Sie leiten das Studio Theater in der Hohenheimer Straße 44 im Duo: Nadine Klante (li.) und Daniela Urban. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Daniela Urban und Nadine Klante haben gemeinsam die künstlerische Leitung im Studio Theater übernommen. Die beiden Frauen wollen Christof Küsters Linie fortsetzen, aber auch das Haus für die freie Szene öffnen.

Sie sind die Neuen, am Studio Theater: Gemeinsam haben Nadine Klante und Daniela Urban in der Hohenheimer Straße 44 die künstlerische Leitung übernommen. Christof Küster hat dort große Fußstapfen hinterlassen, in die sie mit Begeisterung und Selbstvertrauen treten. Wie Küster möchten Daniela Urban und Nadine Klante im Studio Theater Klassiker und neue Stoffe auf die Bühne bringen, wie er möchten sie zeitgenössische Themen aufgreifen, im Rahmen ihrer Möglichkeiten spontan auf gesellschaftliche Entwicklungen reagieren.

 

Dabei setzen sie auch auf eine Öffnung des Hauses. Bisher waren am Studio Theater fünf bis sechs hauseigene Produktionen in jeder Spielzeit zu sehen. Bis auf weiteres wird es nun bei drei Produktionen bleiben – ein deutliches Signal an die Freie Szene, eine Einladung zu Kooperation und Gastspiel. „Wir möchten einen geschützten Raum bieten, in dem Regieneulinge ihr erstes Werk auf die Bühne bringen können. Wir haben die Infrastruktur, wir können ihnen unter die Arme greifen.“

Mix aus Polit-Satire und Polit-Talk

Die Reihe „Studio goes Politics“, die am 20. November startet, ist Beispiel und Schritt in eine neue Richtung. Sie wurde entwickelt von der Schauspielerin Stephanie Biesolt. Im Abstand von zwei Monaten wird sie im Studio Theater eine Mischung aus Polit-Satire und Polit-Talk mit Gästen und Experten präsentieren. Thema des ersten Abends: „Ist Blau das neue Braun?“ – „Unsere Idee ist, hier einen diskursiven Raum aufzumachen“, sagt Daniela Urban. In einer Zeit, die von Social Media bestimmt ist, will das Theater Gegengift sein: „Man kann heute über bestimmte Themen nicht mehr sprechen, es finden nur noch Haltungspräsentationen statt.“

Daniela Urban stammt aus Göttingen, Nadine Klante aus dem Ruhrgebiet. „Wir haben oft die selben Orte gestreift, waren aber niemals gleichzeitig da“, sagt Urban. „Erst Esther Bernhardt, die Leiterin des Studio Theaters, hat das Wunder vollbracht, zwei Menschen, die immer haarscharf aneinander vorbei gegangen sind, zusammen zu bringen.“

Daniela Urban begann ihre Arbeit als Theaterpädagogin am Jungen Theater Göttingen, kam nach Stuttgart, um in den letzten vier Jahren der Intendanz von Hasko Weber am Staatstheater als Theaterpädagogin zu arbeiten. Unter Friedrich Schirmer arbeitete sie an der Württembergischen Landesbühne in Esslingen in der Leitung der Theaterpädagogik. Andreas Döring, einstmals Intendant in Göttingen, nun in Celle, holte sie dorthin, als Regisseurin des Jugendstücks „Nina und Paul“. In Bremerhaven und Baden-Baden inszenierte sie für den Abendspielplan. Bei Anna-Lena Hitzfelds Solo-Projekt „Stutenbiss“ am Studio Theater leistete sie inszenatorische Unterstützung – und blieb dem Theater verbunden. Hitzfeld spielt den „Stutenbiss“ mittlerweile am Theater Lübeck – „Dass ein Stück, das wir im Studio Theater auf die Welt gebracht haben, dort weiterlebt, macht mich natürlich stolz.“

Als Christof Küster am Theaterhaus das Stück „Schütze Paul in Auschwitz“ inszenierte, übernahm Daniela Urban die Projektleitung. Küster selbst schlug ihr vor, seine Nachfolgerin am Studio Theater zu werden – „Weil ich gerne Regie führe und das auch an anderen Theatern tun möchte, habe ich gesagt: Ja – aber nicht alleine.“ Und also wurde Esther Bernhardt aktiv.

