Die Lockerungen im Breitensport stoßen vielerorts auf Erleichterung. Foto: imago//Martin Juen

Der Nachwuchssport in Baden-Württemberg profitiert von Montag an von Lockerungen – der Weg zur Normalität aber ist noch weit.

Stuttgart - Stefanie Thalau kann es selbst noch nicht richtig glauben. Monatelang ist die ehrenamtliche Sportfachwartin des Schwimmvereins Cannstatt damit beschäftigt gewesen, Corona-Verordnungen zu studieren und zu interpretieren, Corona-konforme Trainingspläne zu erstellen, anzupassen und wieder über den Haufen zu werfen, wenn die Regeln wieder einmal geändert und neue Verbote erlassen wurden. Doch scheint jetzt für die jungen Athletinnen und Athleten endlich das Schlimmste überstanden. „Diesen Tag haben wir sehr lange herbeigesehnt“, sagt Stefanie Thalau.

Von diesem Montag an treten im Land neue Corona-Regelungen in Kraft, von denen auch der (Nachwuchs-)Sport profitieren soll. Angesichts der sinkenden Inzidenzen in vielen Stadt- und Landkreisen Baden-Württembergs verknüpft Gesundheitsminister Manfred Lucha seine „Hoffnung auf einen unbeschwerten Sommer“ auch mit diesen Lockerungen, die je nach Entwicklung des Infektionsgeschehens den Weg zurück in die Normalität weiter ebnen sollen.

Wettkämpfe sind wieder möglich

Konkret bedeutet dies: Nicht mehr nur dem Spitzen-, sondern auch dem Amateursport ist es wieder gestattet, Wettkämpfe zu veranstalten und dabei Zuschauer zuzulassen; die Nutzung aller Sportanlagen ist weitgehend uneingeschränkt möglich. Und: die ursprünglich vorgesehene tägliche Testpflicht für alle unter 14-Jährigen entfällt – es genügt die Vorlage eines von der Schule bescheinigten negativen Tests, der maximal 60 Stunden zurückliegt.

„Für die gesamte Breite des Sports bewerten wir das als Schritt in die richtige Richtung“, sagt ein Sprecher des Landessportverbands Baden Württemberg (LSVBW), der freilich noch weit entfernt ist, völlige Entwarnung zu geben. Noch am Mittwoch hatte der Verband Alarm geschlagen – die Geduld des organisierten Sports sei am Ende, hieß es in einem Schreiben, die Sportvereine im Land dürften „nicht weiter vor den Kopf gestoßen werden“.

Folgen für den Spitzensport nicht absehbar

Kein Zweifel besteht daran, dass der Schaden für den organisierten Sport seit Ausbruch der Pandemie vor allem im Nachwuchsbereich gewaltig ist. Insgesamt verzeichnen die Vereine im Land nach Jahren des leichten Aufschwungs einen Mitgliederrückgang von 2 bis 2,5 Prozent – bei 10 bis 15 Prozent liegt nach Angaben des LSV der Rückgang bei den Vereinseintritten von Kindern bis acht Jahren. Denn: Trainingsangebote konnten den Jüngsten nur sehr eingeschränkt gemacht werden. Noch nicht abzuschätzen sind die langfristigen Folgen auch für den Spitzensport.

Beim Schwimmverein Cannstatt hat man es dank regelmäßiger Online-Trainingseinheiten immerhin geschafft, die Kinder und Jugendlichen fit und bei der Stange zu halten. Doch weiß auch Sportfachwartin Stefanie Thalau: „Den Sprung ins Wasser kann auch das auf Dauer nicht ersetzen.“

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