Im Streit um die angemessene Nutzung des Tailfinger Markts und seines Wassertischs versucht die Stadt Albstadt, einen Interessenausgleich zu schaffen. Mit Erfolg? Das bleibt abzuwarten.
Die Wogen haben sich augenscheinlich ein Stück weit geglättet, die Maximalforderungen sind vorerst vom (Wasser)tisch.
Der Maßnahmenkatalog, mit dem die Stadt Albstadt sowohl den Übermut der Tailfinger Jugend als auch den Unmut der Anwohner und Geschäftsleute am Markt zu mäßigen sucht und den sie nun dem Gemeinderat vorgestellt hat, sieht keine Trockenlegung und Bepflanzung des Wassertischs im südlichen Marktbereich vor – und auch keine generelles Planschverbot.
Auf ein solches hatte die – erfolglose – Beschwerde eines Geschäftsmanns beim Regierungspräsidium Tübingen abgezielt, der den Tatbestand des widerrechtlichen Betriebs einer Badeanstalt verwirklicht sah.
Also kein Vergissmeinnicht auf dem Wassertisch – aber dafür eine Begrenzung der Nutzung auf den Tag: Zwischen 9 und 19 Uhr läuft das Wasser; in dieser Zeit dürfen Kinder auf dem Tisch spielen – dass die Jugend ihn für Fahrradakrobatik missbraucht, soll der Kommunale Ordnungsdienst (KOD) verhindern, der den Markt wenn möglich noch intensiver als bisher bestreifen und auf Einhaltung der Hausordnung achten wird. Um 19 Uhr gehen – im übertragenen Sinne – die Lichter aus und alle nach Hause. In der Theorie.
Das ist noch nicht alles. Die mobilen Kunststofftische am Wassertisch und vor der Technologiewerkstatt werden in diesem Sommer nicht an den bisherigen Standorten, sondern im Onstmettinger Park aufgestellt. Das WLAN der evangelischen Kirchengemeinde, das die Attraktivität der Stadtmitte für die Jugend noch zusätzlich gesteigert hatte, wird ausgeschaltet, sobald das evangelische Familienzentrum „eFas am Markt“ schließt.
Eine „Chillzone“ im Uhlandsgarten
Im übrigen will man die Jugend nicht nur durchs Ordnungsrecht und das Ausbremsen des Smartphonegebrauchs domestizieren, sondern auch durch alternative Freizeitangebote: Das Gekicke auf dem Markt hatte die Anwohner entnervt; auf dem Kleinspielfeld der Lutherschule würden sie niemanden stören, und am Ende der Katharinenstraße, wo ein weiterer Bolzplatz entstehen soll, wohl auch nicht. Des weiteren ist eine „Chillzone“ im Uhlandsgarten geplant, an deren Gestaltung die Jugendlichen beteiligt werden sollen.
Die Gemeinderäte, die im November teilweise recht erbost über die Forderung gewesen waren, Tailfingens Neue Mitte, die durch die Sanierung ja eigentlich belebt werden sollte, wieder auf Zimmerlautstärke herunterzudimmen, reagierten auf die Kompromissstrategie der Stadt gelassen – auch sie haben sich mit den Anwohnern unterhalten und deren Sicht der Dinge vernommen.
Das Problem sind nicht die planschenden Kinder
Indes herrschte nach wie vor fraktionsübergreifender Konsens, dass planschende Kinder nicht das Problem seien, sondern eher die posenden Heranwachsenden – der „Schichtwechsel“, so CDU-Fraktionschef Steffen Conzelmann, bereite Probleme – und dass Streetwork und mobile Angebote für die Jugend essenzielle Bestandteile einer Lösung darstellten. Wobei es, wie Lies Ammann (Bündnis ’90/Die Grünen) anmerkte, nicht darum gehen könne, die „Kids“ an die Peripherie zu entsorgen. „Die wollen in die Mitte; die wollen gesehen werden.“
Im Juni wird der Maßnahmenkatalog evaluiert
Dazu besteht am Mittwoch, 28. Mai, beim „Mitternachtssport“ in der Lutherschulturnhalle Gelegenheit. Die Anwohner wiederum können die Maßnahmen der Stadt am 24. Juni in einem neuerlichen Gespräch mit der Stadt evaluieren. „Bisschen früh“, meinte Z.U.G.-Stadtrat Thomas Voelter. Die Stadt wiederum findet: „Lieber zu früh als zu spät!“