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Neubulach Gremium beauftragt Lärmaktionsplan

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Lärm macht krank. Zumindest, wenn er dauerhaft auftritt. Welche Folgen der Verkehrslärm in Neubulach und Teilorten hat, das soll jetzt ein Lärmaktionsplan zeigen. Die Aufstellung dessen war Thema im Gemeinderat. Die ersten Ergebnisse alarmieren.

Neubulach. Ein Lärmaktionsplan. Klingt nicht nur komplex, sondern ist es auch. Das zeigte sich in der jüngsten Sitzung des Neubulacher Gemeinderates. Denn auf der prall gefüllten Tagesordnung mit 18 Punkten fand sich auch der mit dem Titel "Lärmaktionsplan für die Stadt Neubulach". Hierzu waren zwei Experten der Firma "Soundplan" aus Backnang zu Gast im Gremium. Und die hatten allerlei Werte und Informationen im Gepäck.

Jürgen Roth von "Soundplan" verdeutlichte den Zweck hinter einem solchen Lärmaktionsplan: "Lärm verursacht einen enormen Schaden. Ist man dauerhaft einem Pegel von 65 Dezibel (dbA) ausgesetzt, hat das gesundheitliche Auswirkungen." Die Krux daran ist aber folgende: Für Lärmschutzmaßnahmen an Straßen ist als Untere Verkehrsbehörde das Landratsamt Calw zuständig. Und das muss laut Roth erst aktiv werden, wenn mehr als 8200 Fahrzeuge in 24 Stunden über die Straßen rollen – "und das ist in Neubulach bei keiner Straße der Fall." Gemeinderat Andreas Blaurock (CDU) insistierte da vehement: "Das stimmt nicht, ich habe aktuelle Zahlen vom Landratsamt bekommen, da sind wir über den 8200." Doch Roth beschwichtigt, spricht davon, dass die Zahlen auf Straßenklassifizierungen aus dem Jahr 2017 basieren – derzeit die aktuellsten, da dieser Vorgang nur alle fünf Jahre stattfindet.

Saubere Ausarbeitung ist besonders wichtig

Außerdem, fuhr der Experte fort, müsse man den Plan auf den Handlungsbedarf auslegen, also sich konkrete Maßnahmen überlegen, um den Lärm zu reduzieren. Je konkreter und sauberer ausgearbeitet der Lärmaktionsplan sei, desto bindender sei es, für das Landratsamt aktiv zu werden. "Aktiv werden". Das heißt dann konkret zum Beispiel lärmmindernden Asphalt zu verlegen oder das Tempo von 50 auf 30 Kilometer pro Stunde (km/h) zu drosseln. Denn bereits eine Reduktion des Lärms um drei Dezibel hätte den gleichen Effekt, wie wenn der Verkehr zahlenmäßig um die Hälfte abnehmen würde. Doch so einfach wie es klingt, ist es dann eben doch nicht, verdeutlicht Roth. "Die Maßnahmen muss man abwägen. Da spielen Verkehrslage, Geschwindigkeit, Gefälle oder Steigungen, Verdrängungseffekte und Kosten mit rein", verdeutlicht der Experte und fügt an: "Der Haken ist, dass die Stadt nicht selber bestimmen kann, was gemacht wird." Man könne lediglich Anregungen geben und selbstverständlich auch Straßen begutachten, die unterhalb der 8200 Fahrzeuge liegen.

