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Neubulach Zwei Bebauungspläne, aber kein Beschluss

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Hier soll das Baugebiet "Dorfwiesenweg" in Oberhaugstett entstehen. Darüber gab es einige Diskussionen im Neubulacher Gemeinderat.Foto: Archiv/Dörr Foto: Schwarzwälder Bote

Der Gemeinderat Neubulach debattiert über zwei neue Baugebiete. Man kommt aber wegen zu vieler Änderungswünsche und Prüfaufträge nicht zu einem Beschluss. Dachformen, Vorgärten und Straßenbreiten sind heiß diskutiert.

Neubulach. Nadine Lindenschmitt konnte einem wirklich leid tun. Die Fachfrau vom Planungsbüro Schöffler aus Karlsruhe war extra in ihrem Urlaub nach Neubulach gereist, um dem Gemeinderat die neuen Bebauungspläne in Oberhaugstett und Altbulach vorzustellen.

Beschlossen wurde am Ende aber nichts, da es noch zahlreiche Anregungen aus dem Gremium gab. Das Gebiet "Dorfwiesenweg" in Oberhaugstett ist laut Lindenschmitt als allgemeines Wohngebiet ausgewiesen. "Erlaubt sind da nur zwei Vollgeschosse", erklärte sie. Das führt dann dazu, dass man eine maximale Gebäudehöhe von zehn Metern bei einer Höchstwandhöhe von 6,50 Metern erreichen darf.

Das erlaube beim Dach einen gewissen Spielraum, so die Planerin. Sattel-, Pult- und Flachdächer sind erlaubt. "Versetzte Pultdächer sind da noch nicht enthalten", stellte Rat Reiner Stoll fest. Das könne man ja noch mit aufnehmen, versicherte Lindenschmitt. Gemeinderat Andreas Kubesch sprach sich dann noch für das Aufnehmen von Zeltdächern zusätzlich aus, auch wenn es "kein Herzensanliegen" von ihm sei. Grundsätzlich merkte er an, doch nur Sachen in die Festsetzungen aufzunehmen, die man auch wirklich wolle und umsetzen könne. Man solle doch nicht "ohne Not" alles begrenzen, forderte er.

Seitens der Verwaltung war man sich über das Aussehen von Zeltdächern nicht so ganz einig. Bauamtsleiter Gerhard Schlecht meinte, dass die auch gern als Walmdächer bezeichnet würden. Bürgermeisterin Petra Schupp meinte, sie hatte das Thema auch schon mit der Baurechtsbehörde und zuvor die Dachform gegoogelt. "Die Antwort von der Baurechtsbehörde war, dass man da nicht nur googelt, sondern auch diverse Fachbücher zu Rate zieht", meinte sie. Ob ein solches Dach dann am Ende genehmigt wird, hängt also an der Baurechtsbehörde.

Ein weiteres Dachthema trieb vor allem Gemeinderat Kubesch um. Ob man denn nicht die Regelung aufheben könne, dass Solarpaneele einen halben Meter von der Dachkante weggerutscht sein müssen? "Da verliert man unter Umständen eine ganze Reihe", bedauerte der Stadtrat. Schlecht meinte, dass das schon seine Gründe habe: Im Winter rutsche der Schnee leichter über die glatte Oberfläche der Paneele, da wirke die restliche Dachfläche als Bremse. Als Schlecht so hin- und herüberlegte, meinte er trocken: "Allerdings haben wir hier ja nur Einfamilienhäuser. Im Zweifel fällt der Schnee ja aufs Auto des Hausbesitzers." Kurzum: Eigenes Risiko. Man war sich am Ende einig, diese Regelung zu kippen.

Kubesch war an diesem Abend allerdings so richtig in Fahrt und knöpfte sich schon den nächsten Punkt im ausgearbeiteten Bebauungsplanentwurf vor: die Artenverwendungsliste. Die soll regeln, welche Bepflanzung auf und ums Haus herum eingebracht wird. "Da ist eine Esche dabei. Die wird bis zu 35 Meter hoch, das stellt sich doch kein normaler Mensch neben das Haus." Für ihn sehe diese Liste nach reiner Willkür aus, zumal auch einige heimische Baumarten fehlen würden.

Lindenschmitt gab zu, dass sie in der Tat nur "copy and paste" vom Gebiet Steigäcker betrieben hätte und obendrein keine Botanikerin sei. Doch sie wusste zu beruhigen: "Das ist ja nur eine Empfehlung", und natürlich dürfe da auch anderes Grün gepflanzt werden. Auch Ratskollege Lars Dannenmann hatte sich auf die Liste eingeschossen: "Wieso ist da eine Stammdicke festgeschrieben", fragte er verwundert, mit dem sachdienlichen Hinweis, dass der Baum doch ohnehin von selber wachse. "So Zeug sollte man rausnehmen", befand er. Lindenschmitt hob darauf ab, dass es ja beim Kauf eines Baumes verschiedene Güteklassen gebe. Schlecht vom Bauamt korrigierte: Es gehe hier um den Stammumfang, das sei dann ja nicht sonderlich riesig.

