Seit rund einem dreiviertel Jahr werden Mängel am Neubau der Kita Wiesennest in Gechingen abgearbeitet. Ein Ende ist noch nicht in Sicht. Foto: Thomas Fritsch

Die Betreuungseinrichtung bereitet den Mitarbeitern der Gemeindeverwaltung und dem Erzieherteam weiter Kopfzerbrechen. Die Fehler und Defekte sind längst nicht abgearbeitet, die Ursache für den immensen Wasserschaden in dem sieben Millionen teuren Gebäude ist nicht endgültig geklärt.

Erst im November 2023 hatte die Kita Wiesennest ihren Betrieb aufgenommen. Anfang Februar 2024 wurde bemerkt, dass die Fußbodenleisten sich bewegen und nach genauerem Hinschauen, dass die Wände nass sind. Es wurde in Randbereichen Estrich herausgeklopft. Das Ergebnis: Darunter musste schon länger Wasser eingedrungen sein. Was bedeutet, dass die Feuchte mit Raumtrocknungsgeräten nicht zu beseitigen ist. Das Foyer, das Büro der Kita-Leitung, der Mehrzweckraum, der Materialraum, der Putzraum, der Raum fürs Mittagessen und auch die Küche sind betroffen – auf einer Fläche von rund 200 Quadratmetern.

 

Container aufgestellt

Seither wird Ursachenforschung betrieben. Schnell war jedoch klar: Fußboden, Fußbodenheizung und Estrich müssen raus. Auf der Nordseite der Kita, wo bisher der Gemüsegarten mit Gewächshaus war, wurden Container aufgestellt – als Raum fürs Mittagessen der Kinder und Übergangsbüro für Kita-Leiterin Nadine Welz. Außerdem brauchte es einen kleinen Küchencontainer.

Zwei U3-Gruppen ziehen aus

Um den Schaden mit Bedacht beseitigen zu können und die Jungen und Mädchen aus dem Baustellenbereich herauszunehmen, wurden zwei U3-Gruppen vor wenigen Tagen aus dem Erdgeschoss ausgelagert – in die ehemalige Kita Weingarten.

„Diese haben wir jetzt reaktiviert, um für die Kinder Ruhe reinzubringen und sie aus dem Umfeld des Schadens herauszuholen. Das hat vor allem einen pädagogischen Aspekt“, sagte der Gechinger Bauamtsleiter Markus Speitelsbach im Gespräch mit unserer Redaktion. Das Erdgeschoss sei jetzt leer. Man müsse weiter der Spur des Wassers im Gebäude folgen. Die Container an der Nordseite würden Ende Oktober zurückgegeben.

Ein Fall für den Gutachter

Demnächst stünden Gespräche mit Sanierungsplaner und Versicherer an, so der Bauamtsleiter. Bis hingegen die Schuldfrage geklärt ist, kann es noch dauern, denn die Gechinger Kita ist mittlerweile ein Fall für den Gutachter, es gibt ein Beweissicherungsverfahren beim Landgericht in Tübingen. „Wir sind jetzt auf Hilfe von außen angewiesen“, äußerte sich Speitelsbach. Wichtig sei vor allem, die richtige Vorgehensweise bei der Sanierung festzulegen.

Wer haftet?

Wie groß ist der Schaden und wer haftet dafür – Architekt, Handwerker oder Ingenieur? Die Schuldfrage stellt sich inzwischen sogar mehrfach, da es im östlichen Gebäudeteil unliebsame Überraschungen gegeben hat. Ein Beispiel: Wo Wände auf Boden treffen, wurde keine fachgerechte Abdichtung angebracht.

Noch keine ruhige Minute

Doch damit nicht genug. Man ist laut Bauamtsleiter seit einem Dreivierteljahr dabei, weitere Mängel abzuarbeiten. Auf den Fensterscheiben gebe es Kratzer, weil bei der Endreinigung Steinchen oder Sand im Putzwasser gewesen sein müssen. Die Photovoltaikanlage auf dem Dach funktioniere, der Strom könne aber nicht gespeichert werden, weil der Speicher nicht mit dem Wechselrichter kompatibel sei. Es stehe ein Austausch an. In Sachen neue Kita hatte Speitelsbach „noch keine ruhige Minute“ und deswegen fast schon schlaflose Nächte. Es sei mehr als bedauerlich, dass viele Handwerker nicht mit Hand und Kopf arbeiten.

Trotz des Pfuschs am Bau seien jedoch sowohl die Eltern als auch das Erzieherteam sehr angetan von der Betreuungseinrichtung und von den dortigen Abläufen. Immer wieder höre man den Satz „Das ist ein schönes Gebäude“.