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Neubulach Bereits im Wald geht der Orgelbau los

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Auf Krummholz und Regal musizieren Johannes Rohlf und seine Frau Elisabeth gemeinsam.Foto: Bechtle Foto: Schwarzwälder Bote

Der Orgelbauer aus dem Neubulacher Stadtteil Seitzental, Johannes Rohlf, werkelt seit Jahrzehnten in seiner Werkstatt an komplexen Instrumenten. Für den Bau einer Orgel braucht es nicht nur Geschick, sondern auch viel Zeit und Gespür.

Neubulach-Seitzental. Wenn man von Wildberg auf der B463 Richtung Calw fährt, kommt man an den Hinweisschildern Seitzental und Kohlerstal vorbei, beides kleine Siedlungen, die, obwohl im Nagoldtal liegend, zu Neubulach gehören.

In Seitzental ist ein handwerklicher Betrieb, der etwas Besonderes meisterhaft fertigt: die Orgelbauwerkstatt Johannes Rohlf. Sie baut seit mehr als fünf Jahrzehnten Orgeln: große Kirchenorgeln, Hausorgeln, Positive, Truhen- und Tischorgeln – da kann man nur staunen, was es alles gibt.

Chef und treibende Kraft ist Johannes Rohlf, der die Orgelbaufirma 1964 gegründet hat. Geboren wurde der heute 83 Jahre alte Rohlf in Bautzen, wo er nach seiner Schulzeit den Beruf des Orgelbauers erlernte und während seiner Gesellenzeit in verschiedenen Orgelbaubetrieben zahlreiche Erfahrungen sammelte. Schließlich absolvierte er 1963 erfolgreich den Meisterkurs an der Fachschule für Musikinstrumentenbau in Ludwigsburg und machte sich 1964 mit einer Orgelbauwerkstatt in Ruit auf den Fildern selbständig. Dort war er mit seinem Betrieb 22 Jahre lang ansässig, baute mehr als 70 Orgeln und restaurierte zahlreiche Instrumente.

Die Auftragslage entwickelte sich positiv, und so entsprachen die räumlichen Verhältnisse in Ruit nicht mehr den Wünschen von Johannes Rohlf und seiner Frau Elisabeth. Sie machten sich auf die Suche nach einem neuen Standort und fanden diesen im Neubulacher Ortsteil Seitzental, einem verträumten kleinen Flecken mit etwa 20 Häusern.

Absolute Teamarbeit und viel Material nötig

Ein ehemaliges Bauernhaus mit Scheune bot genügend Platz für eine größere Werkstatt. Im Gespräch mit Elisabeth Rohlfs meint sie: "Wir suchten einen Platz, den wir mögen und der uns mag." Und beides traf zu. Hier schufen sich die beiden ein behagliches "Nest", wo sie gerne leben und arbeiten.

Elisabeth Rohlf war beruflich als Gymnasiallehrerin überwiegend im Fach Musik tätig, sie konzertierte aber auch im von ihr gegründeten Ensemble für Alte Musik in Stuttgart und in der Schola cantorum Berlin. Bis in die jüngste Zeit gab sie Musik- und Instrumentalunterricht im Musiksaal ihres Hauses. Und natürlich arbeitet sie in der Leitung des Betriebs mit, wo sie für die gesamte Verwaltung zuständig ist.

Der Bau einer Orgel – dem größten und kompliziertesten Musikinstrument – fordert absolute Teamarbeit und einen großen Aufwand an Material, Handwerkskunst, Zeit und Geld. Von der Planung und Konstruktion bis zur Fertigstellung einer Pfeifenorgel vergehen im allgemeinen viele Monate.

Es sind viele Schritte, die zur fertigen Orgel führen: Messen, planen, entwerfen, schreinern, Metall gießen, löten sowie Blasebälge, Pfeifen, Register, Tastaturen und die Windanlage bauen.

So schreibt Rohlf 2006 zur Einweihung seiner größten Orgel in Hamburg-Poppenbüttel: "Unsere Arbeit in der Seitzentaler Werkstatt zielt auf ein Gleichgewicht zwischen äußerem Orgelbild, angemessener, mechanischer Steuerung und dem Wohlklang dienender Orgelakustik. Wir bauen die Orgel ihres Klanges wegen, als Musikinstrument, nicht als Skulptur und auch nicht als Maschine zur Krafteinsparung und Datenspeicherung. Das hochwertige, akustische Musikinstrument kommt immer vom Handwerksmeister. Nur der stets kontrollierte Handgriff führt zum optimalen Klang." Bei einer Führung durch die Orgelbauwerkstatt staunt der Besucher, was alles benötigt wird und wie eine Orgel entsteht. Natürlich baut Johannes Rohlf seine Orgeln nicht alleine. In seinen drei Mitarbeitern, den beiden Orgelbaumeistern Thomas Dehmel und Tobias Merkle sowie Orgelbauer Tudor Roberts hat er ein Team, auf das er sich verlassen kann. Alle drei kennen sich im Orgelbau bestens aus, wobei fast alles in der eigenen Werkstatt hergestellt wird.

