Der Haigerlocher Gemeinderat verzichtete darauf, die Hunderasse Kangal auf eine Liste mit gefährlichen Hunden zu setzen, für die höhere Steuern zu entrichten sind. Foto: Pixabay

Mit weit weniger Wirbel als noch im Spätjahr 2019 verabschiedete der Haigerlocher Gemeinderat eine neue Hundesteuersatzung. Ein Vierbeiner wurde dabei rehabilitiert: Der Rhodesian Ridgeback.

Haigerloch. - Wegen dieser aus Südafrika stammenden Hunderasse war es vor zwei Jahren richtig rund gegangen. Denn der Gemeinderat verabschiedete im Oktober 2019 nicht nur eine neue Hundesteuersatzung, sondern fügte dieser erstmals überhaupt eine "schwarze Liste" mit 15 Hunderassen bei, die man als gefährlich erachtete.

Der Sinn dahinter: ihre Haltung sollte eine deutlich höhere Hundesteuer kosten; über den Geldbeutel wollte man das Vorkommen dieser Hunderassen im Stadtgebiet eingrenzen.

Wirbel um den Rhodesian Ridgeback

Auf die Liste geriet seinerzeit auch der Rhodesian Ridgeback – in seiner Heimat auch zur Jagd auf Löwen und Großwild eingesetzt. An ihm entzündete sich eine heftige Diskussion, in die sich sogar Feli Großhans aus Bremen einschaltete. Die Frau – Tierschutzbeauftragte des 1976 gegründeten Rhodesian Ridgeback Club Deutschland (RRCD) – wies Gemeinderat und Verwaltung darauf hin, dass Haigerloch sich an einer veralteten Liste des Landes Bayern orientiert habe, von welcher der Ridgeback schon 2002 gestrichen worden sei.

In der jetzt aktualisierten Liste der gefährlichen Hunde taucht der Ridgeback nicht mehr auf, sie enthält nur noch Rassen, welche auch in der Polizeiverordnung über das Halten gefährlicher Hunde (PolVOgH) aufgeführt sind. Neben dem Ridgeback stehen übrigens auch Dobermänner, Rottweiler oder Kangals nicht mehr auf der Liste.

Wie ist der Kangal einzuordnen?

Letztgenannte Rasse – ein Herdenschutzhund aus der Türkei – hätte am Dienstag um ein Haar den Ridgeback als "Bad Boy" abgelöst, denn es gab Stimmen im Gemeinderat, die den Kangal gerne auf der Gefährlichkeitsliste belassen hätten. Walter Stocker (CDU) erinnerte in diesem Zusammenhang an den tödlichen Angriff eines Kangal im Mai 2017 auf eine 72-jährige Frau in Frohnstetten.

Bei der Abstimmung war jedoch eine Mehrheit im Gemeinderat dafür (15 Stimmen gegen sechs bei zwei Enthaltungen), den Kangal nicht auf die Liste gefährlicher Hunde zu setzen. Möglicherweise auch, um ähnliche Debatten mit Zuchtverbänden und Haltern wie beim Ridgeback zu vermeiden.

Keine Steuerminderung durch Wesenstest

Was in der neuen Hundesteuersatzung ebenfalls nicht vorkommt, ist eine Steuerreduzierung, wenn man einen als gefährlich eingestuften Hund einem Wesenstest unterzieht und einen entsprechenden Nachweis erbringt. Hier sahen Gemeinderäte wie Ralf Heim (CDU) oder Thomas Bieger (SÖL) zu viele Manipulationsmöglichkeiten und das Gremium folgte ihren Argumenten. Eine deutliche Mehrheit (20 Stimmen) gab es dafür, diesen Passus ersatzlos aus der Satzung zu streichen.

Ansonsten blieb die von Fabian Rühle (Sachgebiet Recht und Ordnung) vorgestellte Neufassung unangetastet. Für einen Ersthund sind künftig 108 Euro Steuer (bisher 100), für weitere Hunde 216 Euro (bisher 200) und für einen gefährlichen Hund 600 Euro (bisher 500) zu bezahlen.

Weitere gefährliche Hunden kosten 1200 Euro (bisher 1000) und die Zwingersteuer beträgt künftig 550 (bisher 500 Euro). Unterm Strich erhöhen sich die Einnahmen der Stadt durch die Änderungen jährlich um 5000 Euro. Die neue Hundesteuersatzung tritt am 1. Januar 2022 in Kraft.

Mehr Hunde im Stadtgebiet

Laut der Aufstellung von Fabian Rühle gibt es aktuell im Stadtgebiet 62 mehr angemeldete Hunde als vor zwei Jahren. Zum Stichtag 1. November 2021 gliedern sie sich auf in 630 Ersthunde (+51 seit dem 1. Januar 2020), 85 Zweithunde (+15) und sechs gefährliche Hunde (-1). Es gib zudem vier Zwinger (-3). Zu den gefährlichen Hunden zählen die Rassen: Pit Bull Terrier, American Staffordshire Terrier, Bullterrier, Mastino Napoletano, Fila Brasileiro, Bordeaux-Dogge, Mastino Espanol, Staffordshire Bullterrier, Dogo Argentino, Tosa Inu, Mastiff und Bullmastiff.