Treffen sich die Luchse Toni und Verena im Nordschwarzwald? (Symbolbild) Foto: Soeren Stache/dpa/Soeren Stache

Luchs Toni ist seit einigen Jahren im Nordschwarzwald heimisch. Aber gibt es bald auch Nachwuchs? Nachdem Finja eingeschläfert werden musste, wurde mit Verena jetzt die nächste Katze ausgewildert. Wie es ihr geht und wo sie unterwegs ist.

Seit Herbst 2019 streift Luchs Toni durch den Nordschwarzwald. Geboren wurde er vermutlich im Frühjahr 2017 im Schweizer Jura. Er wurde erstmals am 26. Mai 2019 bei Bassecourt (Schweiz) mit einer Wildkamera aufgenommen. Der erste Nachweis im Nordschwarzwald war am 27. Oktober 2019 bei Bad Rippoldsau-Schapbach. Von Bassecourt bis in den Nordschwarzwald hat dieser Luchs in wenigen Monaten mindestens 170 Kilometer Luftlinie zurückgelegt.

 

Im April 2020 wurde er kurzzeitig bei Gernsbach eingefangen und mit einem Halsbandsender ausgestattet, um weitere Informationen über sein Revier herauszufinden. Und er scheint sich hier wohlzufühlen. Männliche Luchse nutzen in unseren Breiten Gebiete mit bis zu 300 Quadratkilometern als Kernlebensraum. Toni hat seit seiner Besenderung den Nordschwarzwald von Bad Wildbad bis Zell am Hamersbach durchzogen, eine Fläche von mehr als 800 Quadratkilometern. Und er ist immer noch in der Region unterwegs.

Nichts wie weg: Verena genießt die neue Freiheit und schlägt sich in die Büsche. Foto: MLR

„Luchs Toni scheint sich nach wie vor im Nordschwarzwald wohl zu fühlen“, teilt Tatjana Brenner von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) in Freiburg auf Anfrage unserer Redaktion mit. „Er ist mittlerweile etwa sieben Jahre alt“, so Brenner weiter. Das Höchstalter bei Luchsen in freier Wildbahn betrage bis zu 20 Jahre. Derzeit bewege er sich „ungefähr im Großraum zwischen Freudenstadt und Forbach. Nachweise aus dem Gebiet Bad Wildbad und Kaltenbronn liegen uns seit einiger Zeit nicht mehr vor“, sagt Brenner.

Vor 200 Jahren ausgerottet

„Luchse waren ursprünglich auch in den Wäldern Baden-Württembergs heimisch und wurden vor rund 200 Jahren ausgerottet. In den vergangenen zwei Jahrzehnten konnten in Baden-Württemberg immer wieder Zuwanderungen von einzelnen männlichen Luchsen nachgewiesen werden“, heißt es auf der Webseite des Wildtierportals Baden-Württemberg. Um die Situation der Luchse im Land und damit auch in den angrenzenden Vorkommen zu verbessern, sollen nun laut Koalitionsbeschluss Luchse im Land ausgewildert werden. Das auf vier Jahre ausgelegte Projekt wird seit Frühjahr 2023 von der FVA in enger Kooperation mit dem Landesjagdverband BW, dem WWF und dem Zoo Karlsruhe sowie unter Einbeziehung der AG Luchs und Wolf durchgeführt.

Finja muss eingeschläfert werden

Als erstes wurde am 1. Dezember 2023 im Nordschwarzwald die Luchskatze Finja ausgewildert. Ein halbes Jahr nach der Auswilderung hatte sich die Katze laut Wildtierportal im Nordschwarzwald gut eingelebt. Sie nutzte ein etwa 150 Quadratkilometer großes Streifgebiet nordöstlich der Murg. Bei der routinemäßigen Kontrolle eines möglichen Risses war Finja Anfang Juli lebend aber in einem sehr schlechten Gesundheitszustand aufgefunden worden. Da sich ihr Zustand nach der veterinärmedizinischen Erstversorgung nicht gebessert hatte, musste sie eingeschläfert werden. Als Todesursache identifizierten Experten die Infektionskrankheit Staupe, die in der Natur immer wieder häufig auftritt, bei Luchsen aber eher selten sei.

Genauer Ort ist geheim

Vor wenigen Tagen nun wurde ein weiterer Anlauf genommen: Luchskatze Verena wurde in die freie Wildbahn entlassen. Wo genau, bleibt absichtlich unklar: „Wir bitten um Verständnis, dass wir zum Schutz von Verena keinen exakten Auswilderungsort kommunizieren“, teilt Brenner mit. Aber: „Der Auswilderungsort lag im Streifgebiet des dort ansässigen Luchskuders Toni.“ Kuder ist die Bezeichnung für eine männliche Wildkatze.

Erste Beute gemacht?

Und wie geht es Verena derzeit? „Typischerweise verweilen die Luchse nach ihrer Auswilderung meist ein paar Tage in der Nähe des Auswilderungsortes. Narkose, Transport und Freilassung sind anspruchsvoll für die Tiere“, erläutert Brenner weiter. Nach einigen Tagen Akklimatisierung sei Verena dann mobil geworden und erkundet aktuell ihren neuen Lebensraum. „Es geht ihr gut. Sie verhält sich ‚luchstypisch‘ und hat vermutlich auch bereits ihre erste Beute gemacht, so Brenner weiter. Ob sie Toni bereits getroffen habe, „können wir nicht sagen, da Toni keinen Sender trägt“.

Aber wie könnte es denn klappen, dass sich die beiden treffen? Brenner erklärt: „Luchse kommunizieren hauptsächlich über Duftmarken, welche sie an markanten Stellen im Streifgebiet hinterlassen. Während der Paarungszeit (auch Ranzzeit) zwischen Februar und April kommunizieren Luchse auch vermehrt über Rufe.“

Es bleibt also spannend, ob sich Toni und Verena im wahrsten Sinne des Wortes „riechen“ können. Und ob es womöglich bald Luchsbabys im Nordschwarzwald gibt.