Zuständig für die Konstruktionspläne

Schließlich will der Chef handwerklich selbst geschaffene Orgeln bauen. Rohlf ist vor allem zuständig für die Angebote, die Kalkulation, die Konstruktionspläne, die Aufträge und, was besonders wichtig ist, die Intonation der Orgel. Dies bedeutet, dass der Klang der fertigen Orgel absolut stimmen muss.

Intonation ist die Kunst, die einzelnen Register so aufeinander abzustimmen, dass sie unter den jeweiligen akustischen Gegebenheiten des Raumes – meistens sind dies Kirchen und Konzerträume – optimal klingen. Dies heißt natürlich auch, dass die Orgel in den Raum, für den sie bestimmt ist, klanglich, akustisch und visuell passen muss.

"Wenn eine Orgel für eine bestimmte Kirche gemacht werden soll, dann setze ich mich zuerst längere Zeit in diesen Raum und lasse ihn auf mich wirken", erklärt Rohlf. Das Aussehen des Raumes, der Baustil des Gebäudes, die räumliche Stimmung, auch das Klima und die Temperatur sind für die Planung und den Entwurf einer Orgel besonders wichtig, schließlich soll ja der Kunde zufrieden sein.

Auch dies ist ein Grund, warum in der Orgelbauwerkstatt Rohlf keine fertigen Pfeifen gekauft, sondern alle Pfeifen, ob aus Holz oder aus Metall, selbst hergestellt werden. Die Pfeifen sind unterschiedlich groß und reichen von drei Zentimetern Länge bis zu 2,40 Metern, wobei die Metallpfeifen selbst gegossen, "gehobelt", geformt und gestimmt werden. Lediglich der Motor, der für die Windmaschine benötigt wird, ist nicht aus eigener Produktion. Aber sonst ist alles an einer Orgel mechanisch: "Dies zeichnet die klassische Orgel aus", betont Rohlf.

Selbst das Holz sucht der Seitzentaler Orgelbauer bereits im Wald aus. Eigentlich, so Rohlf, ist jedes heimische Holz für den Bau einer Orgel geeignet. Aber am liebsten ist ihm Eichenholz aus dem Schönbuch. Zuerst wird das Holz längere Zeit gewässert, dann liegt es vier bis sechs Jahre als Bretterstapel im Trockenlager neben der Werkstatt, und schließlich wird es nochmals mehrere Tage lang in einem beheizten Ofen getrocknet, bevor es in der Werkstatt verarbeitet wird.

Im zehn Meter hohen Montagesaal wird die Orgel aus den gefertigten Einzelteilen, wozu natürlich auch der Spieltisch gehört, aufgebaut und erprobt. Erst wenn alles fertig ist, wird die Orgel vom Organisten, dem Orgelsachverständigen, vom Kunden und natürlich dem Orgelbauer "abgenommen".

Inzwischen hat die Orgelbauwerkstatt seit ihrer Gründung im Jahr 1964 etwa 220 Orgeln gebaut oder restauriert, die meisten für deutsche Abnehmer, im Kreis Calw in Altensteig, Hirsau, in Alt- und Neubulach, Nagold und Hochdorf. Rohlf-Orgeln werden aber auch in Südtirol, Österreich, Frankreich, der Schweiz, Spanien, Portugal und sogar in Japan gespielt. Seine größten Orgeln stehen in der Marktkirche in Hamburg-Poppenbüttel und in der Stiftskirche in Baden-Baden. Ein besonderer Auftrag war die Wiederherstellung der Holzhey-Orgel aus dem Jahr 1780 im Kloster Obermarchtal und dauerte fast zwei Jahre.

Wartung, Reinigung und Restaurierung zugehörig

Natürlich interessiert es, was eine Orgel kostet. In erster Linie hängt dies natürlich von der Größe des Instruments ab. Eine Truhenorgel ist ab etwa 25 000 Euro zu haben, bei großen Orgeln rechnet man pro Register mit etwa 21 000 Euro. Neben dem Neubau gehört zur Arbeit des Orgelbauers auch die Wartung, Reinigung und Restaurierung von Pfeifenorgeln, Hausorgeln, Truhenorgeln, Portativen (transportabel, tragbar) und Regalen (Kleinorgeln).

Johannes und Elisabeth Rohlf lieben diesen Beruf und die Musik. Deshalb haben sie auch in ihrem Haus einen speziellen Musiksaal mit verschiedenen Instrumenten, wo sie gemeinsam für ihre Kunden und auch für Besucher musizieren.

Beide, Elisabeth und Johannes Rohlf, wirken lebendig, vital und engagiert. Ihr Alter ist beiden nicht anzusehen. Vielleicht ist es eben gerade diese kreative Arbeit im hohen Alter, die dies bewirkt. Denn so lange kein potenzieller Nachfolger in Sicht ist, machen sie beiden mit Begeisterung weiter.

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