Anke Engelke und Matthias Brandt in einer neuen „Kurzschluss“-Folge. Foto: WDR/btf

Die Komödiantin Anke Engelke über ihren Schauspielerkollegen Matthais Brandt, ihre Liebe zu kurzen TV-Formaten und was sie nach wie vor an Sendungen für Kinder reizt.

Anke Engelke erzählt im Interview zum dritten „Kurzschluss“-Film, warum sie experimentierfreudige TV-Macher schätzt, nach welchen Aspekten sie Rollen aussucht und warum sie den Begriff „Sehgewohnheiten“ nicht mag. Außerdem spricht sie über ihre Mitwirkung an der „Sendung mit dem Elefanten“; das kecke kleine Rüsseltier wird im Januar 50 Jahre alt.

 

Frau Engelke, im Grunde erzählen die „Kurzschluss“-Filme mit Ihnen und Matthias Brandt jedes Mal die gleiche Geschichte: Ein verhindertes Liebespaar gerät an Silvester in eine ausweglose Situation und redet sich um Kopf und Kragen. War Ihnen das von Anfang klar?

Dass daraus eine Reihe wird, war zwar nicht die ursprüngliche Intention, aber das Potenzial haben wir gesehen. 30 Minuten sind eine wunderbare Länge. Für unsere Geschichten ist die halbe Stunde perfekt.

Warum gibt es nicht mehr Kurzfilme im Fernsehen?

Ich vermute, das hängt mit den Sehgewohnheiten zusammen, ein Begriff, der mich spontan irritiert, weil er wie ein Euphemismus für Zwanghaftigkeit klingt: „So kenn’ ich das, so will ich das. Alles andere über- oder unterfordert mich.“ Eine derartige Denkweise ist mir fremd. Ich liebe den Film, ich liebe das Kino, und manche Geschichten lassen sich nun mal nicht in ein 90-Minuten-Korsett zwängen. Andere dagegen kommen wie „Kurzschlüsse“ mit 30 Minuten aus.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit Sie bei einem Projekt mitwirken?

Wichtigster Punkt ist immer das Drehbuch: Docke ich bei der Geschichte, den Figuren und den Dialogen an? Dann schaue ich, wer Regie führt, wer’s produziert und mit wem ich vor der Kamera stehe. Wenn dann noch wie bei den „Kurzschluss“-Filmen das Drehbuch von Claudius Pläging stammt, der auch an der Serie „Perfekt verpasst“ von Bastian Pastewka und mir mitgeschrieben hat, wenn mein Spielpartner Matthias Brandt ist und wenn die Kölner bildundtonfabrik produziert: Dann sind die Voraussetzungen 1A.

Was unterscheidet die bildundtonfabrik von anderen Unternehmen?

Da sind Leute am Werk, die angstfrei arbeiten und große Lust auf Experimente haben. „Perfekt verpasst“ zeigt das wunderbar: Wir präsentieren die Idee für eine Serie mit dem preisgekrönten Duo Engelke/Pastewka, und dann haben die beiden nur ganz wenige gemeinsame Szenen. Darauf hätten sich nicht viele Firmen eingelassen.

Wie schon in „Perfekt verpasst“ wirken auch in „Kurzschluss hoch drei“ viele Dialoge, als seien sie das Ergebnis einer spontanen Eingebung. Hatten Sie Raum zum Improvisieren?

Nein. Wie in „Perfekt verpasst“ haben wir uns ans Drehbuch gehalten. Aber das ist natürlich das schönste Kompliment, das sich Spielende wünschen können, wenn unser Spiel so authentisch wirkt.

Was zeichnet die Drehbücher von Claudius Pläging aus?

Er ist ein ausgezeichneter Beobachter im Alltag, bei Details, bei Gesprächen, er schreibt Dialoge in einer authentischen Sprache, und er treibt die Dinge so meisterhaft auf die Spitze, dass sie zwar überspitzt, aber immer noch lebensnah sind.

Würden Sie zustimmen, dass das Geplänkel zwischen dem verhinderten Liebespaar Bettina und Martin mitunter Loriot’sche Züge trägt?

Wieso Loriot?

Weil die Dialoge ähnlich absurd klingen wie in den Zeichentrick-Sketchen „Das Frühstücksei“ oder „Feierabend“ über das Ehepaar Hermann und Berta.

