Zuständig fürs Personal: EnBW-Vorständin Rückert-Hennen Foto: Catrin Moritz

Tausende neue Leute sucht die EnBW in den nächsten Jahren. Doch bei der aufwendigen Modernisierung der IT dafür hakt und holpert es. Hat die Personalvorständin die Probleme im Griff?

Zu den größten Herausforderungen der EnBW gehört es, ausreichend Personal für die Energiewende zu gewinnen. Tausende von Stellen hat der landeseigene Energiekonzern in den nächsten Jahren neu zu vergeben. Teils sind altershalber ausscheidende Mitarbeiter zu ersetzen, teils werden zusätzliche Fachkräfte für das gewaltige Investitionsprogramm von bis zu 50 Milliarden Euro benötigt.

 

Für die zuständige Personalvorständin Colette Rückert-Hennen (64) wird das zur entscheidenden Bewährungsprobe: Ihre zuletzt geschwächte Position im Unternehmen – sie musste die Zuständigkeit für den Vertrieb abgeben – hängt maßgeblich davon ab, wie erfolgreich die Rekrutierung läuft. Sie blicke „mit Respekt, aber auch mit Zuversicht“ auf diese Aufgabe, ließ sich die 64-jährige Juristin zitieren.

„Enable HR“ heißt das Projekt

Entsprechend aufmerksam wird in der EnBW mit ihren mehr als 30 000 Beschäftigten registriert, dass es bei einem zentralen Vorhaben im Personalbereich hakt und holpert: der Modernisierung der digitalen Systeme. „Enable HR“ (Human Resources) heißt das Transformationsprogramm, mit dem die IT-Architektur für die gestiegenen Anforderungen aufgerüstet werden soll.

Bereits im Jahr 2023 wurde das groß angelegte Projekt gestartet, Anfang 2025 sollte eigentlich die Umstellung auf die neuen Systeme erfolgen. Doch weil das ursprünglich geplante Konzept wegen Problemen auf der Strecke nochmals geändert wurde, soll der Startschuss nun erst Anfang 2026 fallen – eine Verzögerung um ein Jahr, die angesichts des Handlungsdrucks teilweise mit Sorge gesehen wird.

Kosten in mittlerer zweistelliger Millionenhöhe

Das derzeitige SAP-System wird nach Auskunft eines EnBW-Sprechers nur noch bis 2027 gewartet. „Um einen reibungslosen Übergang sicherzustellen“, sei früh ein Projekt zur Ablösung und gleichzeitigen Modernisierung der IT-Landschaft gestartet worden. Ziel sei eine „moderne und skalierbare Lösung für die Personalarbeit“. Begleitet wird das „hochkomplexe Vorhaben“ von einer spezialisierten Beratungsfirma. Man unterstütze die EnBW dabei, den Personalbereich effektiver und effizienter zu machen, heißt es auf deren Webseite. Die Gesamtkosten des Projekts liegen laut EnBW im „mittleren zweistelligen Millionenbereich“.

Ursprünglich sollte das auslaufende SAP-System gleich durch drei neue Systeme ersetzt werden: Workday, Escriba und S4H4 von SAP. So kündigte es eine EnBW-Personalmanagerin noch zu Jahresbeginn in einem firmeninternen Interview an. Man arbeite konzentriert an dem Ziel, „Anfang 2026 mit gleich drei neuen Systemen live zu gehen“. Im Rahmen einer europaweiten Ausschreibung sei die Software des US-Anbieters Workday „als neues HR-Kernsystem ausgewählt“ worden, bestätigte ein Konzernsprecher. Es gehe darum, „die Transformation der EnBW im Zuge der Energiewende optimal zu unterstützen“.

Umstrittene Ex-Managerin spielte zentrale Rolle

Eine zentrale Rolle spielte dabei in der Anfangsphase eine umstrittene EnBW-Managerin: die frühere Bereichsleiterin für Strategie und Transformation, Maria Knill. Sie habe „auch das Projekt ,Enable HR‘ verantwortet“, bestätigte der EnBW-Sprecher. Gegen die langjährige Weggefährtin und Vertraute von Rückert-Hennen hatte sich im Unternehmen vor zwei Jahren erheblicher Unmut zusammengebraut. Wegen ihres Führungsstils und unglücklicher Äußerungen (sie sprach von der EnBW als „Wohlfühlzone“) galt sie als Reizfigur. Zuletzt hatte der Betriebsrat die Zusammenarbeit mit der Bereichsleiterin verweigert. Mitte 2023 wurde dann mitgeteilt, Maria Knill werde die EnBW „auf eigenen Wunsch“ verlassen. Sie blieb aber zeitweise noch als Beraterin tätig.

Die Synchronisation von drei verschiedenen Systemen erwies sich nun offenbar als zu kompliziert. Man habe die ursprünglich geplante Konstellation „zugunsten einer Zweisystem-Strategie (Workday und SAP/H4S4) neu bewertet, was zur Verschiebung des Go-Live-Termins führte“, bestätigte der Sprecher Informationen unserer Zeitung. Im Zuge des Projekts habe es „umfangreiche Prüf- und Vorbereitungsphasen“ gegeben; dabei sei der Ansatz „fortlaufend optimiert“ worden. Auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse habe man sich vor dem konzernweiten Start für einen Probebetrieb entschieden; seit Juli 2025 laufe dieser „stabil“.

„Keine negativen Auswirkungen“ auf Personalsuche

Auf die Frage nach den Mehrkosten der Verschiebung verwies der EnBW-Sprecher auf einen „verlängerten Ressourceneinsatz“. Die zusätzlichen externen Kosten beliefen sich auf etwa 3,5 Prozent des gesamten Projektbudgets. Auf die laufende Personalgewinnung, heißt es, habe die Verzögerung „keine negativen Auswirkungen“. Gleichwohl wird in der Belegschaft mit Spannung verfolgt, ob die Probleme Konsequenzen für die Personalvorständin Rückert-Hennen haben. Ihr Vertrag wurde zuletzt zwar bis Februar 2027 verlängert, doch ein vorzeitiger Abgang käme für viele Mitarbeitende nicht sonderlich überraschend. Schon zu Zeiten des früheren EnBW-Chefs Andreas Schell hatte ihre Stellung im Unternehmen als wackelig gegolten.