Die Wärmepumpen-Hersteller haben ihre Produktionskapazitäten deutlich erhöht. Foto: picture alliance/dpa

Die Hersteller können wieder liefern, und mit etwas Glück findet man recht schnell einen freien Heizungsbauer. Denn das Heizungs-Chaos der letzten Monate hat die Nachfrage einbrechen lassen. Also alles wieder gut?

Das Heizungsgesetz, mit dem der grüne Wirtschaftsminister Robert Habeck eigentlich das Klima schützen wollte, treibt ungeahnte Blüten: „Wir haben noch nie so viele fossile Heizungen verkauft wie in diesem Jahr“, sagt Thomas Raff von Raff-Sanitär in Degerloch. „Das ging voll nach hinten los.“ Eine Auswertung des Handelsblattes bestätigte dies vor wenigen Tagen: Gasheizungen hatten zuletzt beim Verkauf von Heizanlagen einen Anteil von 63 Prozent und weisen damit sogar eine leicht steigende Tendenz auf. Wärmepumpen liegen bei einem Viertel.

 

Bedeutet das aber jetzt umgekehrt, dass jemand, der in die umweltfreundliche Technologie investieren will, schnell wieder eine Wärmepumpe bekommt? In der jüngeren Vergangenheit gab es ja gleich zwei große Hindernisse: Erstens gaben die Hersteller Lieferzeiten von sechs bis teils mehr als zwölf Monaten an, und zweitens waren die Heizungsbauer völlig überlastet.

Die Zahl der Förderanträge ist um 70 Prozent eingebrochen

Mittlerweile hat sich der Markt tatsächlich deutlich entspannt. Das liegt vor allem an zwei Ursachen. Zum einen ging eben die Nachfrage stark zurück. Bis vor einiger Zeit habe er zwei bis drei Anfragen pro Woche bekommen für eine Wärmepumpe, erzählt Thomas Raff – heute sei es noch eine alle vierzehn Tage. Auch bei den Zahlen der Förderanträge beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) kann man den Einbruch ablesen. Um gewaltige 70 Prozent sei die Quote in den ersten achten Monaten des Jahres gegenüber 2022 zurückgegangen, so Peter Kuscher vom Bundesverband Wärmepumpe.

Zum anderen haben fast alle Hersteller ihre Produktion erheblich ausgeweitet. Insgesamt seien fünf Milliarden Euro an Investitionen in neue Standorte und neue Produktionslinien bereits getätigt oder zumindest geplant, sagt Jan Brockmann, der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Heizungsindustrie (BDH).

Bosch Thermotechnik, zu der auch Buderus gehört, baut etwa gerade einen Standort in Portugal auf und hat auch am hessischen Standort Eibelshausen die Kapazitäten erhöht. „Die meisten Wärmepumpen sind kurzfristig ab Lager verfügbar“, sagt deshalb der Sprecher Thomas Pelizaeus. Vaillant hat diesen Herbst eine neue „Megafabrik“ in der Slowakei eröffnet. Dominic Schmid vom Heizungsbauer Kissel in Ehningen (Kreis Böblingen) kann den Trend bestätigen: Viele Modelle seien sofort verfügbar. Und sie hätten sowieso noch welche auf Lager. Nur bei Pufferspeichern oder Wärmepumpen mit natürlichen Kältemitteln liege die Lieferzeit weiter bei vier bis acht Monaten, so Wolfgang Becker, der Hauptgeschäftsführer des Fachverbandes Sanitär-Heizung-Klima Baden-Württemberg.

Also alles wieder gut? Nicht ganz. Denn die Nachfrage nach Wärmepumpen war lange Zeit so gut, dass die große Bugwelle an Aufträgen noch längst nicht abgearbeitet ist. Wolfgang Becker nennt Zahlen aus einer Umfrage: Im April dieses Jahres hatten Heizungsinstallateure einen Auftragsvorlauf von 23,2 Wochen, also vier bis fünf Monate – im Oktober seien es noch 15,7 Wochen gewesen.

