Cetin Karanci (Mitte) und Gerd Bäuerle (rechts) geben ihre Posten in der Neubulacher Feuerwehr nach zehn Jahren ab – unter anderem an Michael Wacker (Dritter von links).Foto: Biermayer Foto: Schwarzwälder Bote

Feuerwehr: Großer personeller Umbruch bei der Wehr in Neubulach / Viele Kameraden waren online zugeschaltet

In Neubulach geht eine Ära zu Ende. Bei der Freiwilligen Feuerwehr hört das Duo aus Kommandant Cetin Karanci und seinem Stellvertreter Gerd Bäuerle nach zehn Jahren auf. Michael Wacker wurde als Nachfolger gewählt. Und all das in einer ganz besonderen Hauptversammlung.

Neubulach. Getestet und mit Maske – nur so kamen die etwa 35 Feuerwehrleute in die Neubulacher Festhalle zu ihrer Versammlung. Doch noch mal doppelt so viele der insgesamt 133 Männer und Frauen starken Wehr waren online zugeschaltet. Denn nur der Vorstand und diejenigen, die befördert, geehrt oder gewählt wurden, waren in der Halle zugelassen.

Als "außergewöhnlich" beschrieb Kommandant Cetin Karanci die Hauptversammlung passend in seiner Begrüßung. Auch deshalb, weil sie pandemiebedingt im vorigen Jahr ausfallen musste. So umfasste sein Rückblick dann auch zwei Jahre. Vor allem bei Lehrgängen und Übungen zeigten sich im Vergleich zu 2019 die Auswirkungen der Pandemie. Beides habe sich 2020 um etwa die Hälfte reduziert, weil vieles nicht hätte stattfinden können, erklärte Karanci.

Die Einsatzzahlen sind jedoch auf dem gleichen Niveau geblieben. 35 waren es 2019 und 30 im vergangenen Jahr. Hier dankte der Kommandant den Feuerwehrleuten für ihren Einsatz und Mithilfe bei der Umsetzung des Hygienekonzepts. Auch in Richtung Stadt sprach er seinen Dank aus. Immerhin hatte diese der Feuerwehr im Vorjahr 140 neue Einsatzjacken und -hosen bezahlt.

Der Bericht von Jugendwart David Meissner fiel ebenfalls kürzer aus. Man habe im abgelaufenen Jahr wenig machen können. Trotzdem habe man Zuwachs bekommen – und das, obwohl man sich vornehmlich online traf. Bei der Alterswehr sei die Situation ähnlich, meinte Hans Rentschler. Man hofft auf baldige Normalität.

Keiner der Amtsinhaber trat bei den Wahlen wieder an

Darauf hoffte auch Bürgermeisterin Petra Schupp in ihrem Grußwort. Sie dankte den Feuerwehrleuten besonders für ihren Einsatz in Pandemiezeiten. Sie seien immer für die Sicherheit der Bevölkerung da gewesen. Und deshalb habe die Stadt gerne in die neue Schutzausrüstung investiert. Denn wer die Bevölkerung schütze, verdiene selbst den maximalen Schutz.

Der Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbandes, Klaus Ziegler, machte auf das hohe Ausbildungsniveau der Wehren im Kreis aufmerksam. Denn trotz weniger Übung hätten alle Einsätze gut funktioniert. Jörg Pfrommer vom DRK-Ortsverband dankte Karanci persönlich für die jahrelange und sehr gute Zusammenarbeit. Nach der Entlastung des Vorstandes folgten die Wahlen – und die hatten es dieses Jahr in sich. Denn keiner der Amtsinhaber trat nochmals an. Für die potenziellen Nachfolger wurde sogar die Feuerwehrsatzung geändert, was unlängst auch schon den Gemeinderat der Stadt passierte. Der Kommandant hat zukünftig nämlich zwei statt nur einem Stellvertreter. Gewählt wurde schon vor der Hauptversammlung per Briefwahl. Der neue Kommandant ist Michael Wacker, sein erster Stellvertreter Oliver Schaible und sein zweiter Stellvertreter Thomas Winter. Als Kassierer wurden Michael Hanke gewählt. Verena Leonhardt ist zukünftig Schriftführerin.

Wacker richtete sich in einer kurzen Ansprache an seine Feuerwehrleute. Er dankte für die Unterstützung und sprach von "einer Zeit der Veränderung".

Diese aufkommende Zeit präzisierte der 32-jährige im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten: Das neue Gerätehaus, neue Fahrzeugbeschaffungen und eine Strukturreform stünden als Themen an. Dabei wolle er aktiv mitgestalten. Auch Karanci hatte noch ein paar Worte an seine Kameraden zu richten: Die zehn Jahre hätten ihm persönlich viel Spaß gemacht. Es habe eine gute Zusammenarbeit gegeben, gerade bei den zwei großen Brandeinsätzen. Zudem habe man viel erneuert. Er sei auf das Erreichte sehr stolz.

Anschließend wurden sowohl Karanci als auch Bäuerle von ihren Kameraden mit Lob und Geschenken bedacht. "Vom Kapitän und seinem ersten Offizier" war hier unter anderem die Rede. Beide hätten gute Arbeit geleistet und die Feuerwehr für die Zukunft aufgestellt. Bürgermeisterin Schupp schloss sich dem überbordenden Lob an. Beide lebten für die Feuerwehr und blieben ihr ja weiterhin erhalten. Sie dankte für die gute Zusammenarbeit und sprach dem neuen Vorstand die volle Unterstützung aus.

Schon das halbe Leben in irgendeiner Funktion bei der Feuerwehr

Im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten erklärten Karanci und Bäuerle ihre Beweggründe dafür, ab sofort kürzer zu treten. Er sei mit 25 Jahren etwa sein halbes Leben in irgendeiner Art Vorstand bei der Feuerwehr gewesen, so Karanci. Deshalb und aus beruflichen Gründen wolle er das Amt nicht weiter bekleiden. Bäuerle stieß ins gleiche Horn. Außerdem sei es Zeit, den Jungen Platz zu machen.

Und es sei auch an der Zeit, dass diese auch Verantwortung übernähmen. Das ist mit der großflächigen Umstrukturierung in der Neubulacher Feuerwehr jetzt der Fall.