oder die Bundesliga-Reserverunde (1994 bis 1997). Beide scheiterten.