Seit dem Brand im Juli hat sich im Freizeitpark viel verändert. So wurde das erste Drittel der betroffenen Fläche wieder aufgebaut– und auch eine neue Bahn eröffnet.
Die Vorfreude ist dem Inhaber Michael Schludecker am Mittwochmorgen ins Gesicht geschrieben, als er Medienvertreter in seinem Familienpark Funny-World begrüßt. Seine Jacke ist bis obenhin zugezogen, die Stimme leicht angeschlagen. „Ich bin ein wenig erkältet“, erklärt er. Abzusagen, stand jedoch nicht infrage. Dafür liege ihm dieser Termin zu sehr am Herzen. Denn: „Das ist die erste Pressekonferenz nach dem Brandschaden.“
Gemeint ist damit der verheerende Vorfall im Juli. Durch einen technischen Defekt brach ein Feuer aus, das große Teile des Kappel-Grafenhausener Parks in Schutt und Asche legte. „Wir waren auf solch einen Rückschlag nicht vorbereitet. Das war ein Supergau“, blickt Betriebsleiter Bernd Wolk zurück. Von dem damaligen Bild der Zerstörung ist heute nichts mehr zu sehen. „Wir waren lange damit beschäftig, die Schäden aufzuräumen. Immer wieder tauchten verschmorte Kabel auf“, erinnert sich Schludecker. Mittlerweile habe man das erste Drittel des Wiederaufbaus geschafft. Bis zum Ende nächsten Jahres soll der gesamte Bereich in neuem Glanz erstrahlen. „Die Handwerker sind unermüdlich“, lobt der Inhaber die Mitarbeiter der Baufirma, die beim Besuch unserer Redaktion dabei sind, den Boden neu zu pflastern.
„La Cantina Dona Helena“ wird wieder aufgebaut
Besonders stolz sind Schludecker und Wolk auf die neue Attraktion „Capitano Pedalo“. Sie steht direkt neben dem Gebäude „La Cantina Dona Helena“, das durch den Brand große Schäden davon getragen hatte. Lange Zeit war unklar, ob es abgerissen werden muss – das war offensichtlich nicht nötig gewesen. Das Prinzip der neuen Achterbahn ist schnell erklärt: Bis zu zwei Kinder haben im Waggon Platz, der durch eine Aufsichtsperson per Muskelkraft angetrieben wird. Dafür muss der Erwachsene auf eine Art Fahrrad sitzen und so lange in die Pedale treten, bis die Gondel den höchsten Punkt erreicht und mit Schwung die restliche Strecke abfährt. Die Bahn benötigt also keine Energieversorgung. „Strom aus den Schenkeln“, sagt Wolk lachend.
Dass das Ganze in der Praxis funktioniert, wird bei den ersten Proberunden deutlich. Im Waggon: der Pirat „Captain Jack“, der sich zuvor bei der Achterbahn-Enthüllung unter einer Plane versteckte. Drei Mal hintereinander befördert ihn Schludecker problemlos über den Hügel. Ab Samstag, 6. Dezember, wird die Bahn für Kinder ab drei Jahren eröffnet. Bis zu 120 Fahrgäste sollen pro Stunde transportiert werden können. „Das ist das schönste Nikolausgeschenk, das ich mir wünschen kann“, freut sich der Park-Chef.
Auch die Seilbahn soll zurückkehren
Und wie geht es nun weiter? „Es wird viel passieren“, kündigt Schludecker an. So sollen beliebte Attraktionen, die durch den Brand zerstört wurden, zurückkehren. Darunter die „Banane“ und der „Mann auf dem Klo“. Orientiert werde sich dabei an dem Architektenwettbewerb, den Funny-World nach dem Feuer ins Leben gerufen hatte. Besucher konnten dabei ihre Ideen und Wünsche im Hinblick auf den Wiederaufbau einbringen. Auch die Idee des „Capitano Pedalo“ stamme unter anderem von einer zwölfjährigen Dauerkartenbesitzerin. Zudem sei derzeit eine weitere Neuheit in Arbeit: Mit „Jungle-Loop“ soll im Februar 2026 eine weitere Familienattraktion an den Start gehen. Und auch die Seilbahn, die bei einem anderen Brand im vergangenen Jahr zerstört wurde, soll demnächst wiederkommen. Auf Altbewährtes möchte der Park auch thematisch setzten. „ Mit Mexiko wollen wir zu den Wurzeln zurückkehren. So hat schließlich alles angefangen“, erinnert sich Schludecker.