Auf diesem Grundstück will der Freiburger Ditib-Verein eine Moschee bauen. Foto: Ralf Deckert

In der Nähe des Freiburger Eisstadions soll eine neue Moschee entstehen. Projektträger ist der örtliche Ditib-Verein, der dort ein Grundstück erworben hat.

Die Rufacher Straße ist kein repräsentativer Standort: Gewerbebetriebe prägen das Bild. In einem ehemaligen Getränkemarkt hat seit 2016 der Bildungs- und Begegnungsverein Freiburg e.V. (BBF) mit seiner Moschee seinen Sitz. Nun will ein paar Häuser weiter der Ditib-Verein auf dem Gelände eines Sanitärbetriebs bauen. Der Grundstückskauf ist bereits erfolgt.

 

„Seit 2011 organisierten wir unser Gemeindeleben in provisorischen Mieträumen“, sagt der Freiburger Ditib-Vorsitzende Hüseyin Özbek. Jetzt könne man endlich einen Ort schaffen, der Stabilität und Würde für das religiöse Leben der Muslime in Freiburg biete. Zunächst werde man die Bestandsgebäude möglichst bis zum kommenden Ramadan zu einem Gemeindezentrum umbauen, in zwei bis drei Jahren solle dort zusätzlich eine Moschee entstehen.

Verschärfung des Verkehrschaos erwartet

„Dieses Eigentum ist auch Verantwortung gegenüber allen Freiburger Muslimen, die seit Jahren auf ein festes Gotteshaus warten“, so Özbek. „Wir wollen zeigen, eine Moschee in Freiburg ist normaler Teil der Stadtentwicklung, getragen von Transparenz und Gemeinwohl.“ Der Ditib-Verein in Freiburg hat 220 erwachsene Mitglieder sowie rund 50 Kinder und Jugendliche, die Bildungs- und Freizeitprogramme besuchen.

Dass im Stadtteil nicht alle die Pläne begrüßen, sei in einer Demokratie normal, so Özbek. „Entscheidend ist, Bedenken offen zu begegnen. Maßstab ist Recht, nicht Stimmung.“ Deshalb lege man mit Blick auf die Moscheepläne Betriebs- und Verkehrskonzept, Ruhezeiten und Hausordnung offen. „Das schafft Vertrauen.“

Religiöse Inhalte auf türkisch und deutsch

Am 3. Oktober lädt der Verein zum Tag der offenen Moschee ein. Den Vorwurf politischer Nähe zur Erdogan-Regierung weist Özbek zurück. Ditib sei nicht weisungsgebunden, Imame sprächen Deutsch, wirkten in Schule, Beruf und Nachbarschaft. Die Verbindung zur Religionsbehörde Diyanet in der Türkei dürfe man der Gemeinde nicht als Makel auslegen, so wenig wie katholischen Pfarreien ihre Bindung an Rom. Entscheidend sei die Rechtstreue, betont Özbek. Religiöse Inhalte würden zweisprachig in türkischer und deutscher Sprache vermittelt.

Rathaussprecherin Martina Schickle bestätigt Anfragen zum Projekt, teils mit rechtslastigem Inhalt. Im Amtsblatt hatte die AfD jüngst mit Blick auf das Ditib-Vorhaben vor einem „Hotspot“ für „islamische Parallelstrukturen“ gewarnt. Schon jetzt sorge das BBF-Freitagsgebet in der Rufacher Straße für Staus und Unmut. SPD-Stadtrat Stefan Schillinger, Vorsitzender des Bürgervereins Mooswald, bestätigt: Schon die bestehende BBF-Moschee verursache freitags erhebliche Verkehrsprobleme, die das Begegnungszentrum kaum in den Griff bekomme. Eine zweite Moschee wenige Häuser weiter würde die Lage verschärfen, fürchtet Schillinger.

Stadt kündigt weitere Informationen an

Mit dem Ditib-Verein habe es noch keinen Kontakt gegeben. Mehrere Gewerbetreibende sowie der Bürgerverein hätten Informationen gefordert. Die Stadt habe angekündigt, diese „in Kürze“ zu liefern. „Im Rahmen des Bauantragsverfahrens prüft die Verwaltung auch die verkehrlichen Belange, die mit einer geänderten Nutzung einhergehen würden“, bestätigt Schickle. Die Verwaltung werde darauf achten, dass die im Stadtteil bestehende Verkehrssituation berücksichtigt werde und gegebenenfalls Auflagen erlassen. „Die Verwaltung wird zu gegebener Zeit auch mit Informationen auf Anwohnende und Anlieger zugehen“, so die Rathaussprecherin weiter.