Und das hat die Stadt nun gemacht. Bürgermeisterin Petra Schupp unterstrich daher die Wichtigkeit des freiwilligen Plans: "Wir machen uns da jetzt auf den Weg. Und wenn Probleme aufgezeigt werden, haben wir gegenüber dem Straßenbaulastträger etwas in der Hand." Das ist freilich das Landratsamt Calw. Die ersten Schritte des Lärmaktionsplans sind bereits gegangen. Die Experten erstellten nämlich Lärmkarten. Klaus Wilhelm, ebenfalls von Soundplan, verdeutlicht das Verfahren: "Wir haben ein grobes 3D-Modell der Stadt genommen und dann die Gebäudedaten eingepflegt." So entwickelte sich eine Karte im "Klötzchen-Format", anhand dieser die Lärmbelastung errechnet wurde. Zu Grunde liegen hier die Daten der Verkehrserhebung, die bereits im März durch den Gemeinderat an eine Stuttgarter Firma vergeben wurde. Daraus entstand dann für jeden Teilort sowie die Kernstadt ein Datenmodell. Auffällig hierbei: Am Tag haben insgesamt 105 Gebäude die sogenannte Auslöseschwelle von 65 Dezibel überschritten, 26 sind gar im roten Bereich – dort sollte vordringlich gehandelt werden, um Gesundheitsschäden zu verhindern. Nachts sinkt diese Schwelle dann auf 55 Dezibel. Diese wird von 90 Gebäuden im Stadtgebiet gerissen, bei deren 18 ist die Lärmbelastung auch nachts bedenklich.

Ob man das denn nicht messen könne, wollte der Gemeinderat wissen. Wilhelm erklärte, dass das nicht gehe. Es komme dann immer etwas anderes raus, man müsste zahlreiche Kontrollmessungen durchführen, was Zeit und Geld koste. "Deshalb beurteilen wir das über die Berechnungen."

Auch in der Nacht eine "gelbe Perlenkette"

Als die Räte dann teils etwas bedröppelt auf die Grafiken blickten, die auch nachts eine "gelbe Perlenkette" (Experte Roth) entlang der Durchgangsstraßen zeigte, erklärten die Experten: "Das ist der tägliche Wahnsinn, den zurzeit jedes Dorf erlebt." Die Unteren Verkehrsbehörden würden daher durch solche Lärmaktionspläne dazu gedrängt, das Thema ernstzunehmen – "da ist auf jeden Fall Druck dahinter", meinte Roth.

Blaurock fragte am Ende des Vortrags, ob es denn möglich sei, die neuen Zahlen des Landratsamtes einfließen zu lassen? "Wir können das jetzt noch aufnehmen, dann aber den Deckel drauf machen, sonst wird das zu einem Hase-und-Igel-Spiel." Bürgermeisterin Schupp äußerte da ihre Bedenken, da derzeit drei Umfahrungen durch Neubulach führen. "Das ist dann nicht wirklich aussagekräftig und wir machen uns dadurch nur angreifbar", befürchtete die Rathauschefin. Doch egal wie, das betonte auch Wilhelm: "Es handelt sich eben um Orientierungswerte, die einen freiwilligen stadtplanerischen Handlungsbedarf begründen." Roth ergänzte: "Da muss am Ende auch die Öffentlichkeit beteiligt werden, um den Plan auszuarbeiten." Schlussendlich beschließt freilich der Gemeinderat den Plan – und ist dann auf das Landratsamt angewiesen.

Rat Reiner Stoll warf dann noch ein, dass zu solch einem Plan ja mehr gehöre, als das bloße Erfassen des Lärms. "Verkehrsfluss und Gefahrenpotenzial sollte man sich da auch anschauen", forderte er. Das sei natürlich auch in einem solchen Plan enthalten, betonten Wilhelm und Roth unisono. Außerdem stehe es der Stadt ja frei, das "Geld­säckle" zusätzlich aufzumachen für weitere Maßnahmen.

Die Experten hatten das Gremium jedenfalls davon überzeugt, dass ein Lärmaktionsplan nötig ist in Neubulach. Deshalb segnete das Gremium auch die Pläne der Verwaltung einstimmig ab, die Firma Soundplan mit der Aufstellung eins freiwilligen Lärmaktionsplans zu beauftragen. Kostenpunkt: rund 10 000 Euro.

Ihre Redaktion vor Ort Calw

Ralf Klormann

Fax: 07051 1308-91
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