Aron Huber aus Unterbaldingen freut sich über das jetzt schon rege Interesse an der anstehenden Neugründung in Sachen Streuobstwiesen. Foto: Daniela Schneider

Hunderte Obstbäume findet man auf Gemarkung Bad Dürrheim und Umgebung. Zwei engagierte Unterbaldinger wollen diese erhalten, Wissen weitergeben und Menschen zusammenbringen.

„Streuobstbestände sind eine einzigartige, historisch entstandene Form des extensiven Obstbaus“ – so beschreibt zum Beispiel die Landesanstalt für Umwelt, was auch auf der Ostbaar und anderen Teilen der Region über lange Zeit hinweg eine bedeutende Rolle spielte. Für Aron Huber und Stefan Müller aus Unterbaldingen steht fest: Obstbäume, die mit das Landschaftsbild prägen, gilt es zu erhalten und das Bewusstsein zu schärfen, dass es sinnvoll ist, die Bestände zu pflegen und zu fördern. „Uns geht es um die Wertschätzung für die Streuobstwiesen“, lautet ihr Credo.

 

Die beiden Männer haben beide einen engen Draht zu Bäumen, wenn man so möchte, allein schon wegen ihrer Berufe.

Der 28-jährige Aron Huber ist passionierter Hobbylandwirt und im Haupterwerb Mitarbeiter in einem Sägewerk. Zuvor arbeitete er zudem in einem landwirtschaftlichen Betrieb, der Streuobst an eine Molkerei vermarktete. Gartenbauingenieur Stefan Müller hat derweil einen eigenen Wald- und Landschaftspflegebetrieb und ist auch bei einer Landesbehörde im Umweltbereich tätig. Zu seinem Fachgebiet gehört unter anderem die Streuobstpflege, und er unterhält auch selbst eine eigene Obstwiese.

Sammeln mit der Bläserjugend

Der Einsatz für die Obstbäume rührt außerdem gewissermaßen aus einem Mangel her, einem Mangel an Geld nämlich. Aron Huber, seines Zeichens zweiter Vorsitzender des Musikvereins Unterbaldingen, hatte sich zusammen mit der Bläserjugend seines Vereins auf die Suche nach einer neuen Einnahmequelle gemacht, um die Jugendarbeit fördern zu können. Andere Einnahmen waren weggebrochen, und da kam die Idee auf, Obst in der Gegend einzusammeln, das sonst liegen geblieben wäre, und dieses an eine Mosterei zu verkaufen.

Gesagt, getan – und während die jungen Leute Äpfel und Birnen aufklaubten, merkten sie, wie viele Bäume da mit viel Potenzial in der Gegend stehen. Allein in Unter- und Oberbaldingen schätzen sie deren Zahl auf mindestens 200. Es zeigte sich allerdings auch, dass immer mehr von ihnen zu verkümmern drohen, weil sich niemand (mehr) um sie kümmert. Die Generation, die das noch wollte und konnte, wird immer älter oder fehlt ganz, die Erlöse aus dieser Form des Obstbaus sind mau.

Auch die Landesumweltanstalt macht deutlich: Die Streuobstbestände des Landes sind in den vergangenen 50 Jahren stark zurückgegangen und werden als gefährdet eingestuft. Die Prognose: Ohne Pflege werden die Bereiche nach und nach zu Wald, und typische Tier- und Pflanzenarten gehen verloren. Also stand bald fest: Für die Obstbäume soll etwas getan werden.

Obstbäume stehen im besonderen Fokus von Aron Huber und Stefan Müller. Die beiden Männer von der Ostbaar setzten sich für deren Erhalt und Pflege ein. Foto: © be free - stock.adobe.com

Gemeinsam mit Stefan Müller entschied sich Aron Huber: Es soll eine Interessengemeinschaft Streuobstfreunde Ostbaar gegründet werden.

Ganz bewusst soll es kein regelrechter Verein werden, sondern „ein lockerer Zusammenschluss interessierter Bürger“, sagt der Initiator Huber.

Die IG soll aktiv helfen, „die wertvollen Streuobstlandschaften in der Region zu erhalten, zu pflegen und zu fördern“, wie es in der Ankündigung heißt.

Angesprochen sind alle Bürgerinnen und Bürger Bad Dürrheims und der Teilorte, aber auch Besitzerinnen und Besitzer von Streuobstwiesen aus umliegenden Gemeinden.

Die Gründungsversammlung findet am Freitag, 23. Januar, um 18 Uhr im Schulhaus Unterbaldingen in der Villinger Straße 1 statt.

Im direkten Anschluss daran gibt es eine Einführungsveranstaltung zur „Theorie der Baumpflege im Streuobstbau“ mit grundlegenden Informationen und praxisnahen Hinweisen für die fachgerechte Pflege von Obstbäumen – perfekt für alle Interessierten und Bewirtschafter von Streuobstflächen.

Und am 24. Januar und 28. Februar jeweils vormittags findet ein Praxis-Schnittkurs unter der Leitung von Stefan Müller statt, der dafür die entsprechende Befähigung hat.

Geplant ist für die Zukunft außerdem, eventuell eine eigene neue Streuobstwiese anzulegen und sich zudem gemeinsam um den schon vorhandenen Bestand zu kümmern und dafür zu sorgen, dass das Obst nicht ungenutzt liegen bleibt.

Anmeldung zur Gründungsversammlung

Kontakt
Für die Versammlung am 23. Januar und auch für die Teilnahme an den Praxistagen wird um Anmeldung unter Telefon 01573/084 47 64 oder StreuobstfreundeOstbaar@gmx.de gebeten.

Gute Resonanz schon jetzt
Die ersten Rückmeldungen, die es bereits für die Gründungsveranstaltung gab, sind vielversprechend. „Fast 30 Leute haben sich schon gemeldet“, freut sich Aron Huber über das offenkundige Interesse an dem Thema, aus Bad Dürrheim und den Ortsteilen, aber auch aus VS und anderen Orten, „quer durch den Schwarzwald-Baar-Kreis“, wie der Initiator fröhlich berichtet. Und er betont: „Wir sind offen für alle“.