Ein weiterer Zankapfel war die Vorschrift, zwischen Haus und Straße, also einem möglichen Vorgarten, keine Bebauung zuzulassen. Einen Schuppen wolle man da beispielsweise nicht sehen, erklärte Schupp. Da regte sich nun wiederum Stoll auf, der fand, dass man die Grundstückskäufer nicht zu sehr einschränken solle – zumal selbige einen Haufen Geld für das Grundstück ausgeben würden. "Ein Brennholzbeig ist doch nichts Schlimmes. Wir sind auf dem Land, da gehört das dazu", klagte Stoll. Bauamtsleiter Schlecht beschwichtigte: Ein Holzbeig sei ja rein baurechtlich kein Bauwerk, weshalb dagegen keiner etwas sagen würde.

Doch das Gremium war noch immer nicht fertig mit dem Planentwurf – sehr zum Leidwesen von Lindenschmitt, die aber emsig alle Anregungen notierte.

Die Straßenbreite war im Entwurf mit 5,80 Metern vermerkt. Man hätte in einer früheren Sitzung beschlossen, die Straße maximal 5,50 Meter breit zu machen. Schupp war sich nicht sicher, ob es da je einen konkreten Beschluss gegeben hätte. Doch Dannenmann zitierte dann kurzerhand das Protokoll von damals, aus dem hervorging, dass tatsächlich beschlossen wurde, die Straße auf 5,50 Meter zu begrenzen.

Beim Stichwort Straße kam noch etwas zu Tage: Die Brachfläche im südlichen Eck des Planfenster wolle man zu einem Parkplatz machen, allerdings nicht konkret zu Parkraum umwidmen. Von der Straße aus werde man einfach einen Teil als Zufahrt teeren, um so die Zugänglichkeit zu ermöglichen. Schupp fasste schlussendlich die Änderungswünsche grob zusammen: Freigabe der Dachformen, zulässige Dachfarbe anthrazit, die Parkfläche als Straße belassen sowie die Regelung mit den Vorgärten so belassen, wie sie war.

Weil es am Ende so viele Unstimmigkeiten und Anregungen gab, kam es nicht zum Offenlagebeschluss.

Den nächsten Anlauf nahm Lindenschmitt dann beim Gebiet "Vogtsäcker" in Altbulach. "Da gibt es neue Erkenntnisse", erklärte die Fachfrau dem Gremium. Der landwirtschaftliche Betrieb, der im Nordwesten angrenzt, betreibt eine Fahrsiloanlage, die zu erheblichen Geruchsemissionen führt. Deshalb hat man im hinteren Teil eine Geruchslinie eingezeichnet, hinter der keine Bebauung erlaubt ist, die zum Aufenthalt oder Wohnen dient. "Der Geruch ist da einfach zu heftig", brachte es Lindenschmitt auf den Punkt. Daher überlege man, in diesem Bereich lediglich öffentliche Stellplätze oder eine Grünfläche zu gestalten.

Des Weiteren wird der Wendehammer im Norden, der bereits in der April-Sitzung diskutiert wurde, zur Realität. "Hinten gibt es nur eine Notausfahrt mit Pollern getrennt", erläuterte Bürgermeisterin Schupp ergänzend. Der städtebauliche Entwurf schlägt nun vor, zehn Einfamilienhäuser und vier Doppelhaushälften im Gebiet zu errichten. Allerdings werden die vier größeren Gebäude allesamt auf der südwestlichen Seite des Gebiets, also der bereits bestehenden Bebauung zugewandt, stehen.

Gemeinderat Peter Moers regte an, da jetzt ja Platz im nördlichen Teil sei, eine Biomasse-Anlage zur Energieerzeugung zu errichten. Schupp wollte dem direkt einen Riegel vorschieben und meinte: "Wir haben ja keine Stadtwerke, das müsste dann ein privater Betreiber machen." Außerdem brauche man dazu dann weitere Gutachten zum Thema Lärm.

Stadtrat Andreas Blaurock sprang Moers bei und meinte, man habe sich dafür ausgesprochen, in neuen Gebieten auf ökologische Energieträger zu setzen. Sogar Andreas Kubesch, als Grüner ökologischen Lösungen im Grundsatz freilich nicht abgeneigt, hatte da seine Bedenken: "Das ist doch unsinnig für die paar Häuser. Bei großen Verbrauchern macht das Sinn, aber hier nicht."

Moers warf seinem Ratskollegen vor, zu kurzfristig zu denken. "Viele Häuser haben da noch Heizungen drin, die sind 20 oder 30 Jahre alt." Locker 50 Häuser oder mehr könnten an die Anlage anschließen, war sich der Stadtrat sicher. Doch Bürgermeisterin Schupp verwies abermals auf ein Problem: "Das muss wie gesagt ein Betreiber gefunden werden. Und einen Anschlusszwang an so eine Anlage kann man auch nicht machen." Darüber hinaus müsse man dann die Dimension eines solchen Bauwerks prüfen lassen. Man wolle das aber alles mitnehmen und die Planer nochmals betrachten lassen. Lindenschmitt hatte dafür Notizen gemacht – die sind nach der eifrigen Diskussion im Gremium durchaus umfangreich.

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