Veranstaltungen wie der Urschelherbst locken tausende Besucher in die Nagolder Innenstadt. Foto: Thomas Fritsch

Amokfahrten auf Weihnachtsmärkten, Messerattacken auf Festen. Die Angst feiert mittlerweile mit. Nagold will seine Festbesucher noch besser schützen. Doch wie?

An Großveranstaltungen hat die Stadt einiges zu bieten. Als Mittelzentrum mit einem Einzugsbereich von etwa 100 000 Einwohnern muss das auch so sein. Große, aber auch kleinere Events gehören zum Pflichtprogramm, wenn man nicht abgehängt werden will von anderen konkurrierenden Städten.

 

Und so hat Nagold in den vergangenen Jahren einige echte Marken geschaffen, die es regelmäßig schaffen, tausende von Besuchern in die Stadt zu locken. Ein paar Beispiele gefällig?

Der Nagolder Frühling sei da genannt, die Gartenmesse, zu der jährlich zahllose Gäste strömen, das Keltenfest, der Urschelherbst und natürlich der dreitägige Weihnachtsmarkt.

„Aus leider aktuellem Anlass“

All diese Veranstaltungen locken Gäste in Scharen in die Stadt. Und alle diese Veranstaltungen bedürfen eines speziellen Sicherheitskonzepts.

Denn seit Ereignissen wie in Magdeburg, München, Mannheim und Berlin wird die Frage nach der Sicherheit der eigenen Veranstaltungen auch in Nagold immer intensiver beleuchtet. „Aus leider aktuellem Anlass müssen auch wir uns mit dem Thema beschäftigen“, sagte Nagolds Ordnungsamtsleiter Achim Gräschus jüngst im Gemeinderat. Dort erörterte er auch die Thematik näher.

Kein neues Thema

Wobei das Thema nicht neu ist. Schon früher gab es Sicherheitsaspekte zu beachten und bei Großveranstaltungen, Konzepte zu entwickeln. Themen wie Sanitätsdienst oder auch Rettungsgassen waren schon immer präsent. Mit drohenden so genannten „Überfahrtaten“ und Terroranschlägen aber ist das Sicherheitsfeld weiter geworden.

Wenn in Nagold eine Veranstaltung mit mehr als 5000 zu erwartenden Besuchern stattfindet, wird vom Ordnungsamt ein Sicherheitskonzept vom Veranstalter eingefordert. Im Regelfall ist das in Nagold die Stadt selbst. Neben Themen wie den Rettungswegen und Sanitätsdiensten liegt ein besonderer Fokus auf dem Thema Zufahrtsschutz.

Die neuen mobilen Zufahrtspoller sollen für Sicherheit sorgen. Foto: Thomas Fritsch

Speziell hierfür hat die Stadt erst vor wenigen Wochen mobile Zufahrtspoller beschafft, die bei den Nagolder Großveranstaltungen die früheren Betonpoller ersetzen. „Nach und nach müssen wir uns da überprüfen, ob Ergänzungen sinnvoll wären“, erörterte Gräschus. Klar sei aber auch: Ein vollkommener Schutz könne auch durch die neuen Poller nicht erreicht werden.

Was ist mit den Fasnetsumzügen?

Bei kleineren Veranstaltungen, hier auch oft von Vereinen und Ehrenamtlichen getragen, sei das Thema Sicherheit gemeinsam mit dem Veranstalter im Einzelfall zu prüfen. Doch ein individuelles Sicherheitskonzept wird dafür im Regelfall nicht verlangt. „Irgendwann gibt‘s Grenzen“, sagte Gräschus.

Dennoch seien zum Beispiel die Fasnetsumzüge in Vollmaringen und Hochdorf durchaus Themen, wo man über ein Sicherheitskonzept nachdenken müsse. „Da empfehlen wir den Veranstaltern einen direkten Austausch mit uns und der Polizei“, so Gräschus weiter. Auch regelmäßige kleinere Veranstaltungen wie die Krämermärkte in Nagold und auch die Wochenmärkte betrachtet das Ordnungsamt anders. Nicht „praktikabel und zielführend“ sei es hier, jeweils ein Sicherheitskonzept zu erarbeiten und umzusetzen. Allein schon die regelmäßigen Auf- und Abbauarbeiten des Zufahrtsschutzes würden zu großen Einschränkungen der ehrenamtlichen Arbeit führen und „sowohl die Kapazitäten der Vereinsarbeit als auch die der Stadt Nagold überlasten“ – heißt es in der Information des Ordnungsamtes für den Gemeinderat.

Austausch mit dem Ordnungsamt

Gräschus appellierte an Veranstalter, den Austausch mit dem Ordnungsamt und der Polizei zu suchen. „Wir schauen uns dann die Gefahrenlage in den Einzelfällen an“, so Gräschus. Mitunter gebe es auch einfache Lösungen, zum Beispiel den Veranstaltungsort zu verlegen. Doch Gräschus sagte auch: „Zur Not muss man eventuell auch mal etwas Absagen.“

Nagolds Oberbürgermeister Jürgen Großmann erörterte, dass es auch darum geht, die Sensibilität bei Veranstaltern zu schärfen. Auch er warb für eine enge Zusammenarbeit mit den örtlichen Sicherheitsbehörden.

„Wir wollen keine Angst machen“

Allgemein verdeutlichte Großmann, die Gratwanderung, auf der man sich befinde. Denn wenn etwas passiere: „kommen hunderte und wissen es besser.“ Ein Heer von Gutachtern käme dann, die hinterher sagen, „was wir alles falsch gemacht haben.“

CDU-Fraktionschef Carl Christian Hirsch fand es richtig, das Thema öffentlich zu machen. „Aber wir wollen keine Angst machen. Im Gegenteil: Wir akzeptieren das nicht und zeigen das damit auch.“ Die Botschaft sei: „Wir befassen uns damit.“ Und: „Wir sind vorausschauend unterwegs.“

„Die Realitäten sind einfach so“, befand auch SPD-Fraktionsvorsitzender Daniel Steinrode. Es gelte aber keinen „überbordenden Bürokratismus“ für die Vereine und kleineren Veranstaltungen aufzubauen – „aber da sind wir auf dem richtigen Weg.“