Einen Blick tief in St. Georgens Geschichte warfen Andre Gutmann und Bertram Jenisch bei einem Vortrag, zu dem der Verein für Heimatgeschichte eingeladen hatte.
Umfassend Einblick in die Geschichte des Klosters St. Georgen und den Wissensstand zu baulichen Strukturen erhielten Besucher eines Vortrags im Theater im Deutschen Haus. Eingeladen hatte der Verein für Heimatgeschichte als Redner den Historiker Andre Gutmann und den Mittelalterarchäologen Bertram Jenisch, die an Publikationen mitwirkten. Unter diesen ist auch das enzyklopädische, dreibändige „Badische Klosterbuch“, das unter anderem in der Geschichtstruhe des Vereins für Heimatgeschichte erwerbbar ist.
Laut Gutmann wurde das Benediktinerkloster zwischen 1083 und 1086 während des Investiturstreits gegründet, der Auseinandersetzung zwischen den Kaisern des heiligen Römischen Reichs und dem Papsttum. Eigentlich vorgesehen war ein Gründungsort im Kreis Ravensburg, der aber vom Abt eines wichtigen Reformklosters als ungeeignet angesehen wurde. Vielleicht habe man auch das Kloster aus dem Machtbereich der Stifter nehmen wollen.
Im Januar 1086 wurde die Verlegung feierlich bestätigt, das Kloster zunächst Hirsau unterstellt. Ab 1095 hatte es Schutzprivilegien wie die freie Abtwahl und bekam viele Besitzungen bis ins Elsass oder nach Lothringen. Auch wurden 17 Klöster von St. Georgen aus reformiert, Äbte bis in die Steiermark geschickt.
Als Vögte fungierten vor allem die Zähringer. Mit dem vollständigen Abbrennen und Wiederaufbau des Klosters sowie militärischen Konflikten meinte es das 13. Jahrhundert nicht allzu gut mit St. Georgen. Das Verhältnis mit Bürgern Villingens, wo das Konvent zeitweise unterkam, war zunächst sehr gut. Allerdings kam es 1287 zum Streit bezüglich der Nutzung des klösterlichen Walds, was deutliche finanzielle Spuren hinterließ und ab 1330 zum Verkauf von Gütern führte.
St. Georgen hat im 15. Jahrhundert Vorreiterrolle
Im 14. Jahrhundert gab es mindestens drei Brände und zunehmend Einfluss von außen. Im 15. Jahrhundert war St. Georgen Vorreiter in Sachen Aufnahme Angehöriger aus Adel, Ober- und Bauernschicht. 1534 wurden die Mönche gewaltsam vertrieben, siedelten erst in Rottweil an, danach in Villingen. Im 30-jährigen Krieg kamen sie kurzzeitig zurück, bevor ab 1648 endgültig Schluss war.
Archäologisch habe man Mühe, etwas zu finden, oberirdisch sei kaum noch etwas da, so Jenisch. Vor allem im 19. Jahrhundert wurden viele Strukturen niedergelegt.
Tiefgaragenbau archäologisch kaum begleitet
Kein gutes Haar ließ er an ersten Grabungen durch Erich Schmidt 1958. Schwierig sei auch der mehrfache, leicht veränderte Wiederaufbau des Klosters ob dessen wiederholter Zerstörung. Zudem fand der Bau der Tiefgaragen weitgehend ohne archäologische Begleitung statt.
Bemerkenswert sei der Fund einer der ältesten Grabplatten Oberdeutschlands aus dem Jahr 1121, spektakulär ein Fenstergewende aus gotischer Zeit. Das außergewöhnlich schöne Fragment zeige, um was für ein hochkarätiges Gebäude es sich gehandelt haben müsse.
Viel Substanz direkt unter dem Asphalt
Unterirdisch sei direkt unter der Asphaltdecke noch relativ viel Substanz vorhanden, vor allem im Bereich der Gerwigschule. Der Bereich sei deshalb als Grabungsschutzgebiet eingestuft.
Die Experten warfen auch einen ausführlichen Blick auf die Zeit des Konvents in Villingen, wo zeitweise neue bauliche Strukturen entstanden, aber auch schwere Konflikte mit Bürgern bestanden.