Dies spiegelt sich in den Betrieben: Thomas Raff geht davon aus, dass er noch bis Mitte nächsten Jahres gut zu tun hat. Dominic Schmid spricht von März; einen ersten Beratungstermin könnte er aber bereits für den Januar anbieten. BDW-Sprecher Peter Kuscher betont aber, dass sein Verband von einer signifikanten Zahl an Betrieben wisse, die binnen weniger Wochen Aufträge umsetzen können: „Es lohnt sich also, Kontakt zu mehreren Fachpartnern aufzunehmen.“

Rekord und Einbruch im gleichen Jahr

Jedenfalls hat sich für das Jahr 2023 nun eine paradoxe Situation eingestellt. Es handle sich um ein absolutes Rekordjahr beim Verkauf von Wärmepumpen, betont Jan Brockmann. Insgesamt sind bundesweit in den ersten neun Monaten fast 300 000 Wärmepumpen verkauft worden, so viele wie noch nie in einem Jahr. Die Steigerung gegenüber 2022 liegt bei 86 Prozent. Die Trendumkehr sei aber längst im Gange. Da es sich 2023 zu einem größeren Teil um Vorzieh- und Sondereffekte handele, geht die Branche für 2024 von einem rückläufigen Geschäft aus.

Für die Haus- oder Wohnungseigentümer ist das gut, weil sie sich eine Wärmepumpe recht schnell einbauen lassen könnte. Für die deutschen Klimaziele aber ist diese Entwicklung eher schlecht. Denn das Ziel von jährlich 500 000 neuen Wärmepumpen, das sich die Bundesregierung gesetzt hat, rückt damit in die Ferne.

Die Hersteller betonen zwar, dass sie mittlerweile in der Lage seien, eine halbe Million Wärmepumpen im Jahr zu produzieren. Auch laufen Projekte bei den Heizungsbauern, damit das Fachpersonal entsprechend geschult wird und damit der Installationsprozess beschleunigt wird. Aber um die Geräte auch an den Mann und die Frau zu bekommen, seien mehr Anreize nötig. Vor allem müsse der Strom billiger werden, damit sich eine Wärmepumpe schneller rentiere, so die Branche – dazu müsse die Politik die Stromsteuer sowie die Mehrwertsteuer auf Wärmepumpen senken. Auch bei den Förderprogrammen müsse endlich Klarheit herrschen.

Die höheren Stückzahlen in der Produktion haben übrigens bisher nicht dazu geführt, dass Wärmepumpen günstiger geworden sind. Es habe in den letzten Jahren wegen der hohen Nachfrage und wegen der allgemein steigenden Kostenentwicklung sogar mehrere Preiserhöhungen gegeben, sagt Dominic Schmid. Auch Thomas Raff geht davon aus, dass die Preise vorerst höchstens stagnieren. Die Wärmepumpe selbst liege sowieso „nur“ bei 15 000 Euro, aber mit den Einbaukosten, dem Austauschen von Heizkörpern und vielen Nebengewerken bleibe der Preis dennoch bei rund 40 000 Euro.

Im Verhältnis zu einer Gasheizung für vielleicht 10 000 Euro ist das teuer – betrachtet man die gesamte Betriebsdauer, kann sich der Einbau einer Wärmepumpe dennoch heute schon lohnen.

Wolfgang Becker ist im Übrigen nicht ganz so pessimistisch wie viele Kollegen. Er glaubt, dass die Nachfrage nach Heizungen wieder anzieht, sobald mit der Jahreswende Klarheit besteht, welche Regeln gelten und wie viel Zuschüsse man bekommt. „Es könnte deshalb durchaus jetzt sinnvoll sein, sich um eine neue Heizung zu kümmern“, zieht Becker ein Fazit.