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Neubulach Rassismus hat an "bunter Schule" keinen Platz

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Jetzt hängt das Schild: Darüber freuen sich auch (von links) Petra Schupp, Dominik Bernhart und Saskia Esken (rechts). Foto: Stöß Foto: Schwarzwälder Bote

Rassismus hat an der Neubulacher Gemeinschaftsschule keinen Platz. Sie ist eine von 300 "Schulen mit Courage" im Land. Die Initative, sich der Aktion anzuschließen, ging von Schülern aus.

Neubulach. Bislang deuteten fünf Schilder am Eingang darauf hin, dass in der Gemeinschaftsschule Neubulach (GMS) Wert auf stetige Weiterentwicklung gelegt wird. Nun durften die Mädchen und Jungen unter den Augen ihrer "Patin" Saskia Esken eine weitere, besondere Hinweistafel anschrauben. Sie zeigt: Die GMS ist eine von 300 Schulen in Baden-Württemberg mit dem Prädikat "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage".

Der Direktor der Neubulacher Schule, Dominik Bernhart freute sich, weil die Schüler in Sachen Rassismus selbst die Initiative ergriffen hatten. "Sie haben eine Unterschriftenaktion durchgeführt und sich dazu bekannt, dass die Schülerschaft die Ziele der Aktion mitträgt." Überhaupt engagierten sich die Jugendlichen gegen Ausgrenzung in jeglicher Form. Sie möchten sich laut Bernhart um die Schwächeren kümmern, mit und ohne körperliche Beeinträchtigungen. Letztendlich sei man eine Schule für alle.

Den Rektor hat es deshalb "furchtbar gefreut", dass die Schüler von sich aus Position beziehen wollten – gegen Rassismus. Vielmehr sei man eine "bunte Schule". Er könne sich angesichts solcher Schüler glücklich schätzen als Rektor, meinte dieser begeistert. Denn dies seien ja genau die Dinge, zu denen man Schüler hin erziehen wolle.

Abgeordnete sagt gleich zu

Zum Thema Eigeninitiative passt, wie es dazu kam, dass die prominente SPD-Politikerin Saskia Esken die Patenschaft übernahm.

Hierbei zeigte die Schülermitverwaltung, insbesondere ein Fünftklässer namens Filip Courage. Dieser schrieb der SPD-Vorsitzenden einfach einen Brief unter dem Motto "Wie sieht es denn aus, Frau Esken: Rassismus finden Sie doch bestimmt auch nicht gut?"

Esken zauderte nicht und sagte zu. Weil sie, wie sie ausführte, der Neubulacher Gemeinschaftsschule schon lange besonders verbunden sei. Vor Ort sagte sie, sie freue sich besonders, "dass sich die Schüler dazu entschieden haben, einen solch wertvollen Weg zu gehen". Gerade in diesen Corona-Zeiten bestünde die Gefahr, dass Themen wie "gegen Rassismus zu sein" in den Hintergrund gerieten. Vielmehr komme es aber immer mehr darauf an, dass deutlich gemacht wird, "dass wir eine einzige Gesellschaft sind; dass wir niemanden ausschließen".

Die Bundestagsabgeordnete erzählte den staunenden jungen Zuhörern von dem "asiatisch aussehenden Fahrgast einer U-Bahn in Berlin, dem man die Schuld für Corona gibt", und der deshalb aus der U-Bahn aussteigen sollte.

Die Neubulacher Bürgermeisterin Petra Schupp sah in dem Tun der Schüler nicht die typische "schulische Veranstaltung, wo man auf Zeugnisse hinarbeitet". Sie meinte: "Hier tut Ihr etwas fürs Leben." Der Einsatz gegen Rassismus sei also kein Schul-, sondern ein Lebensprojekt. Die Bürgermeisterin machte den Schülern Mut: "Wenn ihr es schafft, dafür zu sorgen, dass sich an Eurer Schule niemand Sorgen machen muss, dass er ausgegrenzt wird, dann habt Ihr alle ganz viel erreicht."

Die Mädchen und Jungen erzählten, wie sie ihre Mitschüler auf das Thema aufmerksam machen konnten. Eine groß angelegte Unterschriftenaktion, bei der man sich dazu bekennen konnte, gegen Rassismus zu sein, machte deutlich, wie aus der Aktion eine Gruppenbewegung wurde. Eine Schülerin freute sich über "das besondere Erlebnis", und dass es ihr gut gefallen hat, wie alle zusammengearbeitet haben.

Nach den Worten des Projekt-Koordinators Markus Schädle lernten hier die Kinder, dass jeder Mensch selbst "wählen darf, wie man sich entscheidet". Angesichts von 349 Unterschriften – bei 420 Schulmitgliedern – zeigten sich die Neubulacher Kinder mit 83 Prozent überdurchschnittlich aktiv und bekannten sich zum Motto. In anderen Schulen liege die Quote niedriger. So mündete die Aktion in einer gemeinschaftlichen Willensbekundung, bei der dennoch jeder frei entscheiden durfte.

Größtes Netzwerk

Schädle machte deutlich, dass es sich bei diesem Projekt um "Deutschlands größtes Schüler-Netzwerk" handele. In Baden-Württemberg ist das Kolping-Bildungswerk Träger, unterstützt von der Landeszentrale für politische Bildung sowie dem Land Baden-Württemberg.

Letztendlich geht es bei der Beschilderung auch darum, dass "Ihr Euch immer daran erinnert, wie Ihr an Eurer Schule miteinander umgeht, welche Werte Ihr hier leben wollt", gab er seinen Schülern mit auf den Weg. Mit der Prämierung sei die Aktion ausdrücklich nicht abgeschlossen: "Wichtiger ist, was Ihr in Zukunft macht!"

Es geht also weiter mit Aktionen, zum Beispiel dem schulinternen Malwettbewerb zum Thema Rassismus. Die Bilder, im Neubulacher Schulgebäude zu besichtigen, sprechen einen deutliche, weil kreative und ausdrucksstarke Sprache.

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