Akteure der Bürger-Beratungsstelle von links: Günther Wallburg, Vorsitzender BKV, Mitarbeiter EUTB, Anita Lohrmann EUTB LK CW, Christine Blank-Jost EUTB Landesverband der Schwerhörigen und Ertaubten, Beate Hansemann EUTB Blinden- und Sehbehindertenverband BW, Michaela Ohmes Pflegestützpunkt Landkreis Calw, Diana Neubrand Demenz-Netzwerk Bad Liebenzell und Mitarbeiterin EUTB Foto: Wallburg

Wer Pflege braucht oder wem eine Behinderung droht, steht nicht selten ratlos da – auch, wenn der Unglücksfall die Familie trifft. In Bad Liebenzell wurde für solche Situationen nun Hilfe geschaffen – in Form einer Bürger-Beratungsstelle.

Bad Liebenzell - Verschiedene Netzwerk-Akteure haben sich zusammengeschlossen und in Form einer Informations- und Gesprächsrunde den Bürgern der Stadt ihr künftiges Konzept für eine gemeinsame Bürger-Beratungsstelle im Parksaal des Bürgerzentrums vorgestellt. Ein Novum im ganzen Landkreis Calw.

Die Akteure

In Zusammenarbeit mit dem Pflegestützpunkt des Landkreises Calw, dem Demenz-Netzwerk Bad Liebenzell und der Ergänzenden Unabhängigen Teilhabeberatung (EUTB) für Blinde und Sehbehinderte wie auch Schwerhörige und Ertaubte hat der Bürger- und Kulturverein Bad Liebenzell (BKV) die Initiative ergriffen, in seinem Vereinsbüro im Dorfzentrum Monakam eine gemeinsame Beratungsstelle aufzubauen, die künftig allen ratsuchenden Bürgern kostenlos zur Verfügung stehen soll.

Pflegebedürftige als auch von Pflege bedrohte Personen

Michaela Ohmes vom Pflegestützpunkt Calw gab einen Abriss ihrer zentralen Aufgaben im Landratsamt. Sie möchte die Bürger-Beratungsstelle in Bad Liebenzell zukünftig vor Ort unterstützen und damit sowohl Pflegebedürftige als auch von Pflege bedrohte Personen sowie deren Angehörige kostenfrei und neutral beraten und informieren. Wie sie weiter erläuterte, biete sie neben Informationen zu gesetzlichen und kommunalen Leistungen auch Auskünfte über regionale Betreuungsangebote und Hilfestellung bei der Inanspruchnahme der Leistungen an. Bei Bedarf unterstütze sie zusätzlich vor Ort auch die Organisation der Pflege und vermittele entsprechende ambulante Hilfs- und Betreuungsdienste.

Rehabilitation und Teilhabe

Zu Fragen der Rehabilitation und Teilhabe informierte Anita Lohrmann von der EUTB Calw. Auch sie wird die neue Bürger-Beratungsstelle in Bad Liebenzell begleiten und sieht ihre Funktion insbesondere im Vorfeld der Beantragung konkreter Leistungen zum Beispiel bei Leistungen zur medizinischen Rehabilitation und der Zuständigkeit der Rehabilitationsträger bei Fragen rund um das Thema Teilhabe, wie beispielsweise der Teilhabe am Arbeitsleben. Teilhabe am Arbeitsleben heiße, ergänzte sie, die Möglichkeiten beruflicher Perspektiven zu entdecken und den passenden Arbeitsplatz zu finden und zu erhalten. Die Selbstbestimmung von Menschen mit drohenden Behinderungen solle vordergründig gestärkt werden, insbesondere auch durch die besondere Berücksichtigung der Beratungsmethode des Peer Counselings (Beratung von Betroffenen für Betroffene).

Betroffene beraten Betroffene

Eine solche Betroffene, die sehbehinderte Beate Hasselmann vom Blinden- und Sehbehindertenverband BW, sprach anschließend über ihre persönlichen Erfahrungen, wie sie mit ihrer Behinderung lebt. Auch sie will Teil des neuen Beratungsnetzwerks sein und zukünftig als "Lotsin" betroffenen Menschen vor Ort dazu verhelfen, in einer vertrauensvollen Atmosphäre alle Themen offen ansprechen zu können. Eine weitere Peer-Beraterin, Christine Blank-Jost vom Landesverband der Schwerhörigen und Ertaubten BW, sprach bei der Informations- und Gesprächsrunde ihrerseits über Erfahrungen und warb dafür, das neue Beratungsangebot ernsthaft zu nutzen, denn das, was der BKV hier versuche, gemeinsam mit der Stadt zu initiieren, sei ein Novum im ganzen Landkreis und biete für Bad Liebenzell und seine Bürger eine einmalige Chance.

Demenz-Netzwerk

Gleiches betonte das letzte Mitglied im Netzwerk der Bürger-Beratungsstelle, Diana Neubrand vom Demenz-Netzwerk und Sozialmanagement der Stadt. Das 2019 gegründete Demenz-Netzwerk habe sich zum Ziel gesetzt, so Neubrand, die Versorgung von Menschen mit Demenz am Ort stetig zu verbessern und ihre pflegenden Angehörigen und Freunde in ihrer wertvollen Arbeit mit Rat und Tat zu unterstützen. Zwei Mitglieder aus ihrem Demenz-Netzwerk will sie ebenfalls als Gesprächspartnerinnen in der Bürger-Beratungsstelle hier einbringen.

Aller Anfang sei wohl schwer, beendete der Vorsitzende die Veranstaltung. Mit einer derart geringen und somit enttäuschenden Bürgerbeteiligung an der Informationsveranstaltung habe man jedoch nicht gerechnet und hoffe nur, dass sich diese Situation baldmöglichst umkehre. Verstärkte Marketingaktionen über die sozialen Medien der Stadt, den jeweiligen Internetseiten der Kooperationspartner, in den gängigen Printmedien und auf großflächigen Plakaten in allen Schaukästen der Kernstadt und Stadtteile seien jetzt dringend erforderlich. Auf der kommenden Pflegemesse am 2. Juli im Spiegelsaal Bad Liebenzell will das Demenz-Netzwerk einen Stand betreiben und auch Informationen zur Bürger-Beratungsstelle bereithalten.

INFO

Die Bürger-Beratungsstelle im Dorfzentrum Monakam wird in den nächsten drei Monaten an folgenden Tagen jeweils von 15 bis 17 Uhr Beratungen anbieten:

7. Juni Pflegestützpunkt Landkreis Calw

14. Juni EUTB Blinden- und Sehbehindertenverband BW

21. Juni EUTB Landesverband der Schwerhörigen und Ertaubten

28. Juni Demenz-Netzwerk BL

30. Juni EUTB Landkreis Calw

5. Juli Pflegestützpunkt Landkreis Calw

12. Juli EUTB Blinden- und Sehbehindertenverband BW

26. Juli Demenz-Netzwerk BL

28. Juli EUTB Landkreis Calw

2. August Pflegestützpunkt Landkreis Calw

9. August EUTB Blinden- und Sehbehindertenverband BW

23. August Demenz-Netzwerk BL

25. August EUTB Landkreis Calw

Beratungstermine sind vorab zu vereinbaren.

Ansprechpartnerin: Diana Neubrand, Stadtverwaltung Bad Liebenzell; Telefon 07052/40 82 12; Mail: neubrand@bad-liebenzell.de