So hell wie auf dem Bild von 2020, könnte es bald nicht mehr in der Innenstadt werden. Im Hintergrund sieht man das angestrahlte Obere Tor. Den Anblick wird es ab dem 1. September nicht mehr geben, Foto: Archiv/Eich

Energie muss gespart werden: Da sind sich mittlerweile alle einig. Eine neue Energiesparverordnung der Bundesregierung nennt konkrete Wege – mit Folgen für die Innenstädte. Wie dunkel wird es jetzt in der Stadt?

Villingen-Schwenningen - Ohne freiwillige Anstrengung gehe es nicht, das Energiesparen. So ist es seitens Robert Habeck zu hören. Dazu wurde eine Reihe von Energiesparmaßnahmen auf den Weg gebracht, die bereits zum 1. September in Kraft treten sollen. Darunter fallen etwa Treppenhäuser oder Flure, die nicht mehr beheizt werden sollen, und öffentliche Gebäude, deren Temperatur die 19-Grad-Marke nicht überschreiten dürfen.

Ein Punkt der neuen Energiesparverordnung sticht dabei besonders ins Auge: Die Beleuchtung von Gebäuden und Denkmälern aus rein ästhetischen oder repräsentativen Gründen soll ausgeschaltet werden; auch beleuchtete Werbeanlagen sollen von 22 bis 6 Uhr morgens dunkel bleiben.

Die Verunsicherung ist groß: Eine stockfinstere Innenstadt mag sich kaum jemand vorstellen – man muss keine Frau sein, um bei diesem Gedanken ein mulmiges Gefühl zu bekommen, ist eine schöne abendliche Beleuchtung doch der Grundstein einer wohligen Atmosphäre. Auch Sehbehinderte dürften mit der neuen Regelung und schlechteren Lichtquellen ihre Probleme haben. Wird ein abendlicher Spaziergang mit Schaufenster-Shoppen also unmöglich? Und was bedeutet das eigentlich für den lokalen Handel?

Die IHK versucht im Gespräch die Situation einzuordnen.

Unternehmen sparen bereits Energie

"Der Druck innerhalb der Betriebe ist sicher branchenübergreifend hoch", gibt Philipp Hilsenbek, Geschäftsbereichsleiter in Standortpolitik bei der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg, zu bedenken. Natürlich treffe die neue Verordnung die Betriebe erneut kurzfristig, natürlich ärgere das noch zusätzlich zur Pandemie und natürlich werde das wieder Kraft kosten.

"Die Frage ist auch", so Marcel Trogisch vom Geschäftsbereich Innovation, Technologie und Energie und Umwelt, "hätte es eine Verordnung überhaupt gebraucht? Die Unternehmen sparen bereits Energie und zwar aus eigenem Interesse." Hilsenbek stimmt zu: "Die Betriebe erkennen die Situation. Hier hätte mehr auf Eigenverantwortung gesetzt werden können."

Innenstadt geht nur gemeinsam

Fest stehe aber auch, dass die richtige Beleuchtung wichtig für die Atmosphäre in der Innenstadt ist. "Die Verordnung trifft wieder die dunkle Jahreszeit. Bald wird es gegen 16 Uhr dunkel. Dabei sind die Innenstädte ein Ort der Begegnung. Diese Begegnung sorgt für Belebung in den Städten, und die Belebung klappt nur, wenn man sich sicher fühlt und da spielt die richtige Beleuchtung eine tragende Rolle", stellt Hilsenbek fest.

Eine belebte Innenstadt ist dabei übrigens nicht nur für den Handel essenziell – die letzte Zeit habe die Erfahrung gebracht, dass Innenstadt nur gemeinsam gehe: "Egal ob Handel, Gastronomie oder der Freizeit-Bereich: Alle Akteure in der Innenstadt hängen zusammen. Wenn es dem einen an Frequenz mangelt, dann auch dem anderen", so Hilsenbek.

Es gibt einen Lichtblick

Immerhin gebe es (buchstäblich) einen Lichtblick: Niemand habe Interesse an unbelebten Innenstädten, sind sich Trogisch und Hilsenbek einig. Momentan können beide aus der Verordnung nicht herauslesen, dass jegliche Schaufenster für das nächste halbe Jahr dunkel bleiben. "Ich glaube nicht, dass wir uns in der Innenstadt fürchten müssen", so Hilsenbek.

Das sagt die Stadt

Für den Teil der Straßenlaternen stimmt das. So schreibt die Stadt in einer Pressemitteilung, dass sie "einen richtig großen Batzen an Energie bereits bei den 14 000 Straßenlaternen spart". Villingen-Schwenningen sei hier bundesweiter Vorreiter gewesen und habe so den Energieverbrauch seit der Umstellung um 70 Prozent senken können. Bei den Straßenlaternen handele es sich um "intelligente Leuchten", die ihre Leistung in drei Stufen reduzierten. Ein manuelles Eingreifen würde das aktuelle Programm in der Steuerung stören.

Außerdem stehen hier Sicherheitsbedenken im Vordergrund: "Neben den hohen Kosten, ist es einfach nicht sinnvoll, da wir bereits intelligente Leuchten haben. Wenn wir hier mehr gespart werden soll, bleibt nur das Nichteinschalten. Aus Gesichtspunkten der Sicherheit ist eine Beleuchtung im Stadtgebiet aber unbedingt aufrechtzuerhalten. Bei der Straßenbeleuchtung haben wir bereits ein Optimum erreicht", wird Oberbürgermeister Jürgen Roth in der Pressemitteilung zitiert, und weiter: "Mir geht hier das Sicherheitsgefühl für die Bevölkerung absolut vor!"

Die Gebäude bleiben im Dunkeln

Anders verhält es sich bei der Beleuchtung öffentlicher Gebäude im Stadtgebiet. "In Zusammenarbeit mit den Stadtwerken (SVS) werden ab Donnerstagabend, 1. September, in Villingen-Schwenningen Sehenswürdigkeiten wie das Riettor, die Stadtmauer, der Romäusturm, die Rathäuser oder die Lichtkunst an der Neckarhalle nicht mehr beleuchtet", schreibt die Stadtverwaltung weiter. Anders sehe es an Bushaltestellen aus: "Da geht es auch um Sicherheitsaspekte", so Roth weiter.

An den Einzelhandel richtet Roth in der Pressemitteilung folgende Worte: "Wir bitten um die Unterstützung all unserer Händler und Betriebe, auch bei weiteren Energiesparmaßnahmen. Wir bekommen das nur gemeinsam hin."

Mittlerweile befinde sich die Stadt noch in Abstimmung, welche Gebäude nicht mehr angestrahlt werden sollen, ob Ampelanlagen nachts ausgeschaltet werden und wie die Weihnachtsbeleuchtung betroffen sein wird.

Hilsenbek positioniert sich auf die Seite des Handels: "Wichtig für die weiterfolgende Diskussion ist vor allem eins: Schaufenster müssen ausgenommen werden."