Vernarrt in dieses Theater sind sie lange schon

Nadine Klante studierte Drehbuch an der Filmhochschule Ludwigsburg, engagierte sich zugleich in der freien Theaterszene in Stuttgart. Als Johann Kresnick mit Studierenden des Fachs Bühnenbild 2002 am Heusteigtheater, der Experimentierbühne der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste, das Stück „Baudelaire“ inszenierte, war sie Inspizientin. Zwei Jahre lang arbeite sie an der Württembergischen Landesbühne Esslingen unter Manuel Soubeyrand als Assistentin, besuchte bereits Vorstellungen im Studio Theater, bewarb sich dort um Regiearbeiten, inszenierte, noch ehe Christof Küster kam, Kinderstücke. Unter Küster schließlich inszenierte sie auch für den Abendspielplan – und erarbeitete zwischen 2014 und 2017 gemeinsam mit Steffen Essigbeck, dem kaufmännischen Leiter des Studio Theaters, das Konzept der Langenargener Festspiele.

Für Daniela Urban und Nadine Klante ist das Studio Theater „der schönste Hinterhof außerhalb von Berlin“. Vernarrt in dieses Theater sind sie beide, lange schon. „Es ist ein kleines Haus“, sagt Daniela Urban. „Wir haben hier keine großen technischen Möglichkeiten, wir können nicht die selbe Magie zaubern, wie an einem Staatstheater. Aber wir können eine andere Magie zaubern, die das gute alte Schauspiel im Raum erzeugt. Wir haben hier eine Nähe zum Publikum, die manch anderes Haus nicht bieten kann.“

Info

Start
Mit einem „Eröffnungsspezial“ unter dem Motto „Studio Open“
wollen die beiden neuen Chefinnen am Sonntag, den 29. September, um 15 Uhr ihr Publikum in der Hohenheimer Straße 44 in S-Mitte begrüßen. Neben Gästen und Informationen gibt es auch Kaffee und Kuchen – der Eintritt ist frei, um Anmeldung wird gebeten.

Premieren
Am Freitag, 18. Oktober, feiert Konstantin Küsperts Science-Fiction-Stück „fort schreiten“
im Studio Theater Premiere, Regie führt Nadine Klante – Die Erde muss evakuiert werden, mit einem Raumschiff geht’s zu einem neunen Planeten. Doch die Reise dauert 400 Jahre. Am Mittwoch, 20. Oktober, startet das Talk- und Satireformat „Studio goes Politics“
mit der Schauspielerin Stephanie Biesolt. „Seitenwechsel“
von Wolfgang Schukraft, 12. Dezember, ist ein Gastspiel, in dem Sven Djurovic einen Soldaten darstellt, der sich jenseits der 40 dazu bekennt, dass er als Frau empfindet. „Heinz & Erhardt“,
Donnerstag, 19. Dezember, beleuchtet Heinz Erhardt von verschiedenen Seiten. Das Stück feierte Premiere bei den Langenargener Festspielen. Es folgen: „Das wirkliche Leben“
nach dem Roman von Adeline Dieudonné, Regiedebüt für Yassin Trabelsi (Februar 2025) und „Mario und der Zauberer“
(Mai 2025, Regie Daniela Urban). Im Dezember werden Daniela Urban und Nadine Klante selbst auf der Bühne stehen – bei „Ox und Esel“,
einem Krippenspiel für Kinder, geben sie die Titelfiguren.

Infos
 Alle Termine und Karten unter www.studiotheater.de