Das ist ja ein noch tolleres Kompliment! Ich würde mich nie trauen, „Kurzschluss“ in einem Atemzug mit Loriot zu nennen. Aber ich verstehe die Assoziation, weil ich auch beim Spielen dachte: „Merkt ihr das nicht? Das kann unmöglich was werden mit euch! Ihr steuert mit eurem gelernten Verhalten in eine Sackgasse!“ Aber dann gibt es einen Twist, und es passt doch.

Ein anderer Spielpartner als Matthias Brandt ist für die Filme nicht denkbar. Was macht ihn so besonders?

Seine Augen. Wenn es nicht so schwülstig klänge, würde ich sagen: Man verliert sich darin. Er vermittelt einem, dass er wirklich zuhört und nicht bloß darauf wartet, seine Dialogzeilen aufzusagen.

Im Januar wird der Elefant aus der „Sendung mit der Maus“ 50. 2007 hat er eine eigene Vorschulsendung bekommen, in der Sie mitwirken. Wie kam’s dazu?

Das Konzept hat Spiele, Musik, Tiere und Animation vorgesehen, aber es fehlte noch eine Quatschebene, und da haben die Macherinnen an mich gedacht. Ich sollte ein eigenes Zimmer bekommen, in dem ich improvisiere und Geschichten erzähle. Neugier und Empathie waren wichtig, ebenso wie „ver-rückt“ sein zu dürfen, also weggerückt von der Spur, auf der wir uns alle bewegen. Bis heute haben meine Nummern weder eine Botschaft noch einen didaktischen Anspruch, sie sollen einfach Spaß machen.

Matthias Schweighöfer und Anke Engelke in „Die Sendung mit dem Elefanten“. Foto: WDR Presse und Information/Redaktion

Haben Sie ihre Sketche vorher vor Kindern ausprobiert?

Nein, mein Publikum bei den Dreharbeiten besteht nur aus den zwanzig Leuten im Studio. Wenn die sich die Nase zuhalten, um nicht loszuprusten, oder sich wegdrehen, damit man ihr Giggeln nicht hört, dann weiß ich: Das war jetzt auf jeden Fall schon mal lustig. Wie es bei der Zielgruppe ankommt, ist eine andere Frage, aber viele von uns sind Eltern und können ganz gut einschätzen, was Drei- bis Sechsjährige komisch finden.

In einer Studie heißt es, Ihre Beiträge seien „modernes Kasperletheater“. Würden Sie das unterschreiben?

Unbedingt! Wir nutzen oft die Idee des „Double Takes“: hinschauen, wegschauen und dann wieder hinschauen, um eine Reaktion zu spielen. In den kurzen Szenen interagiere ich auf diese Weise mit der Kamera, also mit dem Publikum, und tue so, als würden die Kinder auf das reagieren, was ich sage oder tue. Die Studie hat bestätigt, dass die Kinder vor dem Bildschirm mitspielen und mich wie im Kasperletheater lauthals auf meinen Anke-Unsinn hinweisen.

Eine Lady lässt es krachen

Kinderstar
 In Köln aufgewachsen, hat Anke Engelke (Jahrgang 1965) schon als Teenager ab 1979 das ZDF-Ferienprogramm moderiert. Dank Comedy-Reihen wie „Die Wochenshow“ (ab 1996) und „Ladykracher“ (ab 2001, beide Sat.1) wurde sie eine der beliebtesten deutschen Komödiantinnen. Für ihre Darbietungen hat sie rund drei Dutzend Preise bekommen, darunter vielfach den Deutschen Comedypreis sowie den Deutschen Fernsehpreis und den Grimme-Preis.

Kurzschlüsse
Am 29. Dezember kommt der dritte Film aus der „Kurzschluss“-Reihe mit Matthias Brandt Film in die ARD-Mediathek. An diesem Tag wiederholt das Erste ab 18.05 Uhr auch die Teile eins und zwei. Die TV-Ausstrahlung ist am 30. Dezember um 23.25 Uhr. Am 5. Januar wird der blaue Elefant aus der „Sendung mit der Maus“ 50 Jahre alt. 2007 hat er eine eigene Sendung bekommen, in der Engelke von Anfang an mitgewirkt hat. Rund um den Geburtstag zeigen ARD, Kika und der WDR Sonderausgaben der Sendungen mit Maus und Elefant