Der Ärger um Nagolds neue Einbahnstraßen ist Stadtgespräch – „und ein Paradebeispiel dafür, wie man es als Stadt nicht machen sollte“, findet unser Kommentator.
Dabei ist die neue Regelung nüchtern betrachtet gar nicht so unsinnig. Den Verkehr gleich nach dem DB-Durchlass rechts auf die Leonhardstraße in Richtung Bahnhofstraße zu führen, das ist sicher für jeden Autofahrer ein Gewinn.
Und in diesem Zusammenhang auch die gesamte Neue Straße zur Einbahnstraße zu erklären – auch dabei haben sich die Verkehrsplaner sicher etwas gedacht.
Was aber gar nicht geht, ist die Art und Weise des Vollzugs. Plötzlich hatte Nagold neue Einbahnstraßen – eine offizielle Info, eine Pressemitteilung oder das ein oder andere Hinweisbanner – frei nach dem Motto: „Vorsicht geänderte Verkehrsführung“ – all das erfolgte nicht.
Ein Heer von neuen Einbahnstraßenschildern
Die Bürger mitzunehmen? Sie in diesem Fall zum Beispiel für mehr Verkehrsberuhigung im Quartier Bahnhofstraße zu begeistern? Fehlanzeige! Stattdessen wurde ein Heer von neuen Einbahnstraßenschildern aufgestellt. Das musste reichen.
Dabei dürfte man doch auch bei der Stadt wissen: Der Mensch ist ein Gewohnheitstier – und Autofahrer waren es über Jahrzehnte gewohnt, dass die Herrenberger Straße in diesem Bereich in die City führt.
Solche tiefgreifenden Änderungen gehören anständig kommuniziert
So weit, so ungeschickt. Doch die Krone der Bürgerunfreundlichkeit: Statt ordentlich über die neuen Straßenregelungen zu informieren, ließ die Stadt den mobilen Blitzer anrücken. Unzählige Autofahrer tappten in die Falle. Die meisten von ihnen sicher nicht, weil sie bewusst gegen eine Einbahnstraße fahren wollten. Es war schlicht die Macht der Gewohnheit.
Die Kommunikation der Stadt Nagold rund um die Einführung der neuen Straßenregeln ist ein Paradebeispiel dafür, wie man es als Kommune nicht machen sollte. Solche tiefgreifenden Änderungen gehören anständig kommuniziert, mit exaktem Startdatum.
Die Aufregung in der Stadt ist groß
Natürlich ist im Netz jetzt die Aufregung groß. Und nicht nur dort. Das ganze Thema ist seit einigen Tagen Stadtgespräch – besonders wegen des dreisten Blitzereinsatzes. Da ist schnell von „Abzocke“ die Rede, in diesem Fall wirkt das sogar berechtigt.
Auch wenn die Stadt Nagold rechtlich gesehen bei ihrer Blitzerattacke auf der sicheren Seite steht: Redlich ist das nicht. So geht man als Kommune mit seinen Bürgern und Gästen nicht um.