Die neue Basler Kläranlage ist eine saubere Sache. Sogar kleinste Verunreinigungen lassen sich mit neuen Reinigungsstufen herausfiltern.
Zu den wichtigen Einrichtungen, die völlig unter dem Radar der öffentlichen Wahrnehmung fliegen, gehören Kläranlagen, in der Schweiz Abwasserreinigungsanlagen (ARA) genannt. Diese Systeme befinden sich in Form von Kanalisationsrohren teilweise sogar ganz unter der Erde und nur die Reinigung selbst erfolgt in sichtbaren Anlagen.
In Basel sorgt nun eine faktisch neue, in Etappen an alter Stelle am Rand des Rheinhafens gebaute Abwasseraufbereitung für eine bessere Qualität des Rheins – flussabwärts. Denn das deutlich besser geklärte Wasser aus Basel, Riehen und aus den westlich der Birs gelegenen Gemeinden von Basel-Land fließt erst dicht beim Dreiländereck, also am letzten Zipfel der Schweiz, in den Fluss. Im allerweitesten Sinn profitieren also alle Unterlieger des Rheins von der erneuerten Basler Abwasserreinigungsanlage. Das dürften im Einzugsbereich des gesamten Flusssystems unterhalb von Basel etwa 50 Millionen Menschen sein.
Vierte Reinigungsstufe gegen Mikroverunreinigung
Die Mitverantwortung der Schweiz für den großen europäischen Strom ergibt sich aus deren Mitgliedschaft in der Internationalen Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR), die sich 1960 in Basel formiert hatte und deren Zusammenarbeit zuletzt 1999 vertraglich gefasst wurde. Der Ausbau der Basler Kläranlage stützt sich auf Schweizer Vorgaben, die jedoch IKSR-Grenzwerte in nationales Recht verwandelt haben. Mit der Inbetriebnahme der neuen Anlage entspricht Basel somit allen internationalen Anforderungen. Mehr noch: Bei vielen Kriterien würden diese Werte sogar übererfüllt, wie Regierungsrat Kaspar Sutter und der Verwaltungsratspräsident der Trägergesellschaft ProRheno, Roger Reinauer, am Freitag bei einem Mediengespräch anlässlich der Einweihung sagten.
Ein besonders fortschrittlicher Teil der Anlage ist die vierte Reinigungsstufe, mit der Mikroverunreinigungen zu 70 Prozent aus dem Wasser gefiltert werden können. Zu dieser Stoffgruppe gehören auch die langlebigen Substanzen, die unter dem Begriff PFAS bekannt sind. Schätzungen gehen davon aus, dass es etwa 30.000 unterschiedliche Stoffe geben dürfte, die zu den Mikroverunreinigungen beitragen. „Wir wissen nicht genau, was wir alles aus dem Wasser herausholen, aber wir wissen, dass wir es herausholen“, sagte Roger Reinauer über die Reinigungsleistung der Anlage.
Auch die konventionellen Bestandteile der neuen Kläranlage, die mechanischen und die biologischen Stufen, wurden verbessert. Deutlich mehr Rechengut (plus 250 Tonnen pro Jahr) sowie zusätzlich 450 Tonnen ungelöste Stoffen können neuerdings mechanisch aus dem Schmutzwasser entfernt werden. Die bessere Entfernung der ungelösten Stoffe ist auch deshalb wichtig, weil mit diesen Partikeln sonst Phosphor ins Flusswasser gelangen könnte. In der Vergangenheit konnten Grenzwerte in dieser Hinsicht oft nicht eingehalten werden, dies ist nun nicht mehr der Fall. Deutlich verbessert hat sich die Leistung auch bei den Stickstoffverbindungen. Stickstoffverbindungen wie Ammoniak oder Ammonium werden aufgespalten, so dass aus den gefährlichen Fischgiften reiner Stickstoff wird, der als natürlicher Bestandteil der Luft bedenkenlos freigesetzt werden kann.
Neue Kläranlage kostet 350 Millionen Franken
Die neue Anlage verbraucht angesichts ihrer verbesserten Leistung deutlich mehr Energie. Dies wird jedoch durch Photovoltaik und vor allem mit der Produktion von Biogas überkompensiert. Das Biogas wird in farblich markant gestalteten Faultürmen gewonnen, wo der Klärschlamm aus der biologisch-bakteriellen Reinigungsstufe vergärt.
Wenn alles abgerechnet ist, wird die neue ARA Basel etwa 350 Millionen Franken gekostet haben. Die Anlage, die heute ein Einzugsgebiet mit etwa 300.000 Einwohnern abdeckt, ist bereits für eine Kapazität von 500.000 Personen ausgelegt. Damit ist die ARA Basel die zweitgrößte Kläranlage der Schweiz und eine der modernsten in ganz Europa. Regierungsrat Kaspar Sutter bezeichnete bei der Eröffnung die Abwasserreinigung als „unglaublich wichtiges Thema“ und als eine „zivilisatorische Errungenschaft.“ Tatsächlich wurde in Basel erst in den 1860er-Jahren die Kanalisation systematisch ausgebaut. Bis dahin, so erinnerte Sutter, wurden Abwässer einfach in die heute komplett verdohlte Birsig geleitet und über der Stadt lag ein fürchterlicher Gestank.