Michael Bitzer (von links), Rezo Jorbenadze, Gerhard Hinger, Benjamin König und Manfred Heinzler bei der Vorstellung der beiden neuen Chefärzte. Foto: Ungureanu

Chefärzte für die Kardiologie in Albstadt und die Unfallchirurgie in Balingen sind gefunden: Die beiden Spitzenmediziner Benjamin König und Rezo Jobernadze haben zum 1. Mai in Balingen beziehungsweise Albstadt begonnen.

In einem Pressegespräch im Zollernalb-Klinikum haben sich die neuen Chefärzte vorgestellt. Benjamin König (52), zuletzt Chefarzt am Kleisklinikum Freudenstadt, hat die Nachfolge von Christian Friz angetreten und leitet die Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie in Balingen. Rezo Jobernadze (45), zuletzt leitender Oberarzt am Stuttgarter Klinikum, übernimmt das Ruder bei der Kardiologie in Albstadt. Das Ziel: Weit mehr als „normale Grund- und Regelversorgung“ anzubieten. Ab sofort, vor allem aber dann, wenn das geplante Zentralklinikum den Betrieb aufnimmt. Laut Klinik-Geschäftsführer Gerhard Hinger war Letzteres bei der Entscheidung der beiden Mediziner, in den Zollernalbkreis zu kommen, ausschlaggebend.

 

Neuer Chefarzt – der letzte Puzzlestein

Als „letzten Puzzlestein“ für die Innere Medizin in Albstadt bezeichnete Hinger den neuen Chefarzt, der erklärte, dass er die Kardiologie in Albstadt weiter ausbauen werde – unter anderem mit minimalinvasiven Eingriffen über die Arm- oder Leistenvene bei Herzklappenerkrankungen, Gefäßverengungen oder einem Infarkt. Schmunzelnd beschrieb er den „Clip“, mit dem ein Gefäß für die OP verschlossen wird, zum Beispiel, wenn eine Herzklappe vom Schwein implantiert werde, als „eine Art Wäscheklammer“. Auf die Art und Weise könne auch eine Lungenembolie behandelt werden.

Kardiologie rettet Leben

In naher Zukunft, ergänzte Klinik-Geschäftsführer Hinger, werde es „ergänzend zum Angebot in Albstadt“ auch in Balingen einen Herzkatheter-Platz geben – „in räumlicher Nähe zu den operativen Abteilungen“. Sprich: Dadurch bringe man Medizin, die bisher nur von Maximalversorgern, etwa der Uniklinik Tübingen, angeboten werde, „auch aufs Land“. Und der Ärztliche Direktor, Professor Michael Bitzer, verwies auf die Bedeutung einer solchen Abteilung in unmittelbarer Nähe: „Die Kardiologie“, sagte er, „rettet Leben.“ In drei bis vier, maximal sechs Stunden sollte man bei einer akuten Herzerkrankung in die Klinik, bestätigt Jobernadze, „sonst geht Herzmuskelgewebe kaputt.“

Das lokale Traumazentrum zum regionalen Traumazentrum entwickeln

Er habe sich „kurzfristig entschlossen“, in den Zollernalbkreis zu kommen, sagte Benjamin König, der vor seiner Tätigkeit in Freudenstadt auch an der Charité in Berlin und an der BG-Klinik in Tübingen tätig war. Er wolle nicht nur die Unfallchirurgie sondern auch den Bereich Endoprothetik am Zollernalb-Klinikum weiterentwickeln. Sein Ziel beim Einsetzen einen Hüft- oder Kniegelenks: Der Patient soll zwei Stunden nach der OP wieder gehen können. Mancher Patient habe nach der Operation geweint. „Nicht, wegen Schmerzen, sondern weil er davor nicht mehr laufen konnte. Danach schon.“ Weiteres Zukunftsvorhaben: das lokale Traumazentrum zum regionalen Traumazentrum zu entwickeln. Unfallchirurgisch, fasste Michael Bitzer zusammen, sei das Klinikum jetzt „optimal besetzt“. Aber wie kommt man zum Termin in der Unfallchirurgie oder in der Kardiologie? Durch Hausarzt, MVZ oder über die Notaufnahme, so Klinik-Chef Hinger. „Was akut ist, braucht keine bürokratischen